US-Steuerreform, ein Fressen für Konzerne und Aktionäre

US-Präsident Donald Trump: Steuergeschenke für die US-Konzerne sollen die Wirtschaft der USA ankurbeln.

US-Präsident Donald Trump: Steuergeschenke für die US-Konzerne sollen die Wirtschaft der USA ankurbeln.

Mit Donald Trumps Steuerreform wurde die Besteuerung von Unternehmen in den USA umfassend geändert. Etliche Konzerne müssen Steuern in Milliardenhöhe nachzahlen und machen dabei trotzdem einen guten Schnitt. Bei anderen sind die Gewinne gleich in die Höhe geschnellt. Wie Aktionäre davon profitieren können.

Milliardenverluste, Abschreibungen und massive Gewinnrückgänge nach Inkrafttreten der US-Steuerreform: Zahlreichen börsennotierte Unternehmen haben in letzter Zeit mitgeteilt, dass ihnen durch die Steuerreform der Trump-Administration enorme Fehlbeträge entstanden sind.

Der Getränke-Gigant Coca-Cola (ISIN US1912161007) hat etwa zuletzt im Schlussquartal einen Verlust von 2,8 Milliarden US-Dollar bekanntgegeben. Die Ursache war, dass der Konzern wegen der mit der Steuerreform eingeführten neuen Abgabe auf Auslandsvermögen eine einmalige bilanzielle Sonderbelastung von 3,6 Milliarden Dollar verbuchen musste.

Coca Cola ist nur ein Beispiel für die zahlreichen Konzerne, die aufgrund der juristischen Änderungen im Steuerrecht Milliarden an den Fiskus abführen mussten: Microsoft (ISIN US5949181045) musste 13,8 Milliarden Dollar und der Netzwerkausstatter Cisco Systems (ISIN US17275R1023) 11,1 Milliarden. Beim AutomobilkonzernGeneral Motors (ISIN US37045V1008) waren es 7,3 Milliarden, beim Pharma-Konzern Merck & Co (ISIN DE0006599905) 2,6 Milliarden und beim Chipanlagenbauer Applied Materials (ISIN US0382221051) immer noch eine Milliarde.

22. Dezember 2017: US-Präsident Donald Trump verabschiedet seine Steuerreform.

22. Dezember 2017: US-Präsident Donald Trump verabschiedet seine Steuerreform.

Doch sind die Konzerne nun zu bedauern und müssen Aktionäre um ihre Investments zittern? Mitnichten, denn Trumps Steuerreform ist für die Konzerne, die in der Vergangenheit gigantische Vermögen im Ausland aufbauen konnten, nichts anderes als eine offene Einladung, zu einem äußerst günstigen Tarif bislang unversteuert gehortetes Vermögen, auf das sie praktisch keinen Zugriff hatten, weiß zu waschen. Auch wenn das Milliarden kostet und damit die nächste Bilanz verhagelt wird.

Für zahlreiche Unternehmen ist die Trump-Reform ein Geschenk, auch wenn sie wie Microsoft in der letzten Bilanz deswegen ein gewaltiges Minus stehen haben. Microsoft hatte etwa laut Bloomberg ein Vermögen von 132,1 Milliarden US-Dollar im Ausland geparkt und musste diese jetzt lediglich mit 13,8 Milliarden US-Dollar nachversteuern. Das entspricht einer Steuerquote von 10,6 Prozent, mit der alle Steuern aus der Vergangenheit abgegolten sind. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was Microsoft ohne die US-Steuerreform im Falle einer früheren Repatriierung des Vermögens zahlen hätte müssen.

Folgen für internationale US-Konzerne

Hintergrund ist, dass es in den USA ein weltweites Steuersystem gibt. Was bedeutet, dass alle weltweit erwirtschafteten Gewinne eines US-Unternehmens auch in den USA versteuert werden müssen. In anderen Staaten geleistete Steuerzahlungen können davon in Abzug gebracht werden. Bis Ende Dezember lag die Körperschaftssteuer, die Unternehmen abführen müssen, bei 35 Prozent.

