Börsen weltweit im Abwärtstrend - Goldpreis zieht an

Das Coronavirus rückt wieder stärker in den Mittelpunkt. In Europa geht der Abwärtstrend eingeläutet durch die US-Börsen weiter. Anleger warten bereits auf eine Corona-Stütze durch die Europäische Zentralbank. Gold notiert auf dem Höchststand seit 2013. Der Ölpreis fällt.

Börsen weltweit im Abwärtstrend - Goldpreis zieht an

New York . Die Coronavirus-Epidemie hat wieder an den Börsen um sich gegriffen. Die Stabilisierungsphase zur Wochenmitte war nur von kurzer Dauer. Seit Donnerstagabend geht es wieder abwärts.

In Europa rückte das Coronavirus wieder in den Fokus mnachdem die US-Börsen am Donnerstagabend mit kräftigem Minus von über drei Proeznt aus dem Handel gingen. Der DAX [ISIN DE0008469008] in Frankfurt notiert am Nachmittag [13:40 Uhr MEZ] mit minus 3,56 Prozent. Der FTSE-100 [ISIN GB0001383545]der Börse London verlor 213,57 Zähler oder 3,19 Prozent und steht nun bei 6.491,86 Stellen. Der Eurostoxx [EU0009658145], der CAC-40 in Paris [ISIN FR0003500008 ] notiert mit 3,97 Prozent im Minus. Der Wiener Leitindex ATX [ISIN AT0000999982] ist mit einem Minus von rund vier Prozent so tief wie seit dem Jahr 2016 nicht mehr.

Vorbei ist es mit den positiven Impulsen, die infolge des Super Tuesday bis Mittwochabend den US-Börsen Kurszuwächse beschert hatte. Die Ergebnissen der US-Vorwahlen der Demokraten mit dem Erfolg des ehemaligen US-Vizepräsidenten Joe Biden hatten am "Super Tuesday" den Anlegern noch neue Börsenphantasien gegeben.

Zuerst gingen die Leitidices der US-Börsen mit kräftigem Minus aus dem Handel, danach haben die Börsen in Asien mit etwas geringeren Verlusten geschlossen. Der Nikkei-225-Index [ISIN XC0009692440] in Tokio verlor 2,92 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Hang Seng Index in Hongkong fiel um minus 2,32 Prozent, der Shanghai Composite 1,21 Prozent am Freitag verloren.

Zuvor hatte der Dow Jones Industrial Index [ISIN US2605661048] 3,43 Prozent verloren, der S&P-500 Index [ISIN US6311011026] war zum Donnerstagschluss 3,39 Prozent im Minus und der Nasdaq Composite Index [ISIN US78378X1072] fiel um 3,1 Prozent.

Das Minus war vor allem auf die Ausrufung des Notstands im wirtschaftlich wichtigsten US-Bundesstaaten Kalifornien zurückzuführen. Gouverneur Gavin Newsoms Entscheidung erfolgte nur wenige Stunden nach Bekanntwerden des ersten Todesfalls in seinem Bundesstaat. Zuvor hatte das US-Repräsentantenhaus bekanntgegeben, Milliarden für den Kampf gegen das Virus bereitzustellen. Ein entsprechendes Nothilfegesetz muss aber noch vom Senat verabschiedet werden.

Ölpreis im freien Fall

Der Brent-Ölpreis hat am Freitagvormittag weiter nachgegeben. Der als wichtige Ölpreisbenchmark geltende Future auf die Rohölsorte Brent notierte gegen 11.00 Uhr in London bei 48,73 Dollar je Barrel (159 Liter). Am Donnerstag hatte der Brent-Future zuletzt bei 49,99 Dollar notiert.

Die Ökonomen sprechen bereits auch über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus. So wird ihnen zufolge das Wirtschaftswachstum in China im laufenden Quartal deutlich zurückgehen. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt werde das Wachstum wohl auf 3,5 Prozent nach 6,0 Prozent im Vorquartal fallen, hieß es in einer Reuters-Umfrage.

Goldpreis klettert auf Stand von 2013

Der Einbruch der Aktienmärkte und der Rückgang der Anleiherenditen haben den Goldpreis am Freitagvormittag mit 1.690 Dollar (1.511 Euro) auf den höchsten Stand seit 2013 getrieben. Zuletzt lag der Preis für die Feinunze bei 1.687 Dollar (1.508 Euro).

Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank hat neben den Sorgen um das neuartige Coronavirus die rekordniedrigen Renditen an vielen Anleihemärkten als Treiber ausgemacht. "In einem derartigen Marktumfeld ist Gold als zinslose Anlage gefragt", stellte Frisch fest. Wegen der anhaltenden Unsicherheiten und weiter sinkender Zinsen dürfte Gold sein Hoch noch nicht gesehen haben.

Massive Verlust bei Airlines

Bei den Einzelwerten litten erneut vor allem Aktien aus der Reise- und Luftfahrtbranche unter der Verunsicherung und den Reiseeinschränkungen durch die Corona-Epidemie. In London verbilligten sich die Titel der Fluglinie IAG um 4,73 Prozent, für Easyjet ging es um 4,27 Prozent abwärts, TUI verloren 5 Prozent und in Frankfurt gab der Kurs der Lufthansa um 5,04 Prozent nach.

Rund um den Erdball fahren die Luftfahrtgesellschaften die Kapazitäten zurück. Am Donnerstag kamen bereits die Aktienkurse mehrere Luftfahrtunternehmen unter Druck. United Airlines (minus 7,9 Prozent), American Airlines (minus 8,8 Prozent) und Delta Airlines (minus 5,8 Prozent) sackten deutlich ab nachdem schon in Europa die Airlines Kursverluste hinnahmen mussten.

Ebenfalls auf Sinkflug begab sich der Aktienkurs von Boeing. Im Sog des negativen Branchentrends verloren die Anteile fünf Prozent. Bei dem Airbus-Konkurrenten jährt sich in diesen Tagen auch das Flugverbot für den eigentlich als Kassenschlager vorgesehenen 737-Max. Die Zukunft des Flugzeugs scheint noch ungewiss zu sein.

Aber auch an Airbus gehen die jüngsten Entwicklungen nicht spurlos vorbei, dessen Aktien am Freitag um 6,5 Prozent in den Keller gingen. Nach einem starken Jänner kamen im Februar keine Flugzeugbestellungen mehr herein, wie der Konzern mitteilte. Der Druck erstreckte sich auch auf die Zulieferindustrie mit Abgaben von 5,8 Prozent beim französischen Triebwerksbauer Safran.

Anleger warten auf EZB-Reaktion

Nach der überraschenden US-Zinssenkung erhoffen sich Börsianer von der Europäischen Zentralbank (EZB) ähnliche Hilfen für die heimische Konjunktur. "Da der Einlagenzinssatz bereits auf einem Rekordtief von minus 0,5 liegt, ist der Spielraum deutlich geringer als bei der Fed", sagt Fondsmanager Wolfgang Bauer vom Vermögensverwalter M&G.

Die Währungshüter könnten aber das Volumen ihrer Wertpapierankäufe von derzeit monatlich 20 Mrd. Euro problemlos auf 80 Mrd. Euro aufstocken und dabei verstärkt Unternehmensanleihen einsammeln.

Eine Absenkung des Zinsen für Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB auf minus 0,6 von minus 0,5 Prozent gilt bei Investoren als ausgemacht. Die Notenbank könnte einen solchen Schritt schon vor den offiziellen Beratungen am Donnerstag bekanntgeben, prognostiziert Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Vor einigen Tagen hatten sich die Währungshüter auf einer Telefonkonferenz zunächst für eine Politik der ruhigen Hand entschieden.

Auch bei der Fed sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, sagt Analystin Laura Pozzini vom Vermögensverwalter Eurizon. Sie halte weitere Zinssenkungen und zusätzliche Geldspritzen für wahrscheinlich. Investoren sehen die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Herabsetzung des Schlüsselsatzes um einen halben Prozentpunkt bei den regulären Fed-Beratungen Mitte März bei mehr als 80 Prozent.

Rasche Zinssenkungen und milliardenschwere Hilfsprogramme von Regierungen hätten aber auch eine Kehrseite, warnt Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. "Anleger fragen sich, wie schlimm die Lage wirklich ist. Ab einem bestimmten Punkt schüren Interventionen Nervosität."

Das AG Capital Team rund um Daniel Jennewein (links) und Karl Lankmayr (2. v. rechts)

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