Vom Kopfpolster zum Investmentfonds: Geld richtig anlegen

Vom Kopfpolster zum Investmentfonds: Geld richtig anlegen

Im Themenspecial "Geldanlage" präsentiert trend in Kooperation mit der BAWAG P.S.K. die wichtigsten Informationen zum Vermögensaufbau, zur Geldanlage und zum Investieren in einer Welt fast ohne Zinsen. In diesem Artikel werden die gängigen Anlageformen nach den Kriterien Sicherheit, Ertrag und Verfügbarkeit aufgeschlüsselt.

Wer sparen will, hat die Wahl: Aktienfonds, prämienbegünstigte Privatpensionen, oder doch der gute alte Sparstrumpf? Um die Anlageform zu finden, die am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt, sollte man sich an drei Kriterien abwägen: Kriterien Sicherheit, Ertrag und Verfügbarkeit.

Daheim Sparen

Manche stecken ihr Erspartes immer noch lieber in den Sparstrumpf oder Kopfpolster, statt es Banken anzuvertrauen oder gar in Aktien oder Fonds zu investieren. Gegen einen zuhause aufbewahrten Notgroschen spricht nichts, doch wer Kapital auch langfristig absichern und vermehren möchte, der sollte eine andere Anlageform wählen, denn die Inflation führt dazu, dass Bargeld permanent an Wert verliert. Obendrein ist zuhause aufbewahrtes Bargeld auch schlecht geschützt. Im Unglücksfall, etwa bei einem Einbruch oder einem Brand, kann es komplett verloren sein und auch wenn eine entsprechende Versicherung abgeschlossen wurde es ist mühsam, über diese zumindest teilweise eine Rückzahlung zu bekommen.

Vorteile:

  • Schutz vor Spekulation
  • Jederzeit sofort verfügbar

Nachteile:

  • Ungebremster Wertverlust durch Inflation
  • Null Rendite
  • Keine Absicherung gegen Diebstahl, Brand etc.

Sparbuch (Sparkonto, Taggeld, Festgeld)

Sparbücher sind der Klassiker schlechthin: Geld kommt auf die Bank und vermehrt sich dort durch monatliche Zinsen. Sparzinsen sind allerdings abhängig von der Kapitalmarktlage und nun schon seit Jahren extrem niedrig und eine Zinswende ist noch immer nicht absehbar. Prinzipiell sind Sparbücher aber ohnehin Produkte, die eine sichere Geldanlage ermöglichen. Der Ertrag steht dabei im Hintergrund.

Sparbücher gibt es in gebundener und ungebundener Form, erstere straft frühzeitige Abhebung mit Zinsverlust (je früher, desto höher), zweitere erlaubt spontanes Abheben – das sogenannte „täglich fällige Geld“ ist aber von vornherein schlechter verzinst. Wie beim Bausparer wählen Anleger außerdem zwischen fixen und variablen Zinsen, also zwischen Berechenbarkeit und Abhängigkeit vom Kapitalmarkt.

Zusätzlich zum Standard-Sparkonto gibt es noch zwei alternative Formen: Taggeldkonto und Festgeldkonto. Das Taggeldkonto ähnelt dem ungebundenen Sparkonto: Keine fixe Laufzeit, Geld ist täglich verfügbar, muss aber vor dem Abheben erst auf einem Zwischenkonto deponiert werden (zum Beispiel auf dem alltäglichen Girokonto). Die Zinsen sind variabel, generell aber höher als beim ungebundenen Sparkonto.

Beim Festgeldkonto hingegen werden alle Konditionen in Stein gemeißelt. Laufzeit und Zinsen sind fix festgelegt, eine frühzeitige Behebung ist möglich, führt aber zu partiellem oder vollem Zinsverlust, je nach dem Zeitpunkt der Behebung.

Ein Nachteil der Sparkonten ist, dass nicht nur die gewährten Zinsen von aktuell nur rund einem Prozent durch die Inflation aufgefressen werden, sondern auch das Kapital im Lauf der Zeit angeknabbert wird. Zumal Zinserträge obendrein mit der Kapitalertragssteuer (KESt, 25 Prozent) besteuert werden.

