Von Aktien bis Sachwerten: In welche Richtung geht es?

Von Aktien bis Sachwerten: In welche Richtung geht es?

In welche Richtung entwickeln sich Aktien, Anleihen und Sachwerte in welchen Ländern. Prognosen und Tipps.

Anlegen in der Spätphase eines Konjunkturzykluses ist eine besondere Herausforderung. Es kommt vor allem auf die Gewichtung der unterschiedlichen Anlageklassen an. Lesen Sie welche Tipps die Experten geben. Mit konkreten Grafiken, welche Kategorien und Länder im eigenen Depot über- und untergewichtet werden sollen.

An der Konjunkturfront geht es derzeit stürmisch zu. Einmal geht an einem Ende der Welt die Wirtschaft in die Knie, dann wieder am anderen. Gerade hat die die OECD bekanntgegeben, dass laut ihrer aktuellen Einschätzung das Wirtschaftswachstum in Deutschland, eine der größten Volkswirtschaften Europas, 2019 nur noch um 0,7 Prozent wachsen dürfte. Das konjunkturelle Moment geht weltweit zurück. China droht in die Schuldenfalle abzugleiten. In den USA geraten die Zinserhöhungen ins Stocken und der Zollstreit zwischen den USA und China ist immer noch nicht beigelegt. Erst im Dezember sackten die Kurse von US-Aktien um 19 Prozent ab.
Soll man angesichts dieser vielen Unsichterheitsfaktoren überhaupt in Aktien oder Anleihen investieren oder das Geld lieber der Inflation in den Rachen werfen und damit am Sparbuch investiert bleiben?

Positives wirtschaftliches Umfeld, trotz höherer Rezessionsgefahr
Um Anlegern eine Orientierung zu geben, hat der US-Investmentriese Pimco nun für 2019 einen Leitfaden durch das Anlagedickicht gegeben. Die Gesellschaft verrät, in welchen Bereichen sie Chancen auf Renditen sieht und wo Gefahren für das eigene Portfolio drohen.


Sind in einer Spätphase des Konjunkturzykluses, nicht an dessen Ende

Trotz der Verlangsamung des Wachstums und weniger geldpolitischen Maßnahmen, die die Konjunktur stützen, ist laut den Experten der US-Anlagegesellschaft, von der weltweiten konjunkturellen Entwicklung wenig Dramatisches zu erwarten. Ihrer Ansicht nach hält der Konjunkturaufschwung 2019 an, wenn der Weg auch steiniger ist als zuletzt. "Wir gehen davon aus, dass wir uns in einer Spätphase und nicht in der Endphase des Konjunkturzykluses befinden", argumentieren die Studienautoren der aktuellen Pimco-Studie. Über einen Zeithorizont von zwei Jahren dürften die Risiken einer Rezession laut ihren Berechnungsmodellen aber zunehmen. Derzeit liegt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA ist in den nächsten zwölf Monaten bei nur 30 Prozent. "Wir bauen jedoch den Cashposter auf um taktische Kaufgelegenheiten an den Märkten zu nutzen", so die Geldprofis.

AKTIEN: Investiert bleiben, aber nur noch Qualitätstitel großer Unternehmen kaufen
Aktien in den späten Phasen einer Expansion entwickeln sich in der Regel besser als Anleihen. Höhere Kursschwankungen sollten aufgrund der unsicheren Aussichten weiterhin an der Tagesordnung bleiben. "Anleger sollten aber weiterhin investiert bleiben", so die Pimco-Anlagestrategen, "sollte jedoch nur noch Qualitätstitel, die auch liquide sind, auswählen." Die Bewertungen von Aktien sind zudem nicht überzogen. Diese sind 2018, trotz eines soliden Gewinnwachstums, sogar zurückgegangen (siehe Grafik).

Solides Gewinnwachstum der Unternehmen weltweit und in den USA im Jahr 2018.

Rückgang des US-Gewinnwachstums 2019 erwartet
Einer der wichtigsten Indikatoren, ob die Kurse von Aktien gerechtfertigt sind, ist das Gewinnwachstum. Dieses erreichte Anfang 2018 außerhalb der USA seinen Höchststand und könnte in den USA im Verlauf des Jahres 2019 angesichts schärferer Finanzbedingungen, des Handelsprotektionismus und geringerer fiskalpolitischer Impulse zurückgehen. "Die Kombination aus einem langsameren Gewinnwachstum und höheren Kursschwankungen führt zu geringeren Renditen", so das Pimco-Resüme.

