Wachstumsaktien: „Es fällt schwer dem Hype Glauben zu schenken“

Wachstumsaktien: „Es fällt schwer dem Hype Glauben zu schenken“

Seit mehr als 20 Jahren übertrumpfen wachstumsstarke Aktien wie Facebook & Co Aktien solche solide wachsender Unternehmen. Warum immer mehr dafür spricht, dass sich das Blatt bald wenden könnte.

Value-Aktien, also Aktien von Unternehmen, die langsam und solide wachsen, haben bei Investoren einen schlechten Stand, zumindest im Vergleich zu aufregenden, wachstumsstarken Titeln - Growth-Titeln - wie etwa Facebook, Google, Amazon oder Apple.

Eine neue Studie der Investmentgesellschaft Wisdom Tree lässt nun Zweifel aufkommen, wie lange dieser Trend zu Wachstum (Growth) noch hält. Schon der Vergleich der Kursentwicklung dieser beiden Kategorien legt diesen Schluss nahe.

US-Wachstumsaktien in 23 Jahren fast 380 Prozent Kursgewinn
Der Run auf Wachstum als Anlagestil begann 1995, rund ein Jahr vor dem Börsengang des damaligen US-Webbrowser-Spezialisten Netscape, der den Technologie-Boom einläutete. Diese Rally hatte seither einen Anstieg des S&P 500 Growth Index um 376 Prozent (30,1 Prozent auf annualisierter Basis) zur Folge.

Value-Aktien brachten seit 1995 nur gut 180 Prozent
Im Vergleich dazu belief sich der Zugewinn des werthaltigen S&P 500 Value Index auf vergleichsweise magere 183 Prozent (19,2 Prozent p.a.). Dafür hielten sich diese Werte auch im Crash äußerst gut. Während des Crashs von 2000 bis 2002 verbuchten etwa solch konservativ wachsende Substanzaktien eine Outperformance in der Höhe von tausenden von Basispunkten, rechnet Wisdom Tree vor.

Bewertungen überzogen?
Doch spielt am Ende die Bewertung, wenn das Wachstum so groß ist, gar keine Rolle? Ende der 1990er-Jahre, in Zeiten der „New Economy“, dachte man das jedenfalls vielfach. Selbst Experten waren der Ansicht, dass die Bewertung von Aktien im Verhältnis zu Dividenden oder Gewinnen, veraltet sei. Bis die Korrektur in den Jahren 2000 bis 2002 kam und belehrte viele eines Besseren belehrte.

Nicht nachvollziehbarer Hype

Es fällt uns immer schwerer, dem aktuellen Hype um Wachstumsaktien in den USA Glauben zu schenken. Die immer größeren Hürden, die diese Unternehmen meistern müssen, werden sich irgendwann als unüberwindbar erweisen“, schreibt Chris Ganatti, Chef der Researchabteilung bei Wisdom Tree.

Japan und Schwellenländer: Niedrige Bewertung und unterdurchschnittliche Aktienbewertung hält an
Gleichzeitig ist es mitunter schwierig, die erforderliche Geduld aufzubringen, um auf ein Comeback des Substanz-Stils zu warten, die schon so lange auf sich warten lässt. Auch bei Betrachtung der Aktienmärkte in Japan, der voller Value-Titel steckt, oder der Schwellenländer, wird nach Einschätzung von Wisdom Tree deutlich, dass die Bewertungen niedrige Niveaus aufweisen, diese Märkte im Vergleich zu globalen Aktien aber weiterhin wesentlich schlechter abschneiden als andere. So schreibt auch Peter Richters von der Union Bancaire Privatbank: "Die solide japanische Wirtschaft wird unterschätzt." Für ihn ist der Markt einer der besten Tipps für ein solches antizyklisches Investment.

Ausmaß und Dauer der unterdurchschnittlichen Aktienentwicklung extrem lange
Ausmaß und die Dauer der mehrjährigen Underperformance von Aktien von Unternehmen, die konstant und langsam wachsen, gegenüber der aktuellen Entwicklung solcher Wachstumswerten wie etwa Facebook oder Google waren laut Wisdom Tree nur zwischen 1994 und 2000 höher.

Bewertungslücke zwischen Value und Growth-Aktien in dreistelliger Höhe
Heute weisen die beiden US-S&P-Indizes für die beiden Investmentstile Value und Growth eine Lücke, die sich seit 2006 geweitet hat und mittlerweile in dreistelliger Höhe ist. In über zwölf Jahren bis Ende 2018 erzielte der S&P 500 Growth Index ein Plus von 157 Prozent und legte damit mehr als doppelt so stark zu wie der S&P 500 Value Index (58 Prozent).

Forward-KGVs und Forward-Renditen

Große Differenz bei Kurs/Gewinn-Verhältnis
Wie stark die Bewertungen auseinanderdriften, lässt sich auch an den KGV-Schätzungen ablesen. So erscheint es Wisdom Tree besser sich bei Substanzwerten zu engagieren, die ein Forward-KGV von 12,5 aufweisen, als bei Wachstumswerten mit einem uns Forward-KGV von 19,0.

Value-Aktien mit hoher Dividendenrendite
Die prognostizierte Dividendenrendite für US-Growth-Aktien liegt für das kommende Jahr im Schnitt bei 1,7 Prozent, bei Value-Aktien des US-Aktienindex S&P dagegen bei 2,8 Prozent.

Hohe Gewinnrendite der Unternehmen bei Value-Aktien
Diesen Zahlen steht laut den Investmentexperten von Wisdom Tree eine deutlich höhere Gewinnrendite bei Value-Aktien gegenüber. So beträgt die sogenannte Forward-Gewinnrendite im Value-Index des US-Aktienmarktes S&P 7,9 Prozent, bei Wachstumsaktien sind es 5,2 Prozent.

Auf lange Sicht sind die realen Erträge an den Aktienmärkten tendenziell eng mit den Gewinnrenditen dieser Titel korreliert, so Research-Profi Gannatti, der diese Korrelation als wichtigste Grundlage von Aktienanlagen erachtet. „Ein geringes Kurs-Gewinn-Verhältnis bedeutet zwangsläufig eine hohe Gewinnrendite. Warum also nicht diesen Vorteil nutzen, wenn künftige Erträge ohnehin nie sicher sind“, so der Investmentexperte.

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