US-Zwischenwahlen lenken den Fokus auf Infrastrukur-Aktien

US-Zwischenwahlen lenken den Fokus auf Infrastrukur-Aktien

Von Brücken über Straßen bis hin zu Wasserleitungssystemen: In den USA sind viele notwendige Anlagen für die Infastruktur am Ende ihrer Lebensdauer angelegt. Manche Brücke wurde gar nie fertiggestellt.

Die nächste Wette auf US-Aktien steht bevor: Nachdem im Zuge der US-Steuerreform viele Firmen aufgrund der hohen Steuererleichterungen auch an der Börse profitieren konnten, setzen nun viele Börsianer auf eine Rallye bei Aktien von Infrastruktur-Unternehmen.

Die Zwischenwahlen in den USA am 6. November ziehen derzeit alle Aufmerksamkeit auf sich. Beobachter erwarten, dass die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen werden, wenn die Politik zuletzt schon häufiger für Überraschungen gesorgt hat. Doch egal, wie die sogenannten Midterm-Elections ausgehen, ein Anliegen eint die Amerikaner jenseits aller politischen Überzeugungen: Der drängende Investitionsbedarf in die marode Infrastruktur der USA.

Marodes Straßen- und Trinkwassersystem sorgt für steigende Probleme

Donald Trumps hat der Bevölkerung versprochen, in den nächsten zehn Jahren 1,5 Billionen Dollar für die Infrastruktur bereitzustellen. "Das findet bei der Bevölkerung großen Anklang, weil sein Plan ein offensichtliches Bedürfnis erfüllt: Die Grundversorgung in den USA ist in einem schlechten Zustand", analysiert Alex Araujo, Fondsmanager des M&G Global Listed Infrastructure Fund (ISIN: LU1665237704). So fehlen Investitionen in grundlegenden Bereiche – von Wasser und Strom über Autobahnen bis hin zu Flughäfen. "Grundlegende Funktionen der Gesellschaft wie diese pfeifen aus dem letzten Loch“, erzählt Araujo. Dadurch wird auch die öffentliche Sicherheit zu einem wachsendes Problem. "Die Unsicherheit bei der Trinkwasser-Versorgung steigt, es kommt aufgrund des fehlenden Ausbaus der Verkehrssysteme und dem Verfall der Straßen zu massive Verkehrsstaus und die Luftverschmutzung steigt", so der Infrastrukturspezialist.

Infrastruktur-Investitionen auf dem niedrigsten Stand seit 70 Jahren

Die Investitionen der US-Regierung befanden sich jahrzehntelangen in einer Abwärtsspirale. Derzeit lägen sie nur noch bei 1,4 Prozent des BIP und damit auf dem niedrigsten Stand seit 70 Jahren. „Ein Großteil der Infrastruktur in den USA stammt noch aus den 1950er Jahren und ist damit deutlich überaltert", so Araujo. Umso bitterer: Die Lebensdauer der meisten Anlagen lag bei 50 Jahren. Er glaubt: "Angesichts knapper öffentlicher Kassen und des wachsenden Schuldenbergs der USA werde jedoch der Privatsektor bei der anstehenden Modernisierung eine große Rolle spielen müssen."

Bis 2030 Investitionsbedarf von 60 Billionen Dollar weltweit

Die USA sind mit diesem Problem nicht allein. Weltweit beliefen sich 2015 die Ausgaben für die Infrastruktur in den Bereichen Verkehr, Strom, Wasser und Telekommunikation auf 2,5 Billionen US-Dollar. Diese Zahl bleibt deutlich hinter dem geschätzten erforderlichen Investitionsvolumen von 3,7 Billionen Dollar pro Jahr zurück (Quelle: McKinsey, Bridging infrastructure gaps: Has the world made prograss? Oktober 2017). Das daraus resultierende Defizit von 1,2 Billionen Dollar muss ausgefüllt werden, um sicherzustellen, dass die Welt auf dem Wirtschaftswachstumspfad bleiben kann. Die Beratungsfirma McKinsey schätzt, dass bis 2030 fast 60 Billionen US-Dollar weltweit in Infrastruktur investiert werden müssten.

