Weltanlagetag statt Weltspartag - Rendite statt Zinsen

Weltanlagetag statt Weltspartag - Rendite statt Zinsen

Der Weltspartag soll das Ideal der Sparsamkeit hochhalten. Mit Blick auf die aktuelle Konjunkturdynamik, die Zinsentwicklung und auf die Performance der Börsen ist das ziemlich anachronistisch.

Am 31. Oktober ist Weltspartag. In Österreich ist der vor allem bei Kindern beliebt, denn Banken verschenken zu diesem Anlass ausnahmsweise etwas. Traditionell handelt es sich dabei um Kleinigkeiten wie Plüschtiere oder Spielzeug.

Seit 1955 wird in Österreich am Weltspartag unter dem Motto „gut haushalten“ das Image der Sparsamkeit gepflegt. Dabei wäre das gar nicht so notwendig, denn die Österreicher sind ohnehin ein sehr sparsames Volk und Bankeinlagen sind seit einer gefühlten Ewigkeit die beliebteste Form des Vermögensaufbaus.

Der klassische Hintergedanke des Sparens – Zinsen zu kassieren, wenn man Geld für später beiseite legt – zieht allerdings schon lange nicht mehr. Das verdeutlicht die Entwicklung der Sparzinsen über die letzten zehn Jahre: Bei Anlagen mit einer Laufzeit von über zwei Jahren fiel den Daten der Daten der Österreichischen Nationalbank zufolge der durchschnittliche Sparzins von 4,13 Prozent (August 2007) auf 0,58 Prozent (August 2017). Für täglich fälliges Geld bieten die Banken überhaupt nur noch minimale Zinssätze von oft nur 0,01 Prozent.

Der Online-Bankenrechner der Arbeiterkammer (bankenrechner.at) zeigt, dass von den 15 Banken im Vergleich sieben nur 0,01% Zinsen ausschütten, vier weitere liegen mit 0,02% Zinsen nur unwesentlich darüber. Auch die DenizBank, die für ihr "Sparbuch mit Hochzinsmanagement" eine Verzinsung von 0,4% anbietet - was den aktuellen Höchstwert für täglich fälliges Geld darstellt - liegt mit dieser Verzinsung weit unter der Inflationsrate von rund zwei Prozent. Nicht zu vergessen, dass von dem "Zinsertrag" auch noch KESt abgeführt werden muss.

Wieso kein Welt-Anlagetag?

Konträr dazu die Entwicklung vieler Aktien-Indizes: Wer vor zehn Jahren die Aktien des US-amerikanischen Dow Jones Index eingekauft hat, der hat damit seither rund 70 Prozent Gewinn erzielt. Aus 10.000 Euro wären somit etwa 17.000 Euro geworden. Ähnlich profitabel wäre ein Investment in den deutschen Aktienindex Dax gewesen. Der Dax ist seither von rund 8.000 Punkten auf aktuell etwa 13.000 Punkte gestiegen, was einem Plus von 62 Prozent gleichkommt. Man fragt sich daher, ob nicht ein „Weltanlagetag“ nicht sinnvoller wäre als ein Weltspartag.

Bei einem vor zehn Jahren getätigten Investment in den heimischen ATX müsste man als Anleger allerdings noch Geduld bewahren. Am 31. 10.2007 notierte der ATX noch bei rund 4.900 Punkten. Die Wirtschaftskrise des Jahres 2008 hat den Index aber bis in den März 2009 auf rund 1.440 Punkte (minus 60 %) gedrückt. Trotz der Aufholjagd des letzten Jahres – der ATX ist in den letzten zwölf Monaten von rund 2.000 auf aktuell 3.386 Punkte gestiegen (plus 70 %) – liegt der ATX noch rund 30 Prozent unter dem Kurs von damals. Allerdings gibt es beim ATX angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs und einiger weiterer Indikatoren gegenwärtig weiter Potenzial nach oben – was bei den Sparzinsen derzeit noch nicht absehbar ist.

Jetzt fehlt nur noch, dass die Wiener Börse und Fondsgesellschaften am 31. Oktober ebenfalls Goodies anbieten – aber besser keine Plüschtiere oder Spielzeug verschenkt, sondern gezielte Anlageberatungen. Damit wäre der Grundstein für den Weltanlagetag gelegt.


FACT:

Weltspartag

Am 26. Oktober 1924 trafen sich 354 Delegierte aus 27 Ländern zum ersten Internationalen Sparkassenkongress in Mailand. An dessen Ende nach sechs Tagen wurde der Schlusstag, der 31. Oktober, zum Weltspartag erklärt. Laut offizieller Deklaration sei dieser Tag „kein Ruhetag, sondern ein Tag der Arbeit und des Schaffens, inspiriert durch das Ideal der Sparsamkeit.“

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