Warum der Dollar sinken dürfte und was das für Anleger bedeutet

Warum der Dollar sinken dürfte und was das für Anleger bedeutet

Der Dollar schwächelt und dürfte weiter an Stärke verlieren. Warum das wahrscheinlich ist, warum die US-Währung für die Entwicklung der Anlageklassen so wichtig ist und welche Auswirkungen ein schwächerer Dollar für die Kurse von Gold, Emerging-Markets-Anleihen, amerikanische und europäische Aktien haben dürfte.

Die Entwicklung des Dollars ist das Schwungrad für die Kapitalmärkte. Das zeigte sich etwa 2015. Die US-Währung hat im Vorjahr fast zwölf Prozent zugelegt und damit enorme Kapitalflüsse verursacht. „Viele der starken Preisbewegungen in unterschiedlichen Anlageklassen wurden von der Veränderung der Devisenlandschaft ausgelöst“, urteilt Max Holzer, Leiter Asset Allocation der deutschen Fondsgesellschaft Union Investment.

Das sind sowohl gute als auch schlechte Vorzeichen für die Kapitalmärkte – je nach Anlageklasse. Praktisch keine Assetklasse bleibt von Entwicklungen des Dollars unberührt. Warum das so ist, wieso die Preisentwicklung des Dollars für so unterschiedliche Anlagen wie etwa Gold, Emerging-Markets-Anleihen oder europäischen Blue Chips so durch die Währung der Vereinigten Staaten wichtig ist.

Neue währungspolitische Trends

So hat sich bereits in den ersten sechs Monaten des Jahres das Bild gewandelt. Denn die Zinspolitik ist dabei sich neu auszurichten. Noch im Vorjahr und auch in diesem Jahr sah lang alles danach aus, als würde sich die Welt der Notenbanken in zwei Lager teilen: Die amerikanische und die britische Notenbank waren die Vertreter einer strafferen Geldpolitik, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Notenbank Japans repräsentieren - wie auch weiterhin - einen lockeren Kurs. „Doch das ändert sich derzeit“, analysiert Holzer. Denn die US-Notenbank Fed hat von ihren Plänen die Geldpolitik zu straffen wieder etwa Abstand genommen hat. Weshalb auch der Greenback seit Jahresbeginn fast fünf Prozent verloren hat. „Auch die Rolle des Dollars als sicherer Hafen hat deshalb zuletzt nicht mehr diese Wirkung und ist weit weniger stark ausgeprägt als früher", so Holzer. Die Rolle der Krisen-Versicherung hat derzeit laut dem Asset Manager der japanische Yen übernommen. Dass die US-Währung als sicherer Hafen genutzt wird, werde, aufgrund der sich abzeichnenden Zinserhöhungspause der US-Notenbank, weiter nachlassen. Wenn der Dollar als Fluchtwährung nicht gänzlich aufgegeben werden dürfte.

Fed-Politik bestimmt Dollarkurs

„Unsere Analyse zeigt, dass die US-Währung aktuell vor allem von der Entwicklung des Zinsunterschieds zu anderen Ländern beeinflusst wird“, erklärt Holzer. Ob der Dollar steigt oder fällt, hängt demnach in erster Linie vom künftigen Kurs der US-Notenbank Fed und den Maßnahmen der übrigen wichtigen Zentralbanken in Frankfurt, London oder Tokio ab.

Großbritannien und die USA vor neuen konjunkturellen Herausforderungen

Die Länder mit einer strafferen Geldpolitik sehen sich derzeit mit einer Fülle von Hindernissen konfrontiert. Mit dem Votum der britischen Bevölkerung zum Austritt aus der Europäischen Union ist eine Straffung der Geldpolitik der Briten vom Tisch. „Und in den USA mehren sich die Anzeichen für eine Abkühlung der Konjunktur. Die Fed wird daher 2016 höchstens eine Zinserhöhung durchführen“, glaubt Holzer. Damit ist aber klar: Das Zinsdifferenz wird nicht mehr stark auseinandergehen – womit ein Unterstützungsfaktor für den Dollars wegfällt. Die Union Investment rechnet daher in den kommenden Monaten mit einer Seitwärtsbewegung, gegen Jahresende sogar mit einer leichten Abwertung. Eine Parität des Dollar zum Euro, wie von manchen Experten prognostiziert, wäre damit passé.