Das Kurs-Gewinn/Verhältnis bei US-Blue-Chips ist auf dem Niveau von 2010.

"Niedrigere Bewertungen sind gerechtfertigt"
Die Bewertung am Aktienmarkt sind 2018 zurückgegangen, "jedoch nur auf langfristige Durchschnittsniveaus", so Pimco. Und weiter: "Angesichts der Sorgen um das Gewinnwachstum halten wir das Preisniveau bei Aktien für gerechtfertigt."

Das Risiko für Aktienanleger in europäische Titel wird unter den vier großen Investmentregionen am höchsten eingestuft. Dafür sollte man 2019 mit Papieren aus den USA, Japan und den Schwellenländern im Schnitt besser abscheiden und insgesamt im Plus liegen.

AKTIEN leicht untergewichtet - US und Japan bevorzugt
Für 2019 rechnet der US-Asset-Manager damit, dass die Kursschwankungen steigen und sich das Gewinnwachstum weltweit verlangsamt, was Anleger verunsichern dürfte. Deshalb hat Pimco Aktien leicht untergewichtet. Bei der Auswahl der Titel liegt der Schwerpunkt auf liquiden und qualitativ hochwertigen, defensiven Sektoren. Small Caps sollte man eher meiden. US-Aktien werden gegenüber europäischen Aktien übergewichtet. Japanische Werten werden aufgrund positiver Unternehmensergebnisse, der geringen Verschuldung und der anhaltenden unterstützenden Maßnahmen der japanischen Notenbank ebenfalls empfohlen.

Die höchsten Chancen auf Zinssätze gibt es derzeit in den USA.

Bei Staatsanleihen nur US-Papiere empfohlen
In den Industrieländern findet Pimco nach den Zinsanstiegen, US-Staatsanleihen am attraktivsten. Für hoch bewertet halten die Geldexperten britische Anleihen und japanische Staatsanleihen. Die Bewertungen von Anleihen aus europäischen Peripherieländern ohne die Unterstützung der EZB seien ebenfalls mit Vorsicht zu genießen.

In der Endphase eines Konjunkturzyklus bleiben Unternehmensanleihen bei der Rendite meist hinter anderen Anlageklassen zurück.

UNTERNEHMENSANLEIHEN: Anleihen mit BBB-Rating drohen Herabstufungen
In der Endphase eines Konjunkturzykluses bleiben Unternehmensanleihen meist hinter anderen Anlageklassen zurück. Derzeit sei das Risiko laut Pimco sogar noch größer als sonst. Denn die lange Niedrigzinsphase führte zu einer höheren Verschuldung der Unternehmen durch billige Kredite als sonst. Anleihenemittenten kämpfen zudem mit gestiegene Energiepreisen, dem Risiko steigender Zölle, geringere steuerliche Impulsen und geopolitischen Gefahren. Vor allem Firmenanleihen mit einem BBB-Rating drohen Herabstufungen.

Kurzlaufende Firmenanleihen nichtzyklischer Unternehmen bevorzugt
Die Investmentgesellschaft konzentriert sich auf Anleihen mit kürzeren Laufzeiten von hochwertigen Emittenten, die eine starke Liquidität und ein geringes Spread-Risiko aufweisen. Das Augenmerk liegt auf defensiven und nicht-zyklischen Werten aus dem Gesundheitswesen und Versorger. Chancen sieht der Assetmanager auch bei britischen Finanztiteln, nachdem Bankanleihen mit robusten Kapitalpositionen im Zusammenhang mit dem Brexit neu bewertet wurden, sowie bei ausgewählten Energietiteln, die nach Kursrückgängen nun wieder attraktiv sind. Anleihen mit kurzer Laufzeit wird der Vorzug gegeben. Hochzinsanleihen sollten im Depot aufgrund vieler risikobehafteter Emittenten keine große Rolle spielen, so die Empfehlung der Asset-Manager.

