Volumen von Investmentfonds steigt auf neues Rekordhoch

Volumen von Investmentfonds steigt auf neues Rekordhoch

Das Volumen der von den österreichischen Investmentfondsgesellschaften verwalteten Fonds ist auf ein neues Rekordhoch von 175,3 Milliarden Euro gestiegen. Österreichische Aktienfonds sind mit 35 Prozent Bestperformer. Nachhaltige Fonds konnten ebenso mit kräftigem Zuwachs punkten.

Das Volumen der von den österreichischen Investmentfondsgesellschaften verwalteten Fonds ist in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um 4,9 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 175,3 Milliarden Euro gestiegen. Die Nettomittelzuflüsse erhöhten sich um 0,9 Milliarden Euro. Das Volumen der Immobilien-Investmentfonds stieg um 10,4 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro, ebenfalls ein neuer Höchstwert.

Den bisherigen Höchstwert erreichten die heimischen Investmentfonds knapp vor dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2006 mit 167,3 Milliarden Euro.

Am meisten profitierten heuer bisher die Besitzer von österreichischen Aktienfonds. Ihr Wert stieg im Jahresabstand volumengewichtet um 35,46 Prozent, teilte die Vereinigung der Österreichischen Investmentfondsgesellschaften (VÖIG) bei den diesjährigen Fondstagen in Saalfelden (Salzburg) mit. Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Europa ohne Großbritannien bzw. Euroland folgen mit 27,36 bzw. 19,01 Prozent. Gemischte Fonds bewegten sich zwischen 2,78 und 8,69 Prozent, Rentenfonds zwischen -0,14 und 1,62 Prozent.

Die größten Zuwächse verzeichneten die gemischten Fonds. Hier belief sich der Mittelzufluss auf 3,5 Milliarden Euro. Ihr Anteil am gesamten Fondsvolumen stieg von 42,57 Prozent per Ende 2016 auf 43,25 Prozent. Rentenfonds verloren von 42,07 auf 40,65 Prozent, Aktienfonds stiegen von 15,16 auf 15,91 Prozent.

Die diesjährigen Fondstage standen unter dem Thema Nachhaltigkeit. Nachhaltige Veranlagungen sollten nicht nur ein gutes Gewissen machen, sondern auch gut performen. "Wir sammeln keine Spenden", sagte VÖIG-Vorstandsvorsitzender Heinz Bednar. Sie sollten kein Nachteil für die Performance sein. Bereits 45 Prozent der Österreicher würden nachhaltige Investments für interessant halten. 2011 waren es erst 36 Prozent.

Heimische Investmentfonds bauten Performance im Oktober aus

Die Performance der österreichischen Investmentfonds hat sich im Oktober weiter verbessert. Die durchschnittliche Einjahresperformance aller Fonds lag im arithmetischen Mittel bei 6,65 Prozent nach 4,73 Prozent im Vormonat.

Für 1.182 (Vormonat: 1.034) der 1.485 Fonds mit einer Historie von zumindest einem Jahr weist die aktuelle Statistik der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) für Oktober eine positive Einjahresperformance aus. 302 (448) Fonds performten negativ, einer blieb unverändert.

Die beste Einjahresperformance von 57,21 Prozent weist wie schon in den Vormonaten der "Mozart one" der Semper Constantia auf, gefolgt vom "Meinl Equity Austria" mit 44,41 Prozent und vom "3 Banken Österreich-Fonds" mit plus 44,08 Prozent. Auch auf den weiteren Spitzenplätzen finden sich vor allem Fonds mit einem Fokus auf österreichische Aktien.

Die schwächste Performance weist die VÖIG-Statistik erneut für den "PIA - Gold Stock" (minus 12,46 Prozent) aus, gefolgt vom C-Quadrat Gold & Resources Funds (minus 11,48 Prozent) und vom Raiffeisen-Immobilienfonds (minus 9,94 Prozent). Damit hat sich am unteren Ende der Performance-Liste zum Vormonat nichts geändert.

Die VÖIG ist derzeit auch dabei, basierend auf dem österreichischen Umweltzeichen UZ 49 ein nachhaltiges Fondsprodukt für Retailinvestoren zu entwickeln. Damit soll der österreichische Fondsstandort auch in diesem Bereich weiter entwickelt werden. "Es ist wichtig, dass wir was für Retailkunden machen", so Bednar. Beim geplanten VÖIG-Zeichen müsse aber nicht jede Fondsgesellschaft mitmachen.