Vorteile:

  • Laufende Verfügbarkeit (Sparkonto & Taggeld)
  • Berechenbarer Zuwachs (Festgeld) bzw. eingeschränkter Wertverlust

Nachteile:

  • Geringe Verzinsung (v.a. Sparkonto)
  • Zinsverlust bei vorzeitiger Abhebung (Festgeld)
  • Abhängig von Zinsen realer Wertverlust durch Inflation

Bausparvertrag

Lange war der Bausparvertrag die beliebteste Anlageform österreichischer Sparfüchse, erst seit 2014 gehen die Vertragsabschlüsse leicht zurück. Die Bausparverträge gelten als sichere Häfen, Anleger sind geschützt vor internationaler Spekulation (das ist Bausparkassen untersagt) und erhalten neben den Zinsen noch eine staatliche Prämie.

Erstere variieren je nach Kasse, tendieren momentan aber gegen Null. Dabei gibt es zwei Optionen: Fixe oder variable Zinsen, also entweder einen festgelegten Zinssatz für die gesamte Laufzeit (fünf bis sechs Jahre bei Bausparverträgen), oder einen erhöhten Zinssatz für die ersten Jahre, danach je nach Kapitalmarktlage.

Der besondere Reiz des Bausparens liegt aber im zweiten Teil, dem staatlichen Zuschuss oder der „Wohnbauprämie“. Die liegt fix zwischen 1,5 und 4 Prozent (ebenfalls abhängig von der Kapitalmarktlage, momentan 1,5 Prozent) und betrifft Einzahlungen bis zu 100 Euro monatlich oder maximal 1.200 Euro jährlich. Das bedeutet: Fixe 1,5 Prozent Zinsen über die gesamte Laufzeit, und zwar befreit von der Kapitalertragssteuer (KESt, 25 Prozent) zusätzlich zu den Zinsen der jeweiligen Bausparkasse. Der Wermutstropfen: Wer spontan Geld braucht, kann den Vertrag zwar frühzeitig kündigen – dann jedoch wird abgezinst, sowohl Kassen-Zinsen als auch Wohnbauprämie sind futsch.

Der größte Feind der Bausparer ist die wie auch bei normalen Sparern die steigende Inflation. Sie liegt aktuell leicht über 1,4 Prozent und frisst die 1,5 Prozent Wohnbauprämie fast restlos auf. Übrig bleiben lediglich die Zinsen der Bausparkassen, die gegenwärtig sehr tief liegen. Bei einer weiter anziehenden Inflation, dann also auch Bausparern unter dem Strich ein realer Verlust.

Vorteile:

  • Sicher und vorhersehbar
  • Fixe 1,5 Prozent Zinsen durch den Staat (KESt-befreit) plus Zinszahlung der Bausparkassen

Nachteile:

  • Mindestlaufzeit 6 Jahre
  • Bei verfrühtem Zugriff wird abgezinst
  • Kein effektiver Inflationsschutz

Aktien

Wer sein Vermögen nicht nur bewahren, sondern vermehren will, sollte sich für die Börsen interessieren. Dort werden unter anderem Aktien, also Anteile an Unternehmen gehandelt. Anleger können sich so direkt an Unternehmen beteiligen und stellen auf diesem Weg den Firmen Kapital zur Verfügung.

Den Preis eines Firmenanteils, also den Aktienkurs, bestimmen das Angebot und die Nachfrage sowie eine Reihe weiterer Parameter. In der Regel handelt es sich dabei um wirtschaftliche Kennzahlen, die den Erfolg eines Unternehmens belegen. Börsenotierte Unternehmen müssen ihre Bilanzen daher auch vierteljährlich öffentlich vorlegen und diesen auch erklären. Aktionäre haben ihren Anteilen entsprechend auch Stimmrechte bei den jährlichen Hauptversammlungen und können so aktiv maßgebliche Entscheidungen eines Unternehmens beeinflussen.

Als kurzfristige Sparform eignen sich Aktien jedoch nur bedingt, denn aufgrund der möglichen Kursschwankungen besteht immer auch das Risiko eines Verlusts, auch wenn mit diesen Wertpapieren mittel- bis langfristig immer die höchsten Erträge erzielt werden können. Der Austrian Traded Index ATX, der sich aus den 20 wichtigsten an der Wiener Börse gehandelten Wertpapieren zusammensetzt, hat beispielsweise in den vergangen fünf Jahren um über 25 Prozent an Wert zugelegt. Alleine im laufenden Jahr ist der ATX bereits um 7,19 Prozent gestiegen.