China- und Indien-Anleihen als Chance
HSBC empfiehlt derzeit Anleihenfonds mit Titeln aus Indien oder China, wie den HSBC India Fixed Income (LU0780249172). Selbst, wenn andere asiatische Währungen einknicken sollten - die Schwellenländer leiden vor allem bei einem starken Dollar - wären diese nach Einschätzungen von Gerfried Krifka, Geschäftsführer von HSBC in Österreich, nicht davon betroffen. Der Indien-Anleihenfonds erzielte in den vergangenen drei Jahren eine jährliche Rendite von 3,4 Prozent und war damit deutlich besser als der Durchschnitt der Fonds in diesem Segment. Pimco setzt auf Hochzinsanleihen großer chinesischer Unternehmen.

Gold, Rohstoffe, und inflationsgeschützte Anleihen werden gute Gewinnchancen eingeräumt.

SACHWERTE: Übergewichten In der späten Phasen eines Zykluses entwickeln sich Sachwerte tendenziell gut, da das Angebot an Waren und Dienstleistungen tendenziell hinter der Nachfrage zurückbleibt. Pimco erachtet Sachwerte als effektive Möglichkeit das Portfolio gegen einen möglichen Anstieg der Inflation und aus Gründen der Diversifikation des Portfolios als sinnvoll.

Stabiler Ölpreis mit Potential nach oben
So sollte 2019 die Preisentwicklung von Rohöl profitieren. Die kürzlich bekannt gegebene Drosselung der Produktion der Opec deutet nach Einschätzung von Pimco darauf hin, die Ölpreise auf dem Niveau von 60 bis 64 Dollar pro Barrel zu festigen und die äußerst niedrigen Niveaus von 2016 zu vermeiden. Gleichzeitig soll aber verhindert werden, dass die Märkte zu stark schrumpfen, damit Schieferöl keine weiteren Marktanteile verliert. Letztlich dürften die Maßnahmen der Opec zu einem deutlichen Rückgang der Ölmengen führen, sowohl gegenüber dem den letzten Wochen als auch gegenüber den vergangenen Jahren. Pimco ist deshalb davon überzeugt, dass sich die Ölpreise stabilisieren und über das derzeitige Niveau steigen werden.

Rohstoff-Aktien und Gold empfohlen
Anlegern, die von dieser Entwicklung profitieren möchten, empfehlen die Investmentexperten von Morgan Stanley die Aktie des französischen Öl- und Gas-Konzerns Total mit einer Dividendenrendite von voraussichtlich 5,3 Prozent pro Jahr auf Sicht von drei Jahren. In der Studie wird die Aktie auf Übergewichten gestuft und ein Kursziel von 67,90 Euro ausgegeben. Aktueller Kurs: 51,2 Euro. Pimco empfiehlt bei Sachwerten auch Gold.

Vor allem mit Investments in Schwellenländern soll sich 2019 durch Währungsgewinne Geld verdienen lassen.

WÄHRUNG: Neutral - Wachstum schwächt sich synchron ab - Chancen sinken
Wachstumsunterschiede zählten zu den wichtigsten Faktoren, die die Entwicklung der Währungen beeinflussen. Derzeit beginnt laut Pimco ein Zyklus, in dem sich das Wirtschaftswachstum der großen Regionen wieder annähert und sich allmählich synchron verlangsamt. Das werde laut Pimco wahrscheinlich zu einem leichten Abwärtsdruck des Dollars führt. Da sich die großen Volkswirtschaften in einer späten Phase des Zyklus befinden, ist unklar, wie widerstandsfähig andere Volkswirtschaften bei einer Abschwächung in den USA sein werden. Für den Dollar sind die Experten deshalb neutral eingestellt.
Währungen beurteilt Pimco insgesamt differenziert und erwartet, dass bedeutendere Rendite-Chancen außerhalb der wichtigen Währungen auftauchen werden.

Moderates Investment in Schwellenländer-Währungen
Das Wachstum in Asien ist schwach, da es von der Abschwächung der chinesischen Wirtschaft gedämpft wird. Diese ist vor allem auf den Schuldenabbau und weniger auf Handelskonflikte zurückzuführen. Der Abwertungsdruck auf den chinesischen Yuan dürfte deshalb anhalten, auch wenn im Handelskrieg eine Pause absehbar sei. Trotz der Risiken ist Pimco, aufgrund vereinzelter guter Renditechancen, moderat in Schwellenländer-Währungen investiert und will auch Chancen, die sich 2019 bieten, nutzen.

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