Wirecard: Anleger schockiert über Prüfergebnis

Umsätze und Kundenbeziehungen sind in manchen Bereichen nicht nachweisbar, so das KPMG-Prüfergebnis von Wirecard. Wenn der Zahlungsdienstleister die Vorwürfe der Unternehmensprüfer auch zurückweist, die Aktie stürzte in zweistelliger Höhe ab. Der Vorwurf der Bilanzmanipulation steht damit weiter im Raum.

Wirecard: Anleger schockiert über Prüfergebnis

Wirecard: Alles korrekt gelaufen oder windiger Konzern? Viele Fragen bleiben nach der Prüfung offen.

Die Vorwürfe von KPMG wiegen schwer. So konnten die Wirtschaftsprüfer anlässlich einer Sonderprüfung über Höhe und Existenz von Umsätzen aus den Geschäften mit Drittpartnern keine Aussage treffen. Sie konnten nicht feststellen, dass solche Geschäfte in den Jahren 2016 bis 2018 existiert haben oder nicht und damit auch nicht ob die Angaben darüber korrekt sind. Die Anleger reagierten geschockt. Die Aktie von Wirecard stürzte am Tag der Veröffentlichung des Prüfberichts von KPMG zwischenzeitlich um mehr als 20 Prozent ab.

Bemängelt wurde auch die interne Organisation sowie die fehlende Bereitschaft Angaben von solchen sogenannten Third Party Acquirer. Der Konzern wickelt Transaktionen in Ländern, in denen es keine eigenen Lizenzen hat, über Drittpartner ab.

Vorwurf der Bilanzmanipulation nicht vom Tisch
Somit konnte KPMG beim Abschlussbericht auch nicht alle Daten vollständig auswerten und damit nicht alle Vorwürfe der Bilanzmanipulation aus der Welt schaffen. Notwendige Unterlagen befinden laut KPMG im Besitz der Dritt-Partner befänden und deren Bereitschaft gefehlt habe, an der Prüfung mitzuarbeiten. Mehr als 200 Millionen Datensätze müssten in dem Zusammenhang noch analysiert werden.

Unzuverlässig bei Terminen, nachlässig bei Lieferung von Unterlagen
KPMG bemängelt in seinem Abschlussbericht auch im Verlauf der Untersuchung angeforderte Dokumente teils nicht oder erst Monate später gebracht zu haben. Auch seien vereinbarte Interview-Termine mit internen Ansprechpartnern des Unternehmens mitunter immer wieder verschoben worden.

Der Zahlungsabwickler aus Aschheim bei München hatte KPMG im Herbst engagiert, um die Jahresabschlüsse zu prüfen, nachdem in Berichten der "Financial Times" Vorwürfe aufgekommen waren, der Konzern habe Bilanzen bei Auslandstöchtern frisiert.

Verkäufer einer indischen Firma konnte nicht ausfindig gemacht werden
Auch bei Tätigkeiten in Indien, insbesondere der Übernahme des Payment-Geschäfts einer dort ansässigen Unternehmensgruppe, blieben Fragen offen. Der hinter dem Verkäufer stehende wirtschaftliche Berechtigte habe anhand von öffentlichen Registern nicht verifiziert werden können. Die Wirtschaftsprüfer hätten allerdings keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass an dem Verkäufer Mitglieder des Wirecard-Managements beteiligt gewesen seien, erklärte Wirecard.

Schlechte Dokumentation und Organisation
Darüber hinaus habe KPMG bei Wirecard Schwächen bei der Dokumentation und Organisation festgestellt. Diese würden seit dem vergangenen Jahr mit Hilfe externer Berater behoben, erklärte der Konzern. Bei der Tochter in Singapur sehe KPMG keinen weiteren Bedarf für eine Prüfung, teilte der Zahlungsdienstleister weiter mit. Im Geschäftsbereich Forderungsvorfinanzierung - auch "Merchant Cash Advance" genannt - hätten sich ebenfalls keine Hinweise auf rechtliche Unzulässigkeiten ergeben.

Bilanzpräsentation auf unbestimmte Zeit verschoben
Eigentlich wurde der Abschlussbericht der seit Monaten laufenden Sonderprüfung bereits am Montag erwartet. KPMG habe das Dokument aber erst am Dienstagmorgen an Wirecard übergeben. Die Veröffentlichung der Bilanz 2019 finde nicht wie geplant am Donnerstag statt, sondern werde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Einen neuen Termin nannte Wirecard zunächst nicht.

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