De facto hatte in der Vergangenheit kaum ein international tätiges Unternehmen die Körperschaftssteuer in voller Höhe USA abgeführt. Im Durchschnitt haben die Unternehmen rund 20 Prozent Steuern gezahlt, etliche sogar weniger als zehn Prozent. Möglich war das durch eine Reihe von steuerlichen Schlupflöchern, wovon das wichtigste war, das im Ausland erzielte Gewinne nicht versteuert werden mussten, wenn sie nicht in die USA transferiert wurden.

Die US-Konzerne hatten daher seit Einführung der Regelung im Jahr 1996 Milliarden in Steueroasen im Ausland geparkt, allen voran IT-Giganten wie Apple, Microsoft oder Cisco Systems (siehe Tabelle). Die Konzerne wussten bald nicht mehr, was sie mit dem Geld anfangen sollten und entwickelten komplizierte Konstruktionen, um der Steuer auf Dauer zu entgehen. Mit sogenannten „Steuer-Inversionen“ verlegten US-Konzerne ihre Hauptsitze in Länder mit niedrigeren Steuern. Und zwar so, dass das im Ausland angehäufte Geld nicht nachversteuert werden musste.

Übersee-Vermögen von US-Konzernen

Top 10 US-Konzerne mit den größten Vermögen im Ausland
Unternehmen Übersee-Vermögen (Mrd. $) Anteil an Gesamt-Cash (%)
Apple 261,5 94,1
Microsoft 132,1 95,4
Cisco Systems 67,5 95,8
Alphabet 60,5 56,3
Oracle 58,3 87,1
Johnson & Johnson 41,3 98,6
Amgen 38,9 94,1
Gilead Sciences 30,8 84,2
Qualcomm 29,4 76,2
General Electric 27,0 34,4
Quelle: Bloomberg, Dez. 2017 Summe: 747,3 Mrd. $ Schnitt: 81,6%

Geldberge in Bewegung

Trumps Steuerreform setzt der Praxis ein Ende. Mit ihr wurden die US-Unternehmen nämlich auch verpflichtet, sämtliche im Ausland gebunkerten Gewinne zu repatriieren, also in die USA zurückzuführen und dort nachzuversteuern. Wofür es allerdings besondere Steuerzuckerl gibt: Für diese Vermögen gelten Steuersätze von lediglich acht oder 15,5 Prozent - bei liquiden Vermögenswerten, wie zum Beispiel Wertpapieren, sind 15,5 Prozent fällig, bei in illiquiden Assets, wie Immobilien acht Prozent.

Die Benachteiligung von Investitionen in den USA gegenüber Investitionen im Ausland wurde damit abgeschafft. Apple hat in der Folge auch umgehend nach dem Inkrafttreten der Steuerreform angekündigt, eine zweite Firmenzentrale in den USA errichten zu wollen. Der Zusammenhang mit der Reform wurde zwar in Abrede gestellt, ist jedoch evident.

Bringing cash back home: Apple CEO Tim Cook bringt geschätzte 261,5 Milliarden US-Dollar in die USA zurück.

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Positiv für die Unternehmen ist auch, dass sie nun endlich unbeschränkt Zugriff auf ihre Geldberge haben und das Vermögen für die Zahlung von Dividenden, für Aktienrückkäufe, Schuldentilgungen oder andere Vorhaben verwenden können.

Gewinnsprünge bei Unternehmen

Unternehmen, die keine großen Vermögen im Ausland hielten und auch schon bisher hohe Gewinnsteuern in den USA entrichtet haben profitieren sofort von der Senkung der Körperschaftsteuer von 35 auf 21 Prozent. In ihren Jahresendbilanzen sind ihre Gewinne nach oben gschnellt.

