Die Welt nach Covid-19: Welche Sektoren profitieren könnten

Nina Lagron, Aktienchefin des Vermögensverwalters La Française, spricht über mölche Verschiebungen von Interessen und Kaufgewohnheiten, darüber wie viele Technologiezweige durch die Krise einen neuen Wachstumsschub erhalten und welche Bereiche auch nach der Krise von den Veränderungen von heute morgen profitieren werden.

Die Welt nach Covid-19: Welche Sektoren profitieren könnten

Die neue Welt in der wir uns wegen COVID-19 bewegen, hat nicht nur Nachteil. Manche neue Gewohnheiten werden wir wahrscheinlich beibehalten. Davon werden manche Branchen profitieren.

trend: Nina Lagron, Sie sind Aktienchefin eines Vermögensverwalters, der rund 68 Milliarden Euro verwaltet. Welche Sektoren könnten Ihrer Meinung nach von der Corona-Krise profitieren?
Lagron: Die bedeutendsten langfristigen Auswirkungen wird im Technologiesektor zu spüren sein werden, da Digitalisierung in der Welt nach Covid-19 eine wichtige Rolle spielt. Die Hauptprofiteure werden Anbieter von Rechenzentren, von Software für Kommunikationsinfrastruktur, Cybersicherheit, digitale Spiele und andere Streaming-Unternehmen, Online-Unterricht und Spieleanbieter, die sich von draußen nach drinnen in die digitale oder virtuelle Welt verlagern, die Hauptprofiteure der gegenwärtigen Beschränkungen sind.

trend:
Warum glauben Sie, dass diese davon profitieren werden?

Lagron: Die aktuelle Gesundheitskrise wird sich nachhaltig auf die Arbeitswelt auswirken. Aufgrund der derzeitigen Beschränkungen sind die Unternehmen gezwungen, mit einer nahezu 100 prozentigen Heimarbeit zu agieren. Bis vor kurzem wurden in vielen Ländern von den Arbeitgebern noch immer nicht in großem Umfang Homeoffice-Modelle angeboten. Da der Zeitraum der Einschränkung immer länger wird, muss die Kommunikations- und Kollaborations-Software-Infrastruktur umfassender und spezifischer und damit individueller werden.


Die Leute werden noch viele Monate extern arbeiten

trend: Wie lange schätzen Sie werden die Mitarbeiter noch vom Home-Office aus arbeiten müssen?
Lagron:
Die Normalisierung raus aus der Isolation wird nur sehr langsam dauern und sich allmählich vollziehen. Die Mitarbeiter der Unternehmen werden noch viele Monate extern arbeiten müssen. Sobald sich dieser Modus Operandi in der Krisenzeit als widerstandsfähig erwiesen hat, könnten Unternehmen es ihren Mitarbeitern als Option anbieten, räumlich flexibel zu arbeiten. Softwareunternehmen, die eine Zusammenarbeit ermöglichen, werden ein erhebliches Wachstum verzeichnen, das langfristig anhalten dürfte.


Streaming wird an Bedeutung gewinnen

trend: Wenn das Home-Office die neue Norm des modernen Arbeits wird, wer wird davon profitieren?
Lagron: Es wird die Nachfrage nach Cloud Space erhöhen. Sowohl die Hyperscaler als auch die Anbieter von Rechenzentren sollten profitieren. Die Cybersicherheit wird da noch wichtiger werden, da der Informationsaustausch noch viel öfter als bisher über Online-Anwendungen erfolgt. Gamer entdecken derzeit Streaming-Spiele, was die Umstellung auf Streaming und Mobile Gaming sicherlich beschleunigen wird. Dieser Bereich dürfte mittelfristig deutlich wachsen.


Viele Neuabos für Streaming-Dienste werden nach der Krise nicht storniert

trend: Mit welchen Veränderungen rechnen Sie für den Unterhaltungssektor?
Lagron: Die Digitalisierung des Unterhaltungssektors wird beschleunigt: Downloads von Büchern, Podcasts, der Hörbuchmarkt und das Streaming von Filmen erhalten massiven Rückenwind. Wir gehen davon aus, dass ein erheblicher Anteil der neuen Abonnements von Streaming-Diensten nach der Krise nicht mehr gekündigt wird, da Bequemlichkeit und Benutzerfreundlichkeit überwiegen.


Beeindruckendes Echtzeit-Experiment für Online-Unterricht

trend: Wird sich der Online-Unterricht nach der Krisein irgendeiner Form weitergeführt werden?
Lagron: Die gegenwärtigen Einschränkungen ermöglichen ein beeindruckendes Echtzeit-Experiment für Online-Unterricht für alle Klassenstufen und Altersgruppen. Bisher war Online-Unterricht eher ein Werkzeug für die Ausbildung auf Universitätslevel. Jetzt wird er sogar für die Grundschulbildung eingesetzt. Während der Frontalunterricht nie ganz ersetzt werden kann, werden in Zukunft mehr digitale Anwendungen

trend: Sehen Sie noch weitere, neue Transformationsprozesse?
Lagron: Viele Verbraucher werden versuchen in den eigenen vier Wänden das zu praktizieren, was sie normalerweise gerne im Freien machen. Typischerweise wird sich ein Transformationsprozess entwickeln, der mit Internet der Dinge-Technologie zu neuen Formen von Kommunikation, Aktivitäten und Sportarten.

La Française Asset Management verwaltet an den Standorten Paris, Frankfurt, Genf, Hamburg, Stamford (CT, USA), Hongkong, London, Luxemburg, Madrid, Milan, Seoul und Singapur ein Vermögen von rund 65 Milliarden Euro.

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