„Kapitalertragssteuer für niedrige Einkommen soll fallen“

„Kapitalertragssteuer für niedrige Einkommen soll fallen“

Christoph Boschan, Chef der Wiener Börse hat genaue Vorstellungen wie man den Kapitalmarkt hierzulande aus dem Dornröschenschlaf wecken könnte.

Der österreichische Kapitalmarkt ist im europäischen Vergleich stark unterentwickelt. Der Wiener-Börse-Chef Christoph Boschan kritisiert die Maßnahmen der alten Regierung scharf und erklärt was die neue Regierung verbessern sollte, um den Kapitalmarkt für eine breitere Masse attraktiver zu machen.

Der Wiener Börsenchef Christoph Boschan sieht den Wechsel der Regierung als historische Chance. „Es ist die Kombination von gut laufenden Wiener Börse und das neue politische Momentum.“ Das sei eine optimale Voraussetzung für weiter steigende Kurse.

Wiener Börse mit großem Nachholbedarf

Im Zuge der Regierungsbildung setzten sich die beteiligten Verhandlungsparteien ÖVP und FPÖ laut Boschan auch mit Kapitalmarktfragen auseinander. Eine Weiterentwicklung der Börsenkultur hält er in Österreich für dringend nötig. Die Marktkapitalisierung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt nur zwischen 30 und 40 Prozent. In Deutschland und Frankreich beträgt dieser Anteil 60 Prozent und in angelsächsischen Ländern wie Großbritannien bei 100 Prozent oder sogar darüber.

Zu einer gut entwickelten Volkswirtschaft zählt seiner Ansicht nach auch eine von weiten Teilen der Bevölkerung genutzte Börse und nicht nur einer Minderheit. Boschan: „Solche gut entwickelten Volkswirtschaften erholen sich auch schneller von Krisen und wachsen insgesamt schneller.

Sparbuch und Aktien sollten gleich hoch besteuert werden

Die mit der letzten Regierung Erhöhung der Kapitalertragssteuer (KESt) Anfang 2016 von 25 auf 27,6 Prozent kritisiert der Börse-Vorstand scharf. „Das war das falsche Signal“. Den Handel könne man so nicht beleben. Er fordert das Spareinlagen und Kapitalanlagen aber zumindest gleich hoch besteuert werden. Derzeit streift der Staat bei Spareinlagen 25 Prozent Steuer ein. Für alle anderen Einkünfte aus Kapitalvermögen gilt ein Steuersatz von 27,5 Prozent.

Staatliche Anreize für niedrige Einkommensbezieher schaffen

Boschan fordert zudem für niedrige Einkommensschichten die komplette Abschaffung der KESt. „Familien, die beispielsweise über ein Jahreseinkommen von bis zu 60.000 Euro verfügen, sollen keine Kapitalertragtsteuer zahlen. Damit sollen diesen Menschen einen Anreiz bekommen, an der Börse zu investieren.“ Menschen der unteren Einkommensschichten nehmen am Kapitalmarkt derzeit praktisch gar nicht teil. Bei den Spitzverdienern ist genau das Gegenteil der Fall. Es gibt kaum einen, der nicht an der Börse investiert ist. „Top-Verdiener profitieren so neben ihrem hohen Einkommen von einer Überrendite, die sie durch Investments an der Börse erzielen“, erläutert der Börsenchef. Im Schnitt lag die Überrendite im ATX in den vergangenen 20 Jahren bei sieben Prozent pro Jahr. „Staatliche Incentivierung fördern Investments an der Börse“, ist Boschan überzeugt. Er sieht darin ein gutes Mittel der Umverteilung zwischen Arm und Reich.

Kapitalmarktprodukte sollten steuerlich absetzbar sein

Bestimmte Kapitalmarktprodukte sollten, seiner Ansicht nach, künftig im Rahmen der Lohnsteuererklärung mittels Freibetrag absetzbar sein. In Deutschland kann beispielsweise jeder der in eine fondsgebundene Lebensversicherung investiert, diese Investition jährlich von der Steuer absetzen. In Österreich kann man von der Lohnsteuer Veranlagungen am Kapitalmarkt nicht steuerlich geltend machen. Der Staat unterstützt nur die Zukunftsvorsorge mit etwas mehr als 100 Euro im Jahr.

Zinseszinseffekt könnte Budget auch von Kleinanlegern auffetten

Vor allem langfristige Investments an der Börse würden sich auch für Kleinverdiener bezahlt machen. Wer monatlich über 45 Jahre 25 Euro etwa per Sparplan in einen Fonds investiert, hat bei einer jährlichen Durchschnittsrendite von sechs Prozent am Ende 82.000 Euro am Konto. Wer 50 Euro im Monat an der Börse investiert, hat nach 45 Jahren bei selber Verzinsung 170.000 Euro zur Verfügung. Bei 100 Euro kommen am Ende 380.000 Euro zusammen. Dem Zinseszinseffekt sei Dank. Wichtiger Aspekt ist dabei auch die Höhe der Spesen. „Die Gebühren sollten nicht mehr als zwei Prozent betragen, damit sich der Zinseszinseffekt bestmöglich entfalten kann“, erläutert Boschan. Wer in Einzeltitel an der Börse investiert, schafft das am ehesten.


Finanzbildung ist der beste Anlegerschutz

Der Börse-Vorstand fordert von der neuen Regierung auch Finanzbildung fix in den Lehrplänen verankert wird. „Finanzbildung ist der beste Anlegerschutz.“

Wiener KMU-Börse auch für inländische Unternehmen öffnen

Seine dritte zentrale Forderung an die neue Regierung ist die Öffnung des 3. Marktes für heimische Klein- und Mittelbetriebe (KMUs). Dieses Wiener Börsensegment ist seit zwei Jahren nur noch ausländischen Unternehmen zugänglich. „Wir haben jedoch bereits mehrere verbindliche Zusagen, dass sobald das Segment österreichischen Firmen wieder zugänglich ist, es sofort Börsengänge geben würde.“ Und setzt nach: „Wir sind jederzeit startklar und könnten am nächsten Tag nach dem Beschluss den Markt wieder öffnen.“ Dazu nötig wäre nur eine kleine Gesetzesänderung.

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