Wenn der Dollar sinkt, profitieren in der Regel Gold, Emerging Markets, Aktien, die in Dollar notieren und Öl.

Gold profitiert, wenn der Dollar schwächelt

Die Auswirkungen auf die Assetklassen auf Basis dieser Prognose sind höchst unterschiedlich. Für Gold, das im Jahr 2015 mit kräftigem Gegenwind durch die
Währungsentwicklung zu kämpfen hatte, steigen mit dem Wegfall dieses Belastungsfaktors die Aussichten auf weitere Kurszuwächse. Niedrige Opportunitätskosten, zunehmende weltweite Unsicherheit und ein stagnierender bis leicht schwächerer Greenback bieten in diesem Szenario ein günstiges Umfeld für Edelmetalle. Union Investment rechnet mit einem Goldpreis von etwa 1.400 Dollar je Feinunze auf Zwölfmonatssicht.

Ölpreis normalisiert sich

Auch bei Öl verliert der Dollareffekt an Wirkung: Der Ölpreis dürfte noch stärker als bisher vom Angebot abhängen. Union Investment erwartet einen Preis der um 50 Dollar je Barrel Brent schwankt. Ausbrüche nach oben würden flexible Fracking-Produzenten auf den Plan rufen. Sinken die Notierungen jedoch dauerhaft darunter, scheiden mehr und mehr Anbieter aus dem Markt.

Bis zu acht Prozent Rendite mit Schwellenländer-Anleihen

Anleihen aus Emerging Markets sollten in den nächsten zwölf Monaten ebenfalls profitieren, wenn die US-Währung nicht mehr steigt oder leicht sinkt. Wenn der Gegenwind durch die Währung nämlich nachlässt, gewinnen etwa Schwellenländeranleihen in Lokalwährung an Attraktivität. Union Investment hält in diesem Segment eine jährliche Rendite von bis zu acht Prozent für durchaus realistisch – so lange es zu keiner globalen Zunahme der Risikoaversion kommt und der Dollar nicht fest zieht.

US-Aktien: Euro-Investoren können keine Währungsgewinne mehr erwarten

Bei Aktien fällt der Befund hingegen gemischt aus. Für amerikanische Unternehmen ist die nachlassende Dollarstärke zunächst einmal eine gute Nachricht. In den vergangenen 18 Monaten ächzte Corporate America schließlich gehörig unter der Last des starken Dollars. Diese Bürde lässt nun nach. Das bedeutet: Die Unternehmen werden aufgrund des sinkenden Dollars gestärkt. Nur aus der Sicht eines Euro-Investors hat dieser Trend einen Haken: Mit Währungsgewinnen an der Wall Street ist bis auf weiteres nicht mehr zu rechnen. Im Gegenteil: US-Unternehmen verdienen eher gegen den Dollareffekt an. Welcher Impuls überwiegt, unterscheidet sich von Konzern zu Konzern.

Europäische Aktien: Rallye vorbei

Bei europäischen Aktien fällt der Befund genau spiegelbildlich aus. Eine weitere Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft ist durch einen schwachen Euro nicht zu rechnen. „Zudem dürfte europäischen Aktien ein Kursturbo fehlen. Gerade exportabhängige Indizes wie der DAX hatten 2015 eine regelrechte Dollar-Rallye hingelegt“, argumentiert Kapitalmarktstratege Holzer.

Dollar bleibt Dreh- und Angelpunkt

Insgesamt dürften bei einem schwächeren Dollar Gold und die Emerging Markets zu den Gewinnern zählen, für einige Bereiche des Aktienmarktes wird es eher schwieriger. In jedem Fall bleibt der Dollar damit ein wichtiger Drehpunkt für die Kapitalmärkte – wenn auch nicht mehr der Tempomacher der letzten Monate.

Bahram Sadighian, BlackRock, und Christoph Boschan, CEO Wiener Börse, bei der Präsentation des neuen ETF-Segments der Wiener Börse.

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