US-Aktien: Die Gefahr einer Blase steigt

 US-Aktien: Die Gefahr einer Blase steigt

Nur während der Dotcom-Blase waren die Bewertungen in den USA höher.

Billig oder teuer, das ist derzeit die große Frage an den Aktienmärkten, das gilt speziell für die US-Börsen. Warum die aktuellen Kursanstiege je stoppen könnte und warum eine Fondsmanagerin bereits komplett aus US-Aktien ausgestiegen ist.

Selbst Großanleger sind derzeit unbekümmert. Internationale Fondsmanager sehen zwar Risiken an den Märkten, halten laut einer aktuellen Umfrage von Bank of America Merrill Lynch aber so wenig Bargeld wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren. Sind Anleger zu sorglos? Denn gerade was, die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen US-Aktien betrifft, fragt man sich: Wie lange kann das noch gutgehen?

Ob Aktien teuer ober günstig sind, weiß man zwar immer erst hinterher, denn an der Börse wird die Zukunft gehandelt. Denn die zukünftigen Gewinne eines Unternehmens ergeben den aktuellen fairen Börsenwert. Ist dieser Wert höher als der aktuelle Preis, gilt die Aktie als unterbewertet und umgekehrt. „Derzeit klafft die Lücke zwischen den geschätzten Gewinnen für das nächste Jahr und den aktuellen Aktienkursen so weit auseinander wie schon lange nicht mehr“, warnt Philipp Kain, Aktienprofi des Asset Managements der Schoellerbank.

Am teuersten ist demnach der amerikanischen Blue-Chip-Index S&P 500. Ähnlich groß war der Unterschied zwischen abgezinsten geschätztem Gewinn pro Aktie und der tatsächlichen Kursentwicklung das letzte Mal zu Zeiten der Dotcom-Blase in den Jahren 1998 und 2000. Vor allem seit dem Jahr 2010 haben sich die Kurse aufgrund des hohen Anstiegs von den Gewinnschätzungen der Unternehmen weit auseinanderentwickelt.

Die Kurse galoppieren den prognostizierten Gewinnen, die Basis für Kursanstiege, davon.

Für dieses auseinanderdriften von Unternehmensgewinn und Kursanstieg gibt es mehrere Erklärungen

1. Niedrige Zinsen: Statt sechs Prozent gibt es nur noch ein Prozent Zinsen
Die Zinsen sind so niedrig wie selten zuvor. So erzielte man für US-Geldmarktpapiere mit dreimonatiger Laufzeit im Jahr 2000 Zinsen in Höhe von sechs Prozent. Heute bewegt sich selbiges Papier bei knapp einem Prozent. Ähnliches gilt für längerfristige Anleihen. Eine 10-jährige US-Staatsanleihe brachte im Jahr 2000 rund sechs Prozent, heute rund 2,3 Prozent. Friedrich Strasser, Aktienexperte der Bank Gutmann: "Die hohen Bewertungen bei US-Aktien relativieren sich im Vergleich zu den traditionellen Anleihemärkten."

2. Deutlich höhere Gewinne durch Steuererleichterungen erwartet
Durch geplante Steuererleichterungen werden in den USA über die Jahre höhere Gewinne erwartet. Wie hoch dieser Zugewinn ausfallen könnte, ist jedoch unklar. Optimistische Schätzungen gehen von einem 10-prozentigem Gewinnwachstum alleine für das Jahr nach der Steuerreform aus.

3. KGV noch immer deutlich niedriger als im Jahr 2000
Die unterschiedliche Geschwindigkeit zwischen Kurs- und Gewinnwachstum zugenommen, die absoluten Kurs-Gewinnverhältnisse (geschätztes KGV) sind aber noch immer deutlich unter jenen aus den 2000er-Jahren. Im Jahr 2000 war das geschätzte Kurs-Gewinnverhältnis im S&P 500 bei über 26. Heute liegt dies immer noch knapp unter 20.

