Vorsorge: So spart und investiert Österreich in der Krise

In der Krise wurden die eigenen Ausgaben streng geprüft. Wofür die Menschen deutlich weniger Geld ausgeben, wie Altersvorsorge davon betroffen sind und wie viele in der Pandemie ihre Lebensversicherung storniert haben. Wie hoch der jährliche Kaufkraftverlust in Österreich in Milliarden Euro ist.

Vorsorge: So spart und investiert Österreich in der Krise

Sparen in der Krise ist eine besondere Kunst, wenn überhaupt möglich. Denn vieles ist nicht mehr so wie es vor Ausbruch der Pandemie war. Um zu sehen, wie sich das Geld der Österreicher nun ausgegeben wird oder eben nicht, hat die Erste Bank und Sparkassen und die Wiener Städtische haben beim Meinungsforscher IMAS eine Umfrage in Auftrag geben.

67  Prozent der Befragten erwarten, dass sich die finanziellen Verhältnisse nach der Coronakrise verschlechtern und die Lebensqualität sinkt. Knapp zwei Drittel sind davon überzeugt, dass sich unser Alltag – also wie wir denken, leben, einkaufen oder arbeiten – nach der Krise stark verändern wird. Knapp die Hälfte der Österreicher denkt nach einem Jahr Pandemie über Einsparungen im täglichen Leben nach. Anfang 2020 haben laut einer Umfrage der Erste Bank 17 Prozent der Menschen mit Sorge an die nächsten zwölf Monate gedacht, nun sind es schon 27 Prozent.

17 Prozent der Befragten legen weniger Geld für Sparen und Versicherung zur Seite

Die Krise macht die Menschen sparsamer. Die Ausgaben wurden in vielen Bereichen deutlich reduziert. Laut der IMAS-Umfrage, die im September 2020 durchgeführt wurde, gaben rund 50 Prozent an bei Kino, Theater und Urlaub zu sparen. Fast 40 Prozent gehen weniger Essen, 30 Prozent geben weniger für Kleidung und Ausflüge aus, 17 Prozent legen weniger Geld fürs Sparen und Veranlagung zur Seite, 13 Prozent geben weniger für das Auto aus. 15 Prozent der Befragten haben deshalb auch einen geplanten Abschluss eines Pensionsvorsorgeproduktes verschoben.

Gespart wird laut IMAS-Umfrage nicht nur bei abendlichen Vergnügungen wie Theater, Kino und Essen gehen, sondern auch bei Versicherungen und Lebensmitteln.

Vorsorge durch klassisches Sparen gewinnt an Bedeutung, Pensionsvorsorge verliert
Auf die Frage, "Wenn Sie an 'Finanzielle Vorsorge' denken, was fällt Ihnen spontan dazu ein", nennen 33 Prozent der Befragten bei dieser offenen Fragestellung Sparen. Bei der Befragung 2019 lag dieser Wert erst bei 27 Prozent. Ebenfalls an Relevanz gewonnen, haben laut dieser Umfrage, Fonds und Wertpapiere. Diese wurden von 13 Prozent der Befragten genannt, vor drei Jahren waren es noch zehn Prozent.

Am zweithäufigsten wurden Pensions-, Altersvorsorge und Pensionsversicherung mit 21 Prozent genannt. Im letzten Jahr sank damit die Bereitschaft für die Pension etwas Anzusparen, denn 2019 lag dieser Wert noch bei 27 Prozent. Welche Bedeutung der finanziellen Vorsorge beigemessen wird, hängt jedoch laut Manfred Bartalszky, Vorstand der Wiener Städtische Versicherung, auch vom Bildungsgrad und Einkommen und damit auch der späteren Höhe der Pensionslücke ab. Auch Versicherungen und Bausparen als Vorsorgeinstrument ist den Menschen nicht mehr so präsent als 2017. Nur zehn Prozent nennen dieses Stichwort bei der IMAS-Umfrage bei Versicherungen sind es nur noch sechs Prozent.


Jährlicher Kaufkraftverlust von fünf bis sechs Milliarden Euro.

Wenn der Stellenwert der privaten Pensionsvorsorge sinkt, hat das längerfristig gravierend Auswirkungen auf die Vermögensbildung. Denn am Sparbuch verliert das Geld Jahr für Jahr an Wert. Derzeit schlummern 275 Milliarden Euro praktisch unverzinst auf österreichischen Sparkonten. "Der jährliche Kaufkraftverlust beträgt zwischen fünf und sechs Milliarden Euro", rechnet Erste-Bank-Privatkundenvorstand Thomas Schaufler vor.

Pflegevorsorge rückt in den Hintergrund

Der Pflegevorsorge messen die Menschen gegenüber der Zeit vor Ausbruch der Pandemie ebenfalls weniger Bedeutung zu als noch vor drei Jahren. Derzeit erachten 28 Prozent der Befragten Pflege als Vorsorgethema als wichtig. Vor drei Jahren waren es noch 33 Prozent. "Das obwohl wir in den nächsten Jahren mit einer Verdoppelung der Zahl der Pflegebedürftigen zu rechnen ist", so Bartalszky.

Vorsorge durch Geldanlage in Immobilien: Stellenwert halbiert

Noch vor der Krise haben 13 Prozent der Befragten als Antwort auf finanzielle Vorsorgeinstrumente Immobilien angegeben. Bei der aktuellen Umfrage waren es nur noch sechs Prozent. Damit sind jedoch nicht Investitionen in Objekte, die die eigenen Wohnbedürfnisse abdecken, sondern als Kapitalanlage dienen.

Die Stornierungen von Versicherungsprämien war 2020 vergleichsweise niedrig, ergänzt Städtische-Vorstand Bartalszky. 18 Prozent hätten um eine Prämienfreistellung durchführen lassen, also die Zahlungen ausgesetzt, bis sie wieder über höhere finanzielle Mittel verfügen.

Frauen sparen nur halb so viel für die Pension an wie Männer

Im Schnitt geben die Menschen hierzulande pro Monat für die private Pensions- und Gesundheitsvorsorge aus. Im Median sind es 100 Euro. Es gibt jedoch einen markanten Unterschied bei den Ausgaben zwischen Männern und Frauen. Männer legen im Schnitt für die Pension im Schnitt 204 Euro zur Seite, bei Frauen sind es nur 110 Euro.

Das Sparbuch und die Lebensversicherung sind die Top-Vorsorgeinstrumente für die Pension.

Megathema nachhaltige Investments nimmt 2020 an Fahrt auf

Für ein Megathema hält Erste-Bank-Vorstand Schaufler die nachhaltige Veranlagung. So gaben in der IMAS-Umfrage knapp sechs von zehn Befragten (58 %) an, dass ihnen Nachhaltigkeit bei der persönlichen Vorsorge bzw. Veranlagung wichtig sei. Bei der Erste Bank werden bereits 15 Milliarden Euro in nachhaltigen Investments veranlagt. "Unser neuer Fonds, der Erste Bank Green Invest hat binnen weniger Monate 150 Millionen Euro an Kapital einsammeln können", so der Erste-Banker. In den ersten sechs Monaten seit der Auflage hat der Fonds fast 42 Prozent Rendite erzielt.

Auf die Frage, ob der Nachhaltigkeitsgedanke im Finanzbereich in Zukunft wichtiger werden wird, geht die Hälfte (49 %) von einer Zunahme aus.

Das AG Capital Team rund um Daniel Jennewein (links) und Karl Lankmayr (2. v. rechts)

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