Warum sinkende US-Börsen plötzlich wahrscheinlich sind

Warum sinkende US-Börsen plötzlich wahrscheinlich sind

Die USA und China stehen vor einer ersten Einigung und die US-Börsen knicken ein. Warum die wirtschaftliche Lage in den USA und damit für Anleger trotzdem riskant ist und womit an den Börsen zu rechnen ist.

Die USA und China nähern sich beim Zollstreit Anfang der Woche an - und das breite US-Börsenbaromter S&P 500 knickt ein. Wie ist das möglich? Der Grund dafür ist ein anderer: Der wichtigste Vorlaufindikator für die wirtschaftliche Entwicklung, der Einkaufsmanagerindex, der ISM Index, ist in den USA merklich abgestürzt. Dieser gilt als verlässlichster Indiaktor für einen Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Absturz größer als erwartet
Der ISM Index für die US-Industrie ist im vergangenen Monat weiter unter die 50-Punkte-Marke um 1,3 Punkte auf 47,8 gesunken. Es liegt damit das zweite Monat in Folge unter der Wachstumsmarke von 50 und tiefer als selbst die tiefste Analystenschätzung. Entsprechend flammen derzeit auf den globalen Aktienmärkten wieder neue Rezessionsängste auf, die Kurse sind entsprechend abgestürzt.

Tiefpunkt noch nicht erreicht
Legt man andere Indikatoren zu Grunde wie die Export-Komponente des IS muss das nach Einschätzung von Raiffeisen-Aktienexperte Valentin Hofstätter noch nicht einmal das Tief des Index gewesen sein. Er erwartet in den kommenden Monaten noch weitere schwächere Wirtschaftsdaten, eben weil das Konjunkturbarometer ein guter Vorlaufindikator für die wirtschaftliche Entwicklung ist.

Der US-Einkaufsmanager für die Industrie ist abgestürzt, jener für den Dienstleistungssektor hält sich vergleichsweise gut.

Rezessionsgefahr steht bei 50:50
Seit den 80er Jahren gab es in den USA nur elf Phasen, in denen der ISM unter 50 fiel. In rund der Hälfte der Fälle kam es daraufhin zu einer Rezession. In den sechs Fällen in denen der Einkaufsmanagerindex unter 50 gesunken ist und es zu keiner Rezession blieb der Aktienmarkt unbeeindruckt. Ein ISM unter 50 allein ist also nicht ausreichend, um Aktien unterzugewichten. Von 12 Vorlaufindikatoren sind derzeit in den USA vier im roten Bereich. Der Index, der anzeigt, wie viele Menschen ihren Job verloren haben, der Chicago Einkaufsmanagerindex und eine inverse Zinskurve.

Die Schwäche im Industriesektor ist ein Phänomen, das in Europa und in Asien schon länger zu beobachten war und jetzt immer mehr auch auf die USA durchschlägt. (siehe Grafik)

In Europa war der Einbruch der Industrie und damit auch die Signale, die bereits darauf hindeuteten, noch etwas früher und stärker ausgeprägt als in den USA.

Gleichschritt: Der US-Aktienindex S&P und der Einkaufsmanagerindex der Industrie (der ISM) entwickeln sich seit Jahren im Gleichschritt.

US-Aktien nahe Allzeithoch
Derzeit notiert der S&P 500 nahe seiner Allzeit-Höchststände. Seit Anfang 2018 hat der S&P 500 jedoch nur minimal zugelegt und notiert aktuell nur leicht über seinem Niveau von vor einem Jahr. Die 12-Monats-Performance der US-Börse entwickelt sich damit unverändert mit dem ISM-Industrie-Index. Dieser legt daher eine leicht negative Entwicklung der US-Börsen für die nächsten zwölf Monate nahe.

Eine ähnliche war 2013 und Anfang 2016 zu beobachten. Der Rückgang wäre aber laut der Analyse nicht annähernd so groß wie Ende 2018, als durch den Einbruch des US-Aktienmarkts eine starke Übertreibung nach unten stattfand.

S&P: Rückgang um mehr als sechs Prozent erwartbar
"Auch da in den USA keine unmittelbare Verbesserung der Wirtschaftsdaten zu erwarten ist, dürfte es zu einer Aktienmarktkorrektur kommen", so Raiffeisen-Profi Hofstätter. Ein Rückgang beim breiten US-Aktienbarometer S&P 500 auf die August-Tiefs erachtet der Analyst als naheliegend. Das entspreche einem Minus von über sechs Prozent.

Eine inverse Zinsentwicklung fand in den USA schon im Mai statt. Das Risiko, dass nun eine Kombination aus sinkendem Einkaufsmanagerindex und inverse Zinskurve eine Rezession auslöst, wird aufgrund der zeitlichen Distanz der beiden Ereignisse als gering eingestuft.

Der Einkaufsmanagerindex hat laut Untersuchung der Bank für die Vorhersagekraft für eine Rezession allerdings nur signifikant, wenn die US-Zinskurve kurz davor und nahezu zeitgleich auf invers dreht und damit die Zinsen für kurze Laufzeiten (3 Monate) höher sind als für lange Laufzeiten (10 Jahre). Eine solche inverse Zinskurve ist jedoch zuletzt bereits im Mai eingetreten. Der Abstand von diesem Signal (rote senkrechte Linie in der Grafik oben) zum Hoch des Aktienmarkts betrug im Mittel ein Monat. Zudem steht die Mehrheit der Bärenmarkt-Vorlaufindikatoren steht auf Grün, signalisieren also keine Gefahr. Der ISM-Index für US-Dienstleister ist kürzlich sogar gestiegen.

Trotz der jüngsten Kursschwäche gibt es laut Raiffeisen noch keinen Grund, Aktienmärkte auf Kaufen hoch zu stufen. Dafür müssten laut Raiffeisen zumindest eine von drei Bedingungen erfüllt sein:

  1. Eine Trendwende bei den globalen Industrie-Einkaufsmanager-Indizes (PMI) als Epizentrum der derzeitigen Konjunkturschwäche, um nicht ins fallende Messer einer etwaigen Rezession zu greifen – derzeit gibt es aber nur in China Anzeichen dafür, in Europa und USA sind sie nach wie vor im freien Fall.

  2. Eine deutliche und nachhaltige Verbesserung bei wichtigen Belastungsfaktoren (allen voran Handelsstreit China-USA), der in weiterer Folge eine Verbesserung der Industrie-PMIs absehbar macht.

  3. Einen kurzfristig stark überverkauften Markt, der bereits so panisch ist, dass ein Erholungsrallye selbst ohne fundamentale Verbesserung wahrscheinlich ist . Das könnte nach einem weiteren starken Marktrückgang rasch der Fall sein und würde etwa bei einem VIX- Index, dieser bildet die US-Aktienmarkt-Volatilität ab, deutlich über 30 zunehmend ein Thema – derzeit steht der VIX aber erst bei 20.

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