Schnell steigende Zinsen Gift für die Börsen

Dennoch sind derzeit viele Unternehmen an der amerikanischen Börse bereits hoch bewertet. „Das trifft umso mehr zu, wenn die Zinsen schneller steigen als erwartet oder die angekündigten Steuererleichterungen ausbleiben“, so Schoellerbanker Kain. Das kann durchaus passieren. "In den USA könnten höhere Inflationsraten aufgrund von Lohnsteigerungen oder unerwartete politische Fortschritte bei der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Steuerreform dem Dollar zu neuer Stärke verhelfen. Das wiederum kann die US-Notenbank dazu animieren, die Zinsen schneller anzuheben als dies derzeit an den Märkten eingepreist wird“, so Jonathan Mann, Leiter der Abteilung Emerging Market Debt der Investmentgesellschaft BMO GAM . Doch noch liegt die Teuerung in den USA mit aktuell 1,4 Prozent weiterhin unter dem Zielwert und "wird das auf Sicht der kommenden Monate wohl auch bleiben", so Gutmann-Vorstand Strasser.
Ein Investment in Aktien lohne daher noch immer, aber bei der Titelauswahl sei sehr genau hinzusehen.

Einzelne Titel in den USA noch lohnenswert

So gibt es auch in den USA noch immer vereinzelt Aktien, die zu einem fairen Preis gehandelt werden. Auf der Aktienliste der Schoellerbank stehen derzeit 22 Einzeltitel die in den USA beheimatet sind. Bei vielen dieser Titel ist der Gewinn sogar kräftiger gestiegen als der Preis.


Es gibt attraktivere Investmentregionen als die USA

Die Fondsmanagerin des Threadneedle Global Multi Asset Income Funds (ISIN: LU0640488994) hat US-Aktien nahezu komplett aus ihrem Depot verbannt. „Es gibt attraktivere Titel aus anderen Regionen“, argumentiert die Fondsmanagerin des Mischfonds. Der Fonds hat in diesem Jahr 9,3 Prozent Rendite erwirtschaftet, im Vorjahr 7,1 Prozent.
Die österreichische Privatbank Gutmann hat im September ihr US-Aktien-Expose weiter reduziert. Der Grund: Steigende Renditen amerikanischer Staatsanleihen lassen die Bewertungen von US-Aktien weniger attraktiv erscheinen als zuletzt.

Abgestrafter Gesundheitssektor

Die Asset Manager der Schoellerbank unter anderem im Gesundheitssektor. Einige ausschließlich national agierende Gesundheitsunternehmen konnten zwar den Gewinn in der Vergangenheit deutlich steigern, der Aktienkurs folgte dieser Entwicklung aber nur teilweise. Das liegt unter anderem an der Verunsicherung rund um den Versuch von US-Präsident Donald Trump das Gesundheitssystem zu reformieren. Doch nicht alle Unternehmen sind zu Recht abgestraft worden. Deshalb erhöhten die Veranlagungsexperten den Sektor im März und bauten damit den Anteil an den besten Unternehmen.

IT-Konzerne sind Gewinnmaschinen

Selbst im vielfach hoch gestiegenen IT-Sektor werden Schoellerbanker fündig. „Der Kursanstieg ist gerechtfertigt. Der Großteil der IT-Konzerne ist eine absolute Cash- bzw. Gewinnmaschine“, so Kain. Im vergangenen Jahrzehnt gab es etliche US-Tech-Firmen, die ihren Gewinn mehr als verdoppeln konnten.

Hände weg von US-Öltitel

Anders die Situation bei US-Ölfirmen. Die erwarteten Gewinne sind laut Schoellerbank um fast 70 Prozent zurückgegangen, die Aktienkurse hielten sich dagegen relativ stabil. „Energietitel weisen damit eine Bewertung auf, die einen ansteigenden Ölpreis erwarten lassen. Doch dieser ist nicht prognostizierbar“, resümieren die Asset Manager und haben den Sektor aus der Aktienallokation der Schoellerbank gestrichen.

Investoren ignorieren die Gefahr einer Blase

Trotz der hohen Bewertungen scheint derzeit die Anleger nichts zu stoppen. "Nur ein schwerer Schock kann den Risikoappettit der Anleger stoppen", diagnostiziert Mohamed El-Erian, Chefberater des Versicherungskonzerns Allianz. Investoren würden die Gefahr einer Blase ignorieren, weil sie sich auf die Rückdeckung der Notenbanken verlassen, so sein Argument.

Hohes Wirtschaftswachstum rechtfertigt hohen Kurse nicht

Das hohe Wirtschaftswachstum reicht nach Ansicht des Ex-Pimco-Chefs El-Erian nicht aus, um die Aktienhausse am Leben zu erhalten. Das starke Wachstum würde die aktuellen Bewertungen nicht rechtfertigen: „Wir haben dieses Niveau wegen der gewaltigen Liquidität erreicht, die die Notenbanken in die Märkte gepumpt haben.“

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