So hängen US-Banken europäische Konkurrenten weiter ab

So hängen US-Banken europäische Konkurrenten weiter ab

US-Banken ziehen bei Gewinnen europäischen Banken im ersten Halbjahr 2018 weiter davon. Wie Spitzeninstitute auf beiden Seiten des Atlantiks dastehen und warum viele europäische Banken soweit zurückgefallen sind.

Zwischen Erfolg und Misserfolg liegt manchmal nur ein Ozean - wie das Beispiel europäischer und amerikanischer Banken zeigt. Die US-Großbanken stehen finanziell so gut da, wie seit Ausbruch der Finanzkrise nicht mehr. Die Gewinne sprudeln, die Krise längst vergessen. Im ersten Halbjahr stiegen die Gewinne nach Steuern der Top-US-Institute um 19 Prozent, in Europa nur um neun Prozent. Die US-Banken sind auch doppelt so profitabel wie ihre europäischen Konkurrenten. Und die US-Banken verfügen auch über einen wesentlich größeren Kapitalpolster. Auch die Gewinnaussichten sind besser.

Aber auch operativ konnten die US-Institute zulegen: Der Vorsteuergewinn stieg immerhin noch um sieben Prozent auf 87,5 Milliarden Euro – den höchsten Stand seit der Finanzkrise. In Europa hingegen stagnierten die operativen Gewinne bei 40,6 Milliarden Euro. Die US-Banken verdienten damit mehr als doppelt so viel wie ihre europäischen Wettbewerber. Das ergab eine umfangreiche Auswertung des Beratungsunternehmens EY.

Nur eine europäische Bank mit Gewinnen über einer Milliarde Euro

Während in den USA im ersten Halbjahr immerhin acht Institute einen Gewinn von mehr als vier Milliarden Euro vorweisen konnten, gelang dies in Europa nur einem Institut, der britischen HSBC. Der Börsenwert der Top-10-Banken Europas ging seit Jahresbeginn sogar zurück. Die Marktkapitalisierung sank zwischen Januar und August um zwölf Prozent auf 561 Milliarden Euro. Die US-Institute hingegen konnten um 1,5 Prozent leicht zulegen und waren Anfang August insgesamt 1,3 Billionen Euro wert und damit mehr als doppelt so viel wie Europas Top-Banken.

Die Fehler der europäischen Banken nach Ausbruch der Krise

Die extrem unterschiedliche Entwicklung liegt nach Einschätzung der EY-Berater vor allem daran, wie die Banken dies- und jenseits des Atlantiks mit den Folgen der Finanzkrise umgegangen sind. In den USA wurden bei maroden Banken die Probleme ohne mit der Wimper zu zucken rigoros angegangen. Abertausende Mitarbeiter wurden entlassen, Banken notfalls in die Pleite geschickt oder radikal umstrukturiert. In Europa sind Bank-Pleiten noch heute ein Tabu. Einsparmaßnahmen und Konsolidierungswelle wurden hier wesentlich zaghafter angegangen. Ein Vorgehen, das sich bis heute rächt. Den US-Banken spielt natürlich auch die starke konjunkturelle Entwicklung in die Hände.

Gewinndynamik legt bei US-Banken weiter zu

EY erwartet, dass die Unterschiede zwischen europäischen und amerikanischen Großinstituten sogar noch größer werden. „US-Banken sind in diesem Jahr erneut deutlich gewinnstärker und profitabler als ihre europäischen Wettbewerber“, beobachtet Gunther Reimoser, Leiter Financial Services bei EY Österreich. Die europäischen Banken sind vom Vorkrisenniveau nach wie vor weit entfernt. Deren Bilanzen würden nach wie vor Abschreibungen, Restrukturierungs- und Rechtskosten belasten. Zwar kam die bessere Konjunktur in Europa den Banken zuletzt zu Hilfe, die US-Großbanken sind aber in deutlich stärkeren Verfassung und verfügen über eine höhere Eigenkapitalausstattung.

Aussichten für US-Banken bleiben gut

"Es spricht viel dafür, dass amerikanische Institute zumindest in diesem Jahr dank ihres starken Heimatmarktes Rekordgewinne einfahren werden“, prognostiziert Reimoser. Die US-Konjunktur brummt – Unternehmensgewinne, Konsumausgaben und Unternehmensinvestitionen steigen, die Steuerreform und steigende Staatsausgaben entfalten auch bei US-Banken ihre Wirkung. Zudem würde der Zinsanstieg in den USA den Banken die Chance auf höhere Einnahmen im Zinsgeschäft bieten. "Und US-Banken leiden weniger unter Altlasten aus der Finanzkrise als ihre europäischen Wettbewerber.“

