Zahlungsausfälle: In diesen Branchen steigt das Risiko

Zahlungsausfälle: In diesen Branchen steigt das Risiko

Die Textilbranche: Eine von mehreren Branchen mit gestiegenem Ausfallsrisiko.

Die Konjunktur schwächelt und das Risiko, dass Unternehmen Forderungen nicht mehr begleichen können, steigt. In welchen Branchen derzeit die Gefahr von Zahlungsausfällen groß ist. Welche Fehler KMUs beim Versichern von Risiken machen.

Die Konjunktur in der Automobilindustrie stottert. Nun wächst auch die Sorge über die in Österreich traditionell stark etablierte Stahl- und Kfz-Zuliefer-Industrie. „Eingetrübt haben sich laut Prognosen der Kreditversicherer auch die Aussichten für die Textil- und Baubranche“, konstatiert Peter Androsch, Vorstand beim internationalen Maklerverband für Kreditversicherungen Bardo.

Von etlichen Unternehmen wird das Risiko von Zahlungsausfällen nach Einschätzung von Androsch noch immer unterschätzt. Doch das Risiko auf seinen Forderungen sitzen zu bleiben, sind die manchen Branche so hoch wie lange nicht. Kreditversicherungsverband Bardo prognostiziert in welchen Branchen sich die Risiken für Zahlungsausfälle steigen.


Derzeit sinkt die Profitabilität gleich in mehreren Branchen. „Die Stahl-, Automotive-, Textil- und Baubranche werden von den Kreditversicherungen deshalb kritischer beäugt als früher“, erklärt Peter Androsch, Vorstand beim internationalen Kreditversicherungsverband Bardo.

Exporte von Kfz-Teilen sinken
„Die Stahlindustrie leidet unter der nachlassenden Konjunktur, dem Nachfragerückgang in der Automobilindustrie und den Schutzzöllen für Stahlprodukte. Besonders finanzschwache Anbieter sollten bereits jetzt Vorkehrungen treffen, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden“, mahnt Androsch zur Vorsicht. Auch bei den Automobil-Zulieferern laufen die Geschäfte nicht mehr so gut wie früher. Davon zeugen beispielsweise der im Sommer eingereichte Insolvenzantrag von HTI oder die Gewinnwarnungen mehrerer börsennotierter Player in Deutschland in diesem Jahr. Wie die Außenhandelsstatistik der Wirtschaftskammer zeigt, hat Österreich im ersten Halbjahr 2019 Kfz-Teile und Zubehör im Wert von 2,3 Milliarden Euro exportiert. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang von mehr als sechs Prozent. Bei Straßenfahrzeugen gab es sogar ein Minus von 17 Prozent.

Politische Risiken nicht unterschätzen
Auch der Brexit könnte für heimische Zulieferer zum Problem werden. „Angenommen der indische Eigentümer von Jaguar und Land Rover würde aufgrund des Brexits die Fahrzeugfertigung komplett nach Indien verlagern. Dann sitzt der Kunde des heimischen Kfz-Zulieferers plötzlich nicht mehr in Großbritannien, sondern in Indien mit all den daraus resultierenden politischen und länderspezifischen Zahlungsrisiken“, skizziert Androsch die Lage. Wie sich zuletzt am Beispiel Argentiniens zeigte, sei das Devisentransferrisiko nicht zu unterschätzen. Sollte die indische Notenbank aus irgendeinem Grund verfügen, dass Euros und Dollar nicht mehr außer Landes gebracht werden dürfen, müssten die Kreditversicherer für den Schaden aufkommen, sofern diese politischen Risiken zuvor mitversichert wurden.


Nur wenige KMUs gegen Zahlungsausfälle versichert
Teilweise werden die Gefahren des Zahlungsausfalles von vielen Unternehmen aber noch unterschätzt. „Im Gegensatz zu Großunternehmen ist die Kreditversicherung bei österreichischen KMU noch nicht ausreichend etabliert“, stellt Androsch fest. Die großen Lieferanten sind sich hingegen ihrer Funktion als Kreditgeber vom Zeitpunkt der Lieferung bis zur Bezahlung der Ware längst bewusst. Für sie ist das Instrument der Kreditversicherung ein wirksamer Schutz vor Verlusten.

Unternehmer sind sich Rolle als Kreditgeber oft nicht bewusst
KMUs verstehen sich hingegen in erster Linie als Erbringer von Leistungen und nicht als Kreditgeber. Dies dürfte mit ein Grund sein, warum sich erst rund 6.000 österreichische Unternehmen einer Kreditversicherung bedienen. Die Sichtweise der nicht-kreditversicherten Unternehmen hält einer näheren Betrachtung allerdings nicht stand.


Große Einzelposition in der Bilanz: "Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
„In einer durchschnittlichen österreichischen GmbH-Bilanz befindet sich als größte Einzelbilanzposition auf der Aktiv-Seite ‚Forderungen aus Lieferungen und Leistungen‘. Laut KMU-Forschung Austria macht diese Position im Schnitt mehr als 30 Prozent der Bilanzsumme aus. Hingegen entspricht das oft bestens versicherte Sachanlagevermögen nur rund 25 Prozent der Bilanzsumme“, rechnet Androsch vor.

Produktionsrisiken oft versichert, Zahlungsausfälle oft nicht
Das lässt den Schluss zu, dass das Risiko der Nichtzahlung von Forderungen von vielen Unternehmen geringer erachtet wird als beispielsweise eine Betriebsunterbrechung oder ein Brandschaden.

Fast 5.000 Pleiten pro Jahr
Diese Einschätzung widerspricht massiv den statistisch erfassten Risikopotenzialen: Im Jahr 2018 wurden in Österreich 4.980 Insolvenzen mit einer Gesamtpassiva von 2,07 Milliarden Euro verzeichnet. In der klassischen Schaden-Versicherung lag die Anzahl der Schadensfälle bei 1.782.000 Fällen und die Versicherungsleistung bei 2,85 Milliarden Euro.

Mögliche Anlageschäden mit fünf Milliarden versichert, Zahlungsausfälle mit 150 Millionen
Trotzdem wurden in der Schaden-Sparte überproportional hohe Vorsorgen getroffen. Dort lagen die Gesamtprämien bei 4,93 Milliarden Euro, während im Kreditversicherungsbereich gerade einmal 150 Millionen Euro investiert wurden (Quellen: KSV1870, VVO). Androsch sieht diese Diskrepanz kritisch: „Durch Beratung von Kreditversicherungen könnten Österreichs Unternehmen auch in konjunkturell schwierigeren Zeiten Geschäftschancen optimal nützen, unbezahlte Rechnungen vermeiden und zugleich Geschäftsrisiken minimieren.“

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