ATX 5-Jahres Entwicklung. Stand vom 20. Feburar 2017: 2.806 Punkte. Für aktuelle Kursinformationen klicken SIe bitte auf den Chart.

ATX 5-Jahres Entwicklung. Stand vom 20. Feburar 2017: 2.806 Punkte. Für aktuelle Kursinformationen klicken SIe bitte auf den Chart.

Anleger können auf zweierlei Arten profitieren: Entweder durch den Weiterverkauf der Anteile zu höheren Preisen, oder durch Dividenden, also regelmäßigen Ausschüttungen, den zahlreiche Unternehmen ihren Aktionären als Gewinnbeteiligung zukommen lassen. Diese Kombination aus Kursentwicklung und Dividenden, also den gesamten Profit aus einer Aktie, nennt man Rendite.

Vorteile:

  • Chance auf hohe Rendite
  • Geld wird nicht von Inflation gefressen

Nachteile:

  • Verlustrisiko
  • Kein effektiver Inflationsschutz

Anleihen (Staats- Bank- oder Unternehmensanleihen)

Ein alter Spruch besagt: „Wer gut essen will, kauft Aktien. Wer gut schlafen will, kauft Anleihen.“ In der Tat sind Anleihen generell weniger ertragreich, aber sicherer als Aktien. Wer Anleihen kauft, verborgt Geld zu fixen Zinsen – an Unternehmen, Banken oder im Falle von Staatsanleihen auch an die Regierung. In jedem Fall haben Anleger ein Anrecht auf Rückzahlung plus Zinsen, zu einem fixen Zeitpunkt – das macht Anleihen zu einer risikoarmen Anlageform.

Als besonders sicher gelten Staatsanleihen, da nur ein Staatsbankrott zum Zahlungsausfall führen würde, während Banken- und Unternehmensanleihen etwas riskanter bewertet werden. Genau wie Aktien werden auch Anleihen am Kapitalmarkt frei gehandelt, den Kurs bestimmen Angebot und Nachfrage – allerdings sind solche Preisschwankungen für Anleihen-Besitzer wenig relevant, solange die Schuldner zahlungsfähig bleiben.

Vorteile:

  • Rechtlicher Anspruch auf Rückzahlung und Zinsen
  • Geringes Risiko (besonders Staatsanleihen)

Nachteile:

  • Geringerer Ertrag als Aktien

Investmentfonds

Investieren kann man auch delegieren. Investmentfonds sind von professionellen Finanzexperten verwaltete Geldtöpfe. Fondsmanager kaufen einen zum Beispiel Aktienmix am Finanzmarkt ein und zahlen den Gewinn zurück an die Anleger. In der Bestückung des Portfolios folgen verschiedene Fondsmanager verschiedenen Strategien, es gibt Aktienfonds, Immobilienfonds, Rentenfonds, gemischte Fonds etc.

Das Besondere an solchen Fonds ist, dass nicht in einzelne Werte, sondern in Branchen, Gruppen oder Klassen investiert wird. So wird das Risiko eines Wertverlusts abgeschwächt. Je nach Risikobereitschaft eines Anlegers variieren die Anteile von Aktien und Anleihen in den Fonds.

Vorteile:

  • Verwaltung durch Experten
  • Freie Wahl zwischen verschiedenen Managementstilen und Risikoklassen
  • Streuung vermindert Risiko

Nachteile:

  • Kein garantierter Verlustschutz
  • Anleger sind abhängig von fremder Expertise

Immobilien/Immobilienaktien

Lange galten Häuser, Wohnungen und Grundstücke als kugelsichere Geldanlagen, Wertverluste schienen unwahrscheinlich. Dieses Dogma wurde im Zuge der Finanzkrise 2007 teilweise gebrochen. Dennoch unterliegen Immobilien nur geringen Preisschwankungen. Besonders attraktiv werden Immobilien in Zeiten hoher Inflation, da Mieten und Preise mit ansteigen. Die Kehrseite: Wohnungen und Häuser sind teuer. Doch wer sich kein ganzes Haus leisten kann, dem reicht vielleicht ein Fragment. Mit Immobilien-Aktien oder Immobilen Fonds kann man am relativ wertsicheren Immobilienmarkt partizipieren.