JP Morgan: 25 Milliarden Euro Gewinn in einem Jahr angepeilt

Bestes Beispiel für die finanzielle Stärke der US-Banken ist JP Morgan. Im zweiten Quartal erzielte das US-Spitzeninstitut umgerechnet einen Gewinn von sieben Milliarden Euro. Zwar ist JPMorgan auch in den USA der größte unter den Bankenriesen. Der Reingewinn von umgerechnet 25 Milliarden Euro, den die Bank nun im laufenden Gesamtjahr ansteuert, ist aber sogar höher als die Deutsche Bank derzeit mit 21 Milliarden Euro an der Börse überhaupt wert ist. JP Morgen spielt da in einer anderen Liga. An der Börse kostet das Unternehmen derzeit 334 Milliarden Euro. Der Aktienkurs von JP Morgan hat sich in den vergangenen fünf Jahren um fast 150 Prozent gestiegen. Das liegt vor allem daran, das das Zinsgeschäft floriert und das Investmentbanken von steigenden Aktienkursen profitiert.

Bank of America: Gewinn um 33 Prozent gesteigert

Gut unterwegs ist auch die Bank of America. Das spiegelt sich auch am Aktienkurs wieder. Dieser ist in fünf Jahren um 145 Prozent gestiegen. Die Mega-Investmentbank hat nun angekündigt die Dividende um 25 Prozent auf 15 Dollar anzuheben und Aktien im Wert von über 20 Milliarden Dollar zurückzukaufen. Das wird nicht weiter schmerzen: Der Gewinn hat im zweiten Quartal um 33 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar zugelegt. Die Bank verfügt mit 47 Millionen Kunden auf der ganzen Welt, betreibt 4.400 Filialen und 16.000 Bankautomaten.

Wells Fargo, ebenfalls einer der ehrwürdigsten Adressen am US-Bankensektor, legte im zweiten Quartal mit 5,2 Milliarden Dollar ebenfalls einen beachtlichen Gewinn hin. Dem stehen Einnahmen von 22 Milliarden Dollar gegenüber. Anlegern konnten sich in den vergangenen fünf Jahren über ein Kursplus von 61 Prozent freuen. Das obwohl ein jüngster Steuerstreit der drittgrößten US-Bank 480 Millionen Dollar kostet. Die Dividende wurde dennoch erhöht.

Deutsche Bank: Vom Giganten zum kleinen Fisch

Europäische Großbanken scheinen da im direkten Vergleich wie von einem anderen Planeten. Da wäre natürlich die Deutsche Bank, die in wenigen Jahren den Abstieg von der ersten Liga zum kleinen Fisch hinnehmen musste. Seit dem Hoch im Frühjahr 2007, also kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, ist die Deutsche-Bank-Aktie um gut 90 Prozent abgeschmolzen. Eine gigantische Wertvernichtung, die in der europäischen Bankenbranche nur ganz wenige Häuser in vergleichbarer Dimension erlitten haben. Jüngstes Tiefpunkt: Die Bank wurde aus dem elitären Aktienindex EuroStoxx50 geworfen. Der einstige Anspruch, ein globales Bankhaus sein zu wollen, erscheint da höchstens noch wie ein schlechter Witz. Der seit April amtierende neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bemüht sich zwar um ein höheres Reformtempo, räumte jüngst aber ein: "Es gibt noch viel zu tun."

Commerzbank: Magere Eigenkapitalrendite von 4,3 Prozent

Einen verheerenden Niedergang musste in den vergangenen Jahren auch die Commerzbank hinnehmen. An dessen vorläufigem Tiefpunkt der Rauswurf aus dem Dax steht, dem Kreis der 30 größten im Deutschen Aktienindex gelisteten deutschen Konzerne. Die Aktie ist seit der Übernahme der Dresdner Bank auf Talfahrt. 2006 kostete die Aktie noch mehr als 100 Euro, heute sind es nur noch gut acht Euro. Aktueller Börsenwert: zehn Milliarden Euro.Der massive Bedeutungsverlust hielt auch in den vergangenen zwölf Monaten an. Der Kurs brach seither um 23 Prozent ein - wenn der Konzernumbau auch langsam Fortschritte macht. Im Privatkundengeschäft wurden 712.000 neue Kunden gewonnen. Damit ist die Bank auf einem guten Weg ihr Jahresziel von einer Million neuer Privatkunden zu erreichen. 2019 soll es das erste Mal nach drei Jahren wieder eine Dividende geben. Doch die Eigenkapitalrendite von lediglich 4,3 Prozent zeigt in welchem schwierigen Fahrwasser sich das Unternehmen weiterhin befindet. Die Aktie könnte weiter einbrechen. Charttechnisch und nach dem Rauswurf aus dem Dax drohen weitere Dämme zu brechen.

Auch die spanische Bank Santander tümpelt mit 6,7 Euro pro Aktie nach einem Abwärtstrend, der die Aktie in den vergangenen zehn Jahren um die Hälfte des Wertes gebracht hat, weiter vor sich hin.