Dem Ölriesen ExxonMobil (ISIN US30231G1022) brachte die Senkung der Unternehmenssteuern zum Beispiel einen bilanziellen Sondergewinn von 5,9 Milliarden Dollar ein. Bei dem zweitgrößten US-Erdöl-Giganten Chevron (ISIN US1667641005) lag der Buchungseffekt bei zwei Milliarden Dollar. T-Mobile, in den USA der drittgrößte Player am Mobilfunkmarkt, konnte den Gewinn im vierten Quartal aufgrund der neuen Bestimmungen um fast das Siebenfache auf rund 2,7 Milliarden Dollar steigern, der Unterhaltungskonzern 21st Century Fox (ISIN US90130A1016) konnte 1,3 Milliarden Dollar zusätzlich verbuchen. Bei Berkshire Hathaway, das jetzt um 40 Prozent weniger Steuern zahlen muss, stieg der Gewinn um 22 Prozent.

Ein Geschenk für die Aktionäre

Doch was bedeutet das alles nun für die Aktienmärkte? Jakob Frauenschuh, CFA der Schoellerbank, meint: "Die Steuerreform wird spürbare Auswirkungen auf die Aktienmärkte haben. Ein positiver Effekt ist, dass US-Unternehmen im Schnitt weniger Steuern zahlen müssen und der Gewinn dadurch steigt. Ein weiterer für die Aktienkurse vorteilhafter Effekt besteht darin, dass die nun verfügbar gewordenen Mittel für Ausschüttungen und Aktienrückkäufe verwendet werden können

Wie immer sei der Aktienmarkt sehr gut in der Lage, diese Effekte abzuschätzen. Frauenschuh führt die gute Entwicklung des US-Aktienmarktes im Jahr 2017 daher auch auf die antizipierte Steuerreform zurück. "Vorfreude ist aber bekanntlich die schönste Freude und wenn das Erhoffte dann tatsächlich Eintritt, ebbt die Welle der Begeisterung auch schon wieder ab. Das Jahr 2018 startete daher nicht – wie von vielen erwartet – mit einem fulminanten Kursfeuerwerk, sondern mit einer Kurskorrektur", analysiert er.

Die Schoellerbank habe US-Aktien daher auch untergewichtet, weil die Bewertungen seit einiger Zeit vergleichsweise hoch sind. "Die Aktienkurse sind in den USA zwar weiter gestiegen, doch für europäische Investoren hat die sehr schwache Entwicklung des US-Dollar einen Großteil der Kursgewinne wieder egalisiert", meint Frauenschuh. Langfristig seien jedoch nicht die Steuern über den Erfolg am Aktienmarkt entscheidend, sondern die Bewertung, zu der eine Aktie gekauft wird. Deshalb sei auch jedes Unternehmen für sich, respektive jede Aktie, einer genauen Einzelbewertung und -analyse zu unterziehen.

Licht- und Schattenseiten

Doch ist die Steuerreform nun gut oder schlecht für die US-Wirtschaft? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Paul Harker, der Fed-Präsident von Philadelphia, erklärte etwa, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA dadurch im Jahr 2018 um rund 0,2 Prozent steigen wird.

IWF-Chefin Christine Lagarde ist hingegen skeptisch. Sie meint, dass die Reform zwar die Wirtschaft der USA kurzfristig beflügeln könne, mittelfristig aber negative Effekte zu erwarten seien, etwa ein Anstieg der Staatsverschuldung.

Zahlreiche von der Nachrichtenagentur Reuters im Zuge einer Umfrage befragte Ökonomen sehen die Trump-Reform ebenfalls als kritisch. Steuererleichterungen seien ein falscher Schritt, der Zeitpunkt zudem ungünstig, da in den USA bereits Vollbeschäftigung herrsche. Daher wäre es eher sinnvoll, Konjunkturanreize zurückzufahren statt sie zu verstärken,

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