Die verrücktesten Versicherungen der Welt

Die verrücktesten Versicherungen der Welt

Von der Zombie- Attacke bis zur Entführung durch Aliens, von unbefleckter Empfängnis bis zum Bierverbot in Bayern -Versicherungen scheuen fast keine noch so kuriosen Risiken. Ein kleines Potpourri der schrägsten Polizzen aller Zeiten.

Extra abwegige Versicherungen und Lloyd's of London - das ist die sicherlich saftigste Symbiose in der sonst eher trockenen Welt der Assekuranzen. Marlene Dietrich hat dort ihre Stimme um eine Million Dollar versichern lassen, Bruce Springsteen die seine um drei Millionen Dollar. Die endlosen Beine des Pin-up-Girls Betty Grable waren 20th Century Fox eine Million Dollar wert, jene des Fußballstars David Beckham zu seiner Topzeit auf 100 Millionen Dollar versichert, die des Tänzers Rudolph Nurejew hingegen bloß auf läppische 34.000 Dollar.

Dolly Parton hält den Rekord für sekundäre Geschlechtsmerkmale (3,8 Millionen Dollar), Rolling-Stones-Boss Mick Jagger jenen für primäre (1,1 Millionen Dollar), während Tom Jones mit 3,5 Millionen Dollar Versicherungssumme bei Brusthaaren vorne liegt und Jennifer Lopez mit 20 Millionen Dollar bei wohlgeformten Hintern.

Begonnen wurde der werbewirksame Reigen um diese sogenannten "Body Insurances" - maßgeschneiderte Spezialpolizzen, aber im Prinzip nichts weiter als eine Spielart von Berufsunfähigkeits-Versicherungen - in den 1920er- Jahren vom damaligen Hollywood-Stummfilmstar Ben Turpin. Sein Markenzeichen waren extrem schielende Augäpfel, die er fast krankhaft, aber zum Ergötzen des Publikums, rollen konnte. Das Risiko, dass sie durch eine überraschende Selbstheilung wieder gerade blicken würden, ließ er sich mit damals exorbitanten 25.000 Dollar versichern.

Apokalypsen-Polizze

Inzwischen werden alle möglichen und unmöglichen Risiken mehr oder weniger hoch versichert. Es gibt Spezial-Polizzen für den Fall, dass Sie von einem Zombie gebissen oder vor dem Traualtar sitzengelassen werden, dass Ihnen beim Oktoberfest ein Masskrug übergezogen wird, dass sie von Außerirdischen entführt werden oder den Weltuntergang überleben.


Slideshow: Die 18 verrücktesten Versicherungen

Der Mann, der seine Augen versicherte

PIONIER. Der Stummfilmstar Ben Turpin war der erste Promi, der sich einen wertvollen Körperteil - seine rollenden, extrem schielenden Augen - versichern ließ. Und zwar für den Fall, dass sie jemals wieder gerade blicken sollten. Denn für den Blödler wäre eine Heilung in Wahrheit einer BERUFSUNFÄHIGKEIT gleichgekommen.
VERSICHERUNGSSUMME: 25.000 $

ANBIETER: LLOYD'S OF LONDON

Teure Fohlen oder: Die Pferdezusatzversicherung

DER WERT DES SPRUNGS. Tortilas, eines der teuersten Dressurpferde der Welt, zeugte Fohlen, die um 100.000 Euro oder mehr versteigert wurden. Natürlich war sein Eigentümer Paul Schockemöhle über eine Zusatzpolizze zur Pferde-Lebensversicherung auch gegen DECK-UNTAUGLICHKEIT seines Hengstes geschützt. VERSICHERUNGSSUMME: VARIABEL.

ANBIETER: DIV. TIERVERSICHERER


Eine große Gruppe von solchen Verträgen zählt zur Kategorie der Veranstaltungsversicherungen. Vor allem bei Großevents wie etwa Olympischen Spielen - jene in London 2012 waren auf vier Milliarden Euro versichert - sind hohe Ausfalls-, Wetter-Haftpflicht-, Zuschauerunfallsoder manchmal selbst Garderobenversicherungen selbstverständlich. So war es bei der ebenfalls gängigen Abart der Hochzeitsversicherungen, die gegen Risiken wie schwere Erkrankung von Braut, Bräutigam und nahen Angehörigen oder etwa Absagen aufgrund von Unwetter schützen, nur ein kleiner Schritt zu Spezialpolizzen etwa für ein "Nein" vor dem Traualtar -selbst wenn diese im Ernstfall wohl nur ein kleiner Trost ist.

Weit verbreitet sind auch Gewinnspielversicherungen ("Price-Indemnity"). In der Regel werden sie von Veranstaltern abgeschlossen, die wie etwa RTL - mit seiner Show "Wer wird Millionär?" der diesbezügliche Pionier in Europa -hohe Preise ausloben. Das Prinzip dabei: Je schwerer die Aufgabe, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Lösung. Damit sinkt das Versicherungsrisiko, und gleichzeitig steigt die potenzielle Versicherungssumme und aliquot dazu meist auch die Höhe und Attraktivität des Preises.

Vor ein paar Jahren hat das britische Institut Sir Huckleberry das Gewinnspiel-Prinzip umgedreht und Lotto-Pechvögeln, die nur eine oder gar keine Zahl richtig getippt hatten, unseriöserweise bis zu 10.000 Euro "Schadenersatz" versprochen. Der Gesellschaft wurde allerdings inzwischen die Lizenz entzogen.

Supergau-Flucht

Auch das Linzer Insurtech-Start-up Lamie, hinter dem neben einer Handvoll Investoren Lloyd's of London als Risikoträger steht und das seit Herbst 2015 primär Haushalts- und Eigenheim-Versicherungen online anbietet, hat kuriose Versicherungen im Programm. Besonders das Nischenprodukt der Festwetter-Versicherung, die verregnete Outdoor-Events von Hochzeiten über Volksfeste bis zu Sportkämpfen mit bis zu 10.000 Euro pro Schadensfalls abdeckt, sei ein Renner, sagt Lamie-Vorstand Roland Pedek. "Wir sind extrem vom Wetter abhängig", bestätigt Kunde Thomas Knes, Organisator der Velden White Nights. "So können wir erstmals das Ausfallsrisiko bei Regen versichern."

Schon abwegiger ist die Lamie-Atomunfallversicherung für den Fall, dass in einem der fast ein Dutzend Atomkraftwerke rund um Österreich ein Supergau eintreten sollte. Die Deckungssumme von bis zu 100.000 Euro soll quasi als Flucht-und Starthilfe in ein neues Leben fernab der Strahlenzone dienen.

Letztlich sind solch verrückte Versicherungen fast nie auf ein nachhaltiges Geschäft, sondern bloß Marketinggags der jeweiligen Assekuranzen. Bevor etwa die Londoner Versicherung GRIP Polizzen für die Entführung von Aliens anbot, hat kein Hahn nach ihr gekräht. Danach konnte sie sich -wenigstens für eine kurze Weile - als Spezialist für Kidnapping und Lösegeldforderungen etablieren.


Der Artikel ist der trend Ausgabe 43/2017 vom 27. Oktober 2017 entnommen.

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