Vorteile:

  • Profitieren von Inflation
  • Geringes Verlustrisiko

Nachteile:

  • Teuer in der Anschaffung
  • Zeit. und kostenintensiv in der Betreuung bzw. Erhaltung
  • Weiterverkauf von physischen Immobilien kann langwierig sein

Gold

Im Gegensatz zu Geld kann Gold nicht einfach in beliebigen Mengen produziert werden. Die weltweite Gesamtmenge ist natürlich begrenzt, der ist Abbau restriktiv gestaltet und der Handel streng geregelt. Damit ist das Angebot am Markt fixiert, was Gold auch vor massiven Kursschwankungen schützt. Gold gilt daher als recht sichere Geldanlage, vor allem in Krisenzeiten und bei anziehender Inflation. Die Nachfrage steigt und fällt jedoch mit der Stimmung am Markt, was sich auf den Goldpreis niederschlägt.

Zuletzt ist der Goldpreis wieder merklich gestiegen. Manche Experten sehen daher die Gelegenheit für einen Kauf günstig. Aktuell wird Gold um 1.235 Dollar je Feinunze gehandelt. Vom Höchststand des Jahres 2011, als die Feinunze Gold um 1.900 Dollar gehandelt wurde, ist der Goldpreis damit allerdings fast genauso weit entfernt wie vom Zehn-Jahres-Tief aus dem Jahr 2006, als die Feinunze Gold um 632 Dollar verkauft wurde.

Goldpreis, 5-Jahres-Entwicklung. Stand vom 20. Februar 2017: 1.235 Dollar. Für aktuelle Preisinformationen klicken SIe bitte auf den Chart.

Goldpreis, 5-Jahres-Entwicklung. Stand vom 20. Februar 2017: 1.235 Dollar. Für aktuelle Preisinformationen klicken SIe bitte auf den Chart.

Vorteile:

  • Geschützt vor Inflation
  • Stabiles Angebot am Markt

Nachteile:

  • Schwer berechenbare Nachfrage
  • Kursschwankungen

Versicherungen

Zwei Unterformen der Lebensversicherungen erlauben es, das dort angesparte Kapital noch im Diesseits zu genießen: Erstens die kombinierte Er- und Ablebensversicherung, zweitens die fondsgebundene Lebensversicherung. Solche Lebensversicherungen werden auch gezielt für die Alters- und Pensionsvorsorge eingesetzt.

Versicherungsprodukte haben mehrere Funktionen: Sie dienen zum aktiven Vermögensaufbau, zur Vermögensvermehrung und sie sichern zusätzlich auch Anleger und ihre Angehörigen ab. Etwa im Falle einer Erwerbsunfähigkeit, einer Krankheit oder auch im Ablebensfall. Eingezahlt wird monatlich oder jährlich, im Erlebensfall erfolgt am Ende der Laufzeit die Auszahlung des Kapitals samt der angefallenen Zinsen. Wird eine Versicherung zur Pensionsvorsorge verwendet, so kann die Auszahlung auch in monatlichen Tranchen als Zusatzpension erfolgen.

Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen agieren Versicherungsunternehmen wie Investmentfonds. Sie spekulieren also am Kapitalmarkt, wobei Versicherungen allerdings strengeren Auflagen unterliegen und daher in nur in Klassen mit geringerem Risiko investieren dürfen. Fondsgebundene Lebensversicherungen sind aufgrund der Regulierung daher auch resistenter gegenüber Verlusten als normale Investmentfonds. Besonders attraktiv: Bei einer Mindestlaufzeit von 15 Jahren fallen weder Einkommens- noch Kapitalertragssteuern an. Garantiezins gibt es keinen, zumindest keinen gesetzlich vorgeschriebenen.

Vorteile:

  • Kapitalauszahlung mit Laufzeit-Ende oder Zusatzpension im Ruhestand
  • Staatlich abgesicherter Garantiezins (Er- und Ablebensversicherungen)
  • Chance auf hohen Ertrag (Fondsgebundene Lebensversicherungen)
  • Übertragung an Hinterbliebene bei frühzeitigem Ableben

Nachteile:

  • Sehr lange Laufzeiten

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