Wirecard schlägt gegen "Financial Times" zurück

Der Streit zwischen dem deutschen Zahlungsdienstleister und der "Financial Times" (FT) eskaliert. Nun wirft Wirecard der FT Gemauschel mit Spekulanten vor. Die FT weißt die Vorwürfe zurück. Der Aktienkurs steigt.

Wirecard schlägt gegen "Financial Times" zurück

München/Aschheim. Nach mehrmaligen Attacken von Börsenspekulanten auf die Wirecard-Aktie kontert das deutsche Unternehmen mit schweren Anschuldigungen gegen die britische Wirtschaftszeitung "Financial Times". Wirecard forderte die Zeitung auf, "von jeder Veröffentlichung abzusehen, die direkt oder indirekt zu Marktmanipulation oder Insiderhandel im Zusammenhang mit Wirecard-Aktien führen könnte".

Der Grund: Es gebe "unwiderlegbare Beweise für eine Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern der 'Financial Times' und Short Sellern", zitiert das "Handelsblatt" (Montagsausgabe) aus einem Brief der von Wirecard beauftragten Anwaltskanzlei an die FT. Demnach soll es eine Tonaufnahme eines Gesprächs geben, in dem ein britischer Spekulant von einem bevorstehenden kritischen Artikel in der "Financial Times" berichtet und sagt, dass er eine Handelsposition von fünf Mio. britischen Pfund (5,6 Mio. Euro) aufgebaut habe.

Das Unternehmen habe Beweismittel an die Staatsanwaltschaft München I übergeben, darunter den Mitschnitt eines Gesprächs zwischen zwei Investoren, in dem es um einen bevorstehenden Bericht der Londoner Wirtschaftszeitung über Wirecard gehe, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Dem Verdacht, dass Wirecard mit seinem österreichischen Chef Markus Braun Opfer krimineller Spekulationsattacken geworden sein könnte, gehen auch die Münchner Staatsanwaltschaft und die Finanzaufsicht BaFin nach.

Eine Sprecherin der Wirtschaftszeitung wies die Vorwürfe im "Handelsblatt" zurück: "Es gab keinerlei geheime Absprachen von Journalisten der FT mit Short-Sellern oder anderen Dritten, was den Inhalt oder den Veröffentlichungszeitpunkt von FT-Artikeln über Wirecard betrifft."

Die Zeitung hatte Ende Jänner 2019 berichtet, dass ein Wirecard-Mitarbeiter in Singapur einen örtlichen Manager beschuldigt hatte, Bilanzen zu frisieren. Der Zeitungsbericht ging mit massiven Kursverlusten der Wirecard-Aktie einher. Die FT hatte danach noch weitere Berichte über vermeintliche Bilanzmanipulationen veröffentlicht. Die FT hatte zudem berichtet, dass es Indizieen für diese Fälschungen gäbe, dass andere Taten verdeckt werden sollten, etwa Betrug, Untreue, Korruption oder Geldwäsche.

Anfang März 2019 hatte Wirecard den beschuldigten Mitarbeiter beurlaubt. "Der Mitarbeiter ist freigestellt bis zum Ende der Untersuchung. Dies ist ein völlig normaler Prozess", meinte damals Wirceard CEO Braun.

Der Aktienkurs der Wirecard-Aktie [ISIN DE0007472060] ist im Zuge der FT-Beschuldigungen binnen weniger Wochen um über die Hälfte auf 86 Euro abgestürzt. Zuletzt hatte der Kurs wieder angezogen und notiert bei 152,45 Euro. Ein Analysten der britischen Bank HSBC hat seine Kursprognose nach gebessert von 195 auf 225 Euro.

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