Viele ESG- und Klimafonds mit Greenwashing-Problem

Wie grün sind ESG- und Klimafonds wirklich? Eine Studie hat geprüft, ob sich die Fonds dieser milliardenschwere Assetklasse bei der Auswahl am Pariser Klimaziel orientieren und wie viele nur Marketing betreiben und in den Porfolios Aktien auch besonders klimaschädlicher Branchen haben.

Viele ESG- und Klimafonds mit Greenwashing-Problem

Viele ESG- und Klimafonds verdienen ihre Bezeichnung nicht, wie eine Studie nahelegt.

ESG- und Klimafonds sind in wenigen Jahren von einem Nischenthema zur angesagtesten Assetklasse aufgestiegen. Der Gesamtwert dieser Fonds liegt bereits bei 1,7 Billionen Dollar. Wer guten Gewissens einen ökologisch korrekten Fonds investieren möchte, muss sich jedoch fragen, ob diese wirklich nur in Unternehmen ihr Geld veranlagen, welche nicht in "schmutzige" Industrien mit hohem CO2-Ausstoß investieren. Für einen Laien ist das nur schwer feststellbar. Mit dem starken Wachstum steigt auch die Sorge der Regulierungsbehörde, ob der Qualität, Konsistenz und Transparenz der verfügbaren Produkte.

Das britische Thinktank InfluenceMap hat deshalb 723 Aktienfonds, die als ESG- und Klimafonds beworben werden, unter die Lupe genommen. Ihr Fondsvolumen beträgt bereits 330 Milliarden Dollar. Sie haben geprüft, ob sie sich bei der Auswahl der Wertpapiere an Pariser Klimazielen orientieren, zu dem sich 195 Staaten verpflichtet haben und die sich als Ziel gesetzt haben, die globale Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu senken. Besonderes Augenmerk galt bei dem Klimaverträglichkeitscheck der Fonds der Frage, ob diese Titel im Depot haben, die dieser Absicht zuwiderlaufen.

Acht "schmutzige" Sektoren

Die Analyse erfolgte mit der Paris Agreement Capital Transition Assessment (PACTA) Methode. Diese wurde vom Non-Profit Think Tank „2-Degrees-Investing Initiative“ entwickelt, um die Klimaverträglichkeitsprüfung von Investmentportfolios zu prüfen. Die Analysten von InfluenceMap haben anhand dieser Daten erhoben, ob und wie viele Fonds Aktie klimarelevanter Sektoren - sie stehen für 70 bis 90 Prozent der von Kapitalmärkten finanzierten CO2-Emissionen - in den Fonds enthalten sind. Zu den "schmutzigen" Industrien zählen Öl- und Gasförderung, Kohleabbau, Transportwesen (Automobil, Luftfahrt, Schifffahrt) und Industrie (Stahl, Zement). Sie sind für das Erreichen der Klimaziele besonders relevant. Konzerne, die im Schnitt mehr Treibhausgase ausstoßen, als laut dem Pariser Abkommen erlaubt ist, um die Klimaziele zu erreichen.

Das Ergebnis der Studie des britischen Thinktanks: Von den 723 untersuchten breiten ESG-Fonds stimmen 421 oder 71 Prozent nicht mit den Klimazielen überein und haben Aktien von besonders klimaschädlichen Unternehmen aus den genannten acht Sektoren in Depot. Sie halten etwa Aktien von Unternehmen der Erdölbranche wie Total, Halliburton, Chevron und Exxon Mobil.

Klimafonds investieren klimaschädlich

Nicht allzu viel besser fällt der Öko-Check bei Klimafonds auch. Von 130 Klimafonds erhielten 72 (55 Prozent) eine negative Bewertung. Die Fonds kristallisierten sich nach PACTA-Methode als nicht vereinbar mit den Klimazielen heraus. So investieren die untersuchten Fonds, die mit dem Marketing-Label Klimafonds versehen sind, 153 Millionen Dollar ihres Portfolios in Aktien von Unternehmen aus der Wertschöpfungskette fossiler Brennstoffe. Solche Beteiligungen können für Anleger von Belang sein, insbesondere nach dem Bericht Net Zero by 2050 der IEA, in dem ein sofortiger Stopp aller neuen Explorationen fossiler Brennstoffe empfohlen wird.

Das Problem beginnt laut Studienautoren jedoch schon bei den klimabezogenen Aktienindizes, die ebenfalls Aktien besonders klimaschädlicher Unternehmen aufweisen. Die meisten dieser Fonds verfolgt eine passive Strategie, die versuchen, Marktindizes nachzubilden und dabei Ausschluss- und/oder Gewichtungskriterien anzuwenden. Diese Strategien führen zu Portfolios, die sich entweder nur geringfügig von der zugrunde liegenden Benchmark unterscheiden oder identisch sind, wenn man einige Unternehmen mit fossilen Brennstoffen ausschließt. Die verbleibenden Bestände dieser Fonds sind dann in ähnlicher Weise nicht an den nachgebildeten Marktindex angepasst.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen nach Einschätzung von InfluenceMap die mangelnde Konsistenz und die vielfach fehlende Transparenz bei der Ausrichtung vieler ESG- und Klimafonds und die Auswahlkriterien von Aktien, die die globalen Klimazielen forcieren, betrifft. Anleger sind angesichts solchen offenbar massivem Greenwashings gut beraten, vor dem Kauf einen genauen Blick in das Fondsfactsheet zu werfen und zumindest die angegebenen Aktienposition auf besonders klimaschädliche Investments hin zu prüfen, solange Marketing und Transparenz von Klima- und ESG-Fonds nicht strengeren Auflagen unterliegen.

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