Die Forderungen an die Regierenden

Die heimischen Fondsgesellschaften erwarten von der neuen Bundesregierung eine Stärkung des heimischen Kapitalmarktes und eine breiter aufgestellte private Vorsorge. Eine Aufhebung der Wertpapier-KESt wäre ebenfalls anzudenken, um eine positive Stimmung für Investmentfonds und den Kapitalmarkt zu erzeugen.

"Wir hoffen jetzt doch, dass von der neuen Bundesregierung die Kapitalmarktfragen doch wieder positiver betrachtet werden", sagte der Generalsekretär der Vereinigung österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG), Dietmar Rupar. "Ich hoffe, dass das Problem, dass alles, was nicht Sparbuch oder Bausparen ist, des Teufels und nur für Spekulanten ist, der Vergangenheit angehört", so Rupar.

Mehrere Studien würden zeigen, dass die Nominalverzinsung in Europa nirgends so niedrig wie in Österreich sei. "Alle machen mehr als wir, weil sie mehr Wertpapiere - vor allem Aktien - haben, sonst geht sich das nicht aus."

Das Problem sei nicht neu, falle aber derzeit mehr auf, weil man bei der Sparbuchverzinsung praktisch nur mehr null Prozent bekomme. Dadurch werde die Lücke immer größer, meinte VÖIG-Vorstandsvorsitzender Heinz Bednar.

Als Minimalvariante sollte zumindest eine Zukunftsvorsorgevariante ohne Kapitalgarantie geschaffen werden und diese sollte sinnvollerweise in einer Art Vorsorgedepot ausgestaltet sein, so Bednar. Der Gesetzgeber könnte definieren, was möglich sei und was nicht. Die Fondsgesellschaften stünden dabei für jeden Vorschlag offen.

Aus Sicht der Fondsbranche sind die bestehenden Rahmenbedingungen für die private Pensionsvorsorge zu starr. Es sollte auch bei der dritten Säule, der privaten Vorsorge - wie in der zweiten Säule der betrieblichen Vorsorge - die Möglichkeit geben, bei Produkten zwischen verschiedenen Risikoklassen zu wählen. Die bereits bestehende Zukunftsvorsorge habe als größtes Manko eine zwingende Kapitalgarantie. Das Produkt sei somit nur eingeschränkt für Vorsorgesparer tauglich. Unbefriedigend gelöst sei auch die steuerliche Situation. Wichtig wäre, dass man steuerbegünstigt ansparen könnte.

Sinnvoller wäre es aber, ein Pensionsdepot zu haben. Das sei ein Thema, das die Fondsgesellschaften sicher wieder aufgreifen werden. "Wir sind da nicht so dogmatisch, in was genau man da investieren kann, aber sicher gehört der Fonds als eine Möglichkeit der Veranlagung dazu", so Bednar weiter. Fonds würden sich aus vielen Gründen sehr gut dafür eignen. Die Produkte, unter denen die Kunden je nach Risikobereitschaft frei wählen können sollten, sollten jedenfalls dem Vorsorgezweck dienlich sein.

Bei Erfüllung des Vorsorgezwecks sollte dann die bestehende Wertpapier-KESt nicht zum Tragen kommen - so diese beibehalten werde. Erst bei einer nicht-widmungsmäßigen Verwendung sollte eine Nachversteuerung erfolgen. Für ein solches nicht kapitalgarantiertes Pensionsvorsorgeprodukt wäre auch keine staatliche Prämie erforderlich.

Er glaube schon, dass es jetzt eine politische Veränderung gibt, die die Pensionsproblematik angehen werde und sie nicht mehr als ideologisches Problem sieht, meinte Rupar. Bisher sei es eigentlich immer so gewesen, dass man nichts machen durfte, was erfolgreich ist, weil befürchtet wurde, dass damit in die erste Säule - das staatliche Pensionssystem - eingegriffen werde. "Ich glaube, da wird es Bewegung geben. In den letzten vier Jahren war da nichts", so Rupar.

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