Warum die Börsen in China schon wieder abschmieren

Warum die Börsen in China schon wieder abschmieren

Die Aktienkurse in Shanghai fielen heute erneut um etwa 6,5 Prozent. Die Aktienmärkte in China fallen damit auf tiefsten Stand seit Ende 2014. Warum die Kurse wieder ins Rutschen geraten sind und ob ein Ende bereits in Sicht ist.

Die Angst in China geht weiter um. Zwar sind die Börse in Shanghai bereits seit Jahresbeginn kräftig in die Knie gegangen. Mit heute zählt der Shanghai B Shares einen Verlust von 17, 3 Prozent. Der hohe Rückgang von heute Dienstag in Höhe von 6,5 Prozent gilt unter Experten dennoch als bemerkenswert. Denn großen Auslöser gab es keinen. Doch viel kleine, dürften dafür verantwortlich seine. Eine Analyse.

Mögliche Ursachen für den Kursrutsch am Dienstag

Angst der Investoren, dass der Staat weniger gegen Kursverluste unternimmt. Der Staat hat bisher, um die Kursverluste in Grenzen zu halten, massiv interveniert. Investoren fürchten nun das diese geldpolitischen Maßnahmen zurückgefahren werden. "Die Andeutungen, die Zentralbank könnte ihren geldpolitischen Kurs dahingehend verändern, dass eher der Renminbi als die Wirtschaft und die Aktienkurse unterstützt würde, könnte die Verkaufswelle vor allem herbeigeführt haben", resümiert Nicholas Yeo, Aktienchef von Aberdeen Management in Hongkong.

Privatanleger dominieren China-Börsen
Diese Ankündigung dürfte vor allem Privatanleger in Panik versetzt haben. Denn eine Ursache für den heftigen Kursausschlag könnte auch sein, "dass die chinesischen Aktienmärkte von Privatanlegern dominiert werden, was die Märkte anfälliger für große Kursschwankungen macht", analysiert Aberdeen Management-Aktienprofi Yeo.
Niedriger Ölpreis
Belastet hat die chinesischen Märkte auch der neuerliche Rückgang des Ölpreises. "Der niedrige Ölpreis ist in weiten Teilen Asiens für die Performance-Schwäche der Aktienmärkte verantwortlich", so Yeo.

Schwache Börsen
Der japanische Index Nikkei stürzte unter die psychologisch wichtige Marke von 17.000 Punkte und dürfte auch die Börse in Shanghai mitgerissen haben. Auch andere international wichtige Börsen schwächelten.

Sanfte Landung ausgeblieben
"Speziell in China zeigen die Daten, dass das Ausmaß an Kapitalabflüssen die Bedenken befeuerte, dass die politischen Entscheidungsträger Schwierigkeiten damit hatten, die sanfte Landung zu liefern, die sie versprochen hatten.", meint Yeo.
Rückläufige Industrieproduktion belastet China
"Die Zinserhöhung der USA hat den Druck auf die Weltwirtschaft erhöht, die Industrieproduktion geht zurück und das beeinträchtigt den chinesischen Markt", Chen Donglin, Wirtschaftsexperte der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften gegenüber dem Onlineportal onvista.de.

Weitere Kursrückgänge erwartet

China-Experten Yeo: "Ich bleibe aber zuversichtlich, dass die politischen Entscheidungsträger die nötigen Werkzeuge besitzen, um den wirtschaftlichen Abschwung des Landes zu bewältigen. Die schwache Wirtschaft ist ebenso sehr Absicht wie Unfall. China schwächelt, wird sich aber sicherlich in einer Weise neu ausrichten, die ein starkes Fundament für ein zukünftig nachhaltigeres Wachstum schaffen wird.“ Dennoch erwarten so machen Experten für Chinas Börsen weitere Kursrückgänge.

Yeo gibt denn auch zu bedenken: "Die jüngsten Kurseinbrüche haben Anleger jedoch vor Augen geführt, welche Dimensionen die Probleme Chinas annehmen können, inwieweit manche Dinge nicht mehr vom Staat kontrollierbar sind. Eine Aktienmarktbereinigung ist jedoch eine gute Sache. Je früher die Aktienkurse die wirklichen Aussichten der Unternehmen widerspiegeln, desto schneller wird der Aktienmarkt für langfristige Anleger attraktiv."

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