Doch Infrastrukturprogramme werden von Politikern zwar häufig verkündet , die Versprechen aber nur selten gehalten. "Investoren sind gut beraten, sich nicht zu sehr von Infrastrukturkonzepten wie dem noch nicht umgesetzten Ausgabenplan von Donald Trump oder Chinas One-Belt-One-Road-Initiative abhängig zu machen", warnt auch der Manager des M&G Infastrukturfonds. Es ist ratsamer, sich auf Unternehmen mit Infrastruktur-Assets und Wachstumschancen zu konzentrieren, unabhängig von staatlichen Initiativen. Araujo: "Sachanlagevermögen bietet erhebliche Eintrittsbarrieren und generiert langfristig stabile und wachsende Cashflows. Wenn die Infrastrukturprojekte dann tatsächlich kommen, sind diese Unternehmen ideal aufgestellt, um davon zu profitieren."

Steigende Erträge auch bei höherer Inflation

Mit Aktien in Infrastrukturunternehmen ist man nach Einschätzung von Experten gegenüber Konjunkturzyklen weniger empfindlich. "Solche Unternehmen bieten eine monopolartige Marktstellung, auch haben einen gewissen Inflationsschutz", so der M&G-Manager. Mautstraßenbetreiber, Flughäfen, Strom- und Wasserversorger oder Pipelinebetreiber sind grundsätzlich in der Lage, auch bei steigender Inflation stabile oder auch steigende Erträge zu erzielen.

Die Industriewerte profitieren häufig auch wenn, dass sich die Anleger aus den größten Gewinnern des Bullenmarkts zurückziehen und ihr Kapital lieber in Firmen mit stabilen Gewinnen investieren. Doch auch da sind die Kurse bereits angezogen. Die US-Branchen-Aktien-Index Transportation & Logistics ist in den vergangenen zwölf Monaten im Durchschnitt um 14,23 Prozent gestiegen. Der Sektor Industrials wies im Vorjahr eine mittlere Rendite von 17,14 Prozent auf.

Risiko: Steigende Preise

Doch es gibt auch Risiken. Caterpillar, der größte Hersteller von Baumaschinen und Bergbauausrüstungen, vermeldete kürzlich das beste dritte Quartal der Unternehmensgeschichte und zum zehnten Mal in Folge einen steigenden Quartalsgewinn, der zudem noch über den Prognosen lag. Die Investoren fokussierten sich jedoch auf die Aussage, dass das Umfeld wegen steigender Rohstoffkosten anspruchsvoller werde und schickten die Aktie auf Talfahrt.
Die Preise für Stahl steigen ebenfalls. Noch gelingt es die höheren Preise an die Endkunden weiterzugeben. Aber damit könnte bald Schluss sein, wenn die Zölle weiter angehoben werden. Jede solche Maßnahme führt zu höheren Kosten im System, die irgendwie wieder hereinkommen müssen.

Bester Infrastrukturfonds: 10,7 Prozent Rendite in den vergangenen fünf Jahren

Der 2017 aufgelegte M&G Global Listed Infrastructure Fund setzt nicht nur auf die Kerninfrastruktur der Länder, sonder auch auf digitale Infrastruktur, beispielsweise in Netzwerke und Satelliten. Der Fonds investiert auch in Krankenhäuser, Schulen oder Gefängnisse. Werte von Versorgern, Industrieunternehmen und Energiekonzernen dominieren. Das Anlageuniversum von Araujo umfasst rund 250 Titel. Der Fonds bezieht zudem ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Governance) in den Anlageprozess ein. Aktuell wird rund 35 Prozent in US-Aktien veranlagt, 22 Prozent in Kanada und 19 Prozent in der Eurozone. Seit Jahresbeginn hat der Fonds 3,4 Prozent Rendite erzielt. Der Fonds ist damit was die Performance seit Anfang 2018 betrifft, der beste seiner Kategorie. Der beste Infrastruktur-Fonds auf 5-Jahresbasis war der First State Global Listed Infrastruktur Funds mit einer jährlichen Rendite von 9,59 Prozent und damit deutlich mehr als der Sektorschnitt von 6,2 Prozent.

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