US-Notenbank Fed senkt die Leitzinsen

Die US-Notenbank hat wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus ihren Leitzins um einen halben Prozentpunkt gesenkt. Der US-Leitzins liegt jetzt im Korridor von 1 bis 1,25 Prozent. Weitere Notenbanken dürften nachziehen.

Jerome Powell, Präsident der Federal Reserve Bank USA

Jerome Powell, Präsident der Federal Reserve Bank USA

Das Coronavirus hat auch Nordamerika erreicht. In den USA wurden bisher 103 Infektionen registriert, in Kanada 27 und in Mexiko fünf. In den USA gab es außerdem bereits die ersten Todesfälle zu beklagen. Sechs US-Bürger sind bisher an den Folgen der COVID-19-Erkrankung gestorben.

Schlimmer jedoch ist bereits die Wirtschaft der USA in Mitleidenschaft gezogen, die über Lieferketten und ausgelagerte Produktionen stark mit China verflochten ist.

Einen entschlossenen Schritt zur Unterstützung der Wirtschaft hat hingegen bereits die US-Notenbank Fed gesetzt. Angesichts der Corona-Krise hat sie ihren Leitzins überraschend um einen halben Prozentpunkt auf 1 bis 1,25 Prozent gesenkt. Die Notenbank werde die Situation und deren wirtschaftliche Folgen weiter genau beobachten und "ihre Mittel nutzen, um angemessen zu reagieren, um die Wirtschaft zu stützen", hieß es in der Erklärung dazu. Weitere Zinsschritte sind daher nicht ausgenommen.

Fed-Chef Jerome Powell sagte, niemand wisse, wie lange der Coronavirus-Ausbruch anhalten werde. Eine Zinssenkung werde nicht die "Infektionsrate verringern". Die Fed habe "nicht alle Antworten" auf die Krise. "Wir glauben aber, dass unser Handeln der Wirtschaft erheblichen Schwung geben wird.

Die Fed hatte ihren Leitzins zuvor im vergangenen Jahr bereits dreimal um je 0,25 Prozentpunkte gesenkt, ihn bei den letzten Sitzungen angesichts der soliden Wirtschaftsentwicklung und niedrigen Arbeitslosigkeit unverändert belassen.

US-Finanzminister Steven Mnuchin will zudem alle Optionen prüfen, um die Folgen der Coronavirus-Epidemie für die amerikanische Wirtschaft zu begrenzen. Im Ministerium wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, deren Ziel es ist, vor allem kleineren und mittelgroßen Firmen zu helfen. Die Strafzölle gegen China zu senken ist für den US-Finanzminister vorerst aber noch keine Option.

G7-Länder wollen Initiativen setzen

Nur wenige Stunden vor der Erklärung der Fed hatten die führenden westlichen Industrieländer (G7, USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Italien) ihren Willen bekundet, gegen die wirtschaftlichen Folgen der Krise vorzugehen. Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus und die Auswirkungen auf Finanzmärkte und Wirtschaft würden genau beobachtet, hieß es in einer Erklärung der Finanzminister und Notenbankchefs der G7.

"Angesichts der möglichen Auswirkungen von Covid-19 auf das globale Wachstum bekräftigen wir unsere Verpflichtung, alle geeigneten politischen Instrumente einzusetzen, um ein starkes und nachhaltiges Wachstum zu erreichen und gegen Abwärtsrisiken zu sichern", hieß es. Die Finanzminister seien bereit, auch fiskalische Maßnahmen - also beispielsweise höhere Staatsausgaben - zu ergreifen, soweit dies notwendig sei.

Ifo-Präsident Clemens Fuest warnte vor massiven Folgen für die Wirtschaft bei einer Ausbreitung des Virus. "Wir haben eine deutlich erhöhte Rezessionsgefahr", sagte Fuest in Berlin. Derzeit kämen ein "Angebots- und ein Nachfrageschock" zusammen, dies könne eine gefährliche Mischung sein. Die Politik müsse dringend ein Signal setzen und klar machen, alles zu tun, was notwendig sei.

Möglich seien zum Beispiel eine Ausweitung des Kurzarbeitergeldes sowie Notkredite für Unternehmen, die von der Unterbrechung von Lieferketten betroffen seien - damit könnten Insolvenzen verhindert werden. Dies betreffe Branchen wie den Maschinenbau oder die Autoindustrie, aber auch Dienstleistungsfirmen.

Schutzimpfung für die Wirtschaft

Als "Grippeschutzimpfung für die Wirtschaft" sieht Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank den Schritt der US-Notenbank: "Bevor die Finanzmärkte und die US-Wirtschaft größeren Schaden nehmen, schreitet die Fed ein. Die Fed verpasst der US-Wirtschaft eine Impfung. Das ist gut so, zeugt es doch von einem energischem Vorgehen gegenüber etwaigen schärferen Konjunkturrisiken." Er ist überzeugt, dass auch die übrigen Notenbanken von sich hören lassen werden. Die EZB stehe ebenfalls in den Startlöchern. Gitzel sieht eine baldige Senkung des europäischen Einlagesatzes kommen.

Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt, erklärte: "Es zeigt, dass die Zentralbanken die Corona-Krise sehr, sehr ernst nehmen. Die US-Notenbank reagiert als erste, obwohl die US-Wirtschaft am wenigsten betroffen ist. Das macht deutlich, wie beunruhigt die Zentralbanken weltweit sind und signalisiert zudem, dass auch die EZB mehr machen wird." Aus Sicht der EZB werde es nicht ausreichen, zielgerichtete Langzeittender bereitzustellen. Krämer erwartet eine Leitzinssenkung von zehn Basispunkten. "Zudem dürfte sie das Volumen ihrer monatlichen Anleihenkäufe von 20 auf 40 Milliarden Euro für einen begrenzten Zeitraum von sechs Monaten aufstocken", meint der Ökonom.

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