Volkswagen schiebt Porsche in Richtung Börse

Beim Volkswagenkonzern bleibt kein Stein auf dem anderen: VW-Konzernchef Herbert Diess will seinen Konzen zu einem Techkonzern umbauen. Und dafür auch nach neuen Geldquellen schürfen.

Volkswagen schiebt Porsche in Richtung Börse

Edle Marke für Neues: Porsche soll nun an der Börse vorfahren. Und VW viele neue Milliarden einbringen.

Stuttgart/Wolfsburg. Attacken von allen Seiten - so könnte man den Status Quo für die Automobilindustrie beschreiben, die sich inmitten eines radikalen Wandels befindet. Und der weltgrößte Autobauer Volkswagen hat dabei kräftig Nachholbedarf.

Beim E-Auto spürt Volkswagen buchstäblich den rauhen Fahrtwind von Tesla. Der US-Autobauer macht mit seinen Elektroautos VW kräftig zu schaffen - nicht wegen der Stückzahl. Sondern vielmehr auch wegen allem anderen Beiwerk, etwas Sensoren, Chips und vor allem Software. Oder ganz einfach: Tesla zeigt auf, dass ein Autohersteller nicht nur ein Autobauer und Konstrukteur ist, der die Einzelteile zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügt. Ein Autokonzern der Zukunft baut Fahrzeuge, die gleich mehrere Technologien, Services und vor allem Software unter der Haube haben. Das alte Geschäftsmodell, nur Autos zu bauen ist passé.

Bei Volkswagen gibt es gleich eine handvoll Planspiele, die zehn Marken für die Zukunft flott zu bekommen. Und auch neue Geldquellen zu erschließen, die den finanziellen Background für die Szenarien der Zukunft zu unterlegen. Ein immer wieder diskutierter Börsengang der VW-Tochter Porsche scheint nun mehr als nur ein Plan zu sein. Konzernchef Herbert Diess hat dies nie ausgeschlossen, aber auch nie aktiv forciert. Doch nun scheint ein Börsegang der schwäbischen Sportwagen- und SUV-Tochter Porsche neuen Antrieb zu bekommen. VW will das Top-Image Porsches nutzen, um zusätzliches Geld in die Kassa spülen.

Hohe zweistellige Milliarden-Investitionen für E-Mobilität und Digitales in den kommenden Jahren könnten somit mit relativ günstigem Geld besser finanziert werden. Und ewig lockt in den Überlegungen von VW nun nicht nur Meter gegenüber Tesla gut zu machen, sondern auch mit frischem Geld puncto finanzielle Schlagkraft gegenüber Tesla aufzuholen. Und in weiterer Folge den US-E-Autopionier zu überholen.

Nächster Gang zum IPO

Ganz auf Risiko setzt aber VW nicht. Die Deutschen wollen im ersten Schritt höchstens 25 Prozent der Anteile zum Börsegang abgeben. 20 bis 25 Milliarden Euro soll das IPO in die Kassen des deutschen Autoherstellers spülen, wie das Manager Magazin berichtet. Ein Mitglied der Konzernspitze verwies demnach daraufhin, dass es 2021 damit nichts mehr werde. Volkswagen selbst hielt sich bedeckt. VW-Chef Diess fabulierte im Jänner auf einer Investorenkonferenz zu den Veränderungen der Autozunft.

Und wie sich VW von der Idee mehr noch an Unternehmen wie Tesla, Apple und sonstigen Techkonzernen orientieren müsse. Der Autobauer der Zukunft ist nach Diess ein Konzern für Software, Service, Mobilität und Technologie. Aus dem Umfeld des Autobauers hieß es nun, es würden allgemein weiter verschiedene Szenarien geprüft, wie sich einzelne Bereiche neu ordnen ließen.

Die Konversion von VW zun einem integrierten Techkonzern verschlingt freilich schon jetzt Milliarden über Milliarden. Es wird aber auch als unumgänglich erachtet, um sich gegenüber der Marktmacht etwa der amerikanischen und asiatischen IT-Riesen sowie Newcomern wie Tesla abzusichern. Apple testet Technik fürs autonome Fahren - seit Jahren halten sich auch hartnäckig Gerüchte, die Firma könnte mit Partnern in den Autobau selbst einsteigen. Google investiert große Summen in Technologien rund um das autonome Fahren.

Aus Altem neuen Wert schaffen

"Unsere Marktbewertung steckt noch im Bereich der alten Autoindustrie", sagte Diess kürzlich der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Das führt zu gravierenden Nachteilen für uns beim Zugang zu benötigten Ressourcen." Frisches Geld würde der VW-Gruppe aber auch bei der Überwindung der derzeitigen Absatzflaute durch die Corona-Pandemie helfen. Das Jahr 2020 schloss der Konzern mit einem Verkaufsminus von gut 15 Prozent ab. Zwar gelang ein Jahresendspurt, und auch die Auslieferungen von Elektro- und Hybridwagen legten für sich genommen stark zu. Dies lag allerdings auch an den staatlichen Kaufzuschüssen sowie - bei anderen Antrieben - an Vorzieheffekten bei Kunden durch das Ende der Mehrwertsteuer-Senkung.

Die Reaktion an der Börse folgte prompt: Die im Dax notierte VW-Vorzugsaktie lag am Nachmittag im Plus. Investoren spekulieren schon seit Jahren, dass die Ertragsperle Porsche zu Geld gemacht werden könnte, das die Wolfsburger angesichts des Branchenumbruchs gut gebrauchen könnten. Analysten zufolge kommt der Wert der Tochter nicht recht zur Geltung. Die VW-Dachgesellschaft Porsche SE ist bereits an der Börse.

Und außerdem hat Diess immer wieder versprochen, den Konzern wertvoller zu machen. 2019 brachte VW die Nutzfahrzeug-Holding Traton in kleinerem Stil an die Börse. Neue Nahrung hatte das Thema auch bekommen, nachdem der Auto- und Lkw-Bauer Daimler jüngst eine Aufspaltung angekündigt hatte, was am Finanzmarkt gut angekommen war.

Auf der Spur hinter Tesla

Die traditionellen Autobauer geraten bei Investoren im Vergleich mit dem E-Auto-Pionier Tesla zunehmend ins Hintertreffen. Das Unternehmen von Elon Musk aus Kalifornien bringt mittlerweile etwa drei Mal so viel Börsenwert auf die Waage wie VW, Daimler und BMW zusammen.

Aktuell liegt die sogenannte Marktkapitalisierung - also die Kurssumme aller umlaufenden Aktien - bei gut 630 Milliarden Euro. Für VW sind es knapp 90, für Daimler rund 70 und für BMW 46 Milliarden Euro. Indes spiegeln sich in diesen Zahlen nicht unbedingt auch realwirtschaftlichen Grundlagen wider, sondern vor allem die Erwartungen der Märkte ans künftige Geschäft.

Während des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr flossen bei VW wegen geschlossener Werke bei weiterlaufenden Kosten zeitweilig bis zu 2 Milliarden Euro pro Woche an Liquidität ab. Das Unternehmen gab daher bereits neue Anleihen aus, um das verfügbare Finanzpolster zu stabilisieren. Den sogenannten Netto-Cashflow im Auto-Kerngeschäft gab der Konzern zuletzt mit rund 6 Milliarden Euro an. Vorläufige Finanzdaten zum Corona-Jahr 2020 werden ab Ende Februar erwartet.

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