Doch es gibt auch europäische Banken, die wieder am aufsteigenden Ast sind. Insgesamt haben sich die Banken im zweiten Quartal besser als erwartet entwickelt, wiesen aber immer noch deutlich geringere Eigenkapitalquoten als ihre US-Wettbewerber auf, schreibt Goldman-Sachs Analyst Jernej Omahen. Er empfiehlt die Papiere von Credit Suisse zum Kauf.

HSBC: Hohe Gewinne, große Pläne

Zu den Banken, die in Europa eine gute Gewinndynamik aufweisen, zählt die britische HSBC. Die Großbank mit 38 Millionen Kunden weltweit, steigerte in den ersten sechs Monaten den Vorsteuergewinn um 4,6 Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar. Der Umsatz kletterte um vier Prozent auf 27,3 Milliarden Dollar. HSBC will bis 2020 rund 17 Milliarden Dollar in neue Technologien und in den asiatischen Markt investieren. UBS hat für die Aktie, die derzeit bei 666 Pence notiert ein Kursziel von 780 Pence ausgegeben. UBS rechnet mit einem Anstieg auf 750 Pence.

UBS und Credit Suisse: Starkes Wachstum beim Investmentbanking

Auch bei UBS läuft es gut. Die Großbank erzielte im ersten Halbjahr einen um neun Prozent höheren Nettogewinn von 1,3 Milliarden Franken. Bleibt damit zwar hinter den meisten Rivalen von der Wall Street zurück, hängt die Deutsche Bank aber locker ab. Die Vermögensverwaltung ist und bleibt der wichtigste Pfeiler der Bank, doch das Investmentbanking und auch einer der Hauptgründe für das starke Gewinnwachstum. Obwohl nach der Krise um einiges zurechtgestutzt, ist der Bereich zuletzt deutlich gewachsen. Bei der Kernkapitalquote ist UBS mit 13,4 Prozent den amerikanischen Instituten ebenbürtig. Der Kurs liegt dennoch seit Jahren am Boden. In fünf Jahren gab die Aktie um fast 20 Prozent nach. Das Unternehmen ist dafür ein solider Dividendenzahler. Heuer ergibt das eine Rendite von 4,5 Prozent. Als Kursziel hat Morgan Stanley 21 Franken ausgegeben. Derzeit notiert die Aktie bei 15,5 Franken.

Die Credit Suisse hat ihren Gewinn im letzten Quartal auf mehr als 600 Milliarden Franken verdoppelt und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die harte Kernkapitalquote ist mit 12,8 Prozent ebenfalls respektabel. Die Aktie liegt aber seit Jahren am Boden und notiert nach einem Rückgang von 68 Prozent in zehn Jahren bei 15 Schweizer Franken. Die Analysten von Goldman Sachs erwarten aber einen Kursanstieg auf 22 Franken.

BNP Paribas: Strafzahlungen und Türkei-Risiko

Die Aktie der französischen Bank BNP Paribaswurde wegen Marktmanipulationen von den USA zu einer Strafe von 90 Millionen Dollar verdonnert. Das Unternehmen zahlt 2018 zwar eine Dividendenrendite von sechs Prozent, aber die Franzosen sind auch stark in der Türkei engagiert. Kommt es zu Zahlungsproblemen bei Krediten, könnte das für die Bank teuer werden. An der Börse wurde die Aktie für die Risiken abgestraft und hat im Vorjahresvergleich 20 Prozent verloren. Analysten schätzen, dass in der Türkei bis Mitte nächsten Jahres umgerechnet rund 153 Milliarden Euro an Auslandsschulden fällig werden - das entspricht fast einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Ein Großteil der Schulden entfalle dabei auf den Privatsektor, insbesondere Banken

Erste Bank wird starker Kursanstieg zugetraut

Die Krise gut gemeistert hat auch die österreichische Erste Group Bank. Zuletzt hat das Institut auch von der guten Konjunktur in Osteuropa profitiert, wo die Bank zu den größten Kreditgebern zählt. Im ersten Halbjahr stieg der Gewinn um mehr als ein Fünftel auf 774 Millionen Euro. Steigende Kreditqualität und damit verbundene geringere Rückstellungen und ein starker Zufluss an Kundenlagen lassen die Gewinne steigen. Mit einer Quote von 3,6 Prozent ist der Anteil an faulen Krediten am Kreditbestand auf einem 10-Jahres-Tief. Bis Jahresende sollte die Quote weiter sinken. Durch mehr Einnahmen sowie Einsparungen und Effizienzsteigerungen soll die Kosten/Ertrags-Relation - derzeit bei 61,5 Prozent - auf Sicht auf 55 und darunter gedrückt werden. Das ungünstige Verhältnis Kosten zu Erträgen liegt laut Erste-Boss Treichl vor allem an der Vielzahl der Filialen in Österreich. Die Kernkapitalquote ist mit stabilen 13 Prozent mit den großen US-Instituten aber auf Augenhöhe. JP Morgan gibt für die Austro-Aktie, die derzeit bei 34 Euro notiert ein Kursziel von 47 Euro aus. Das Kursplus seit Mitte 2014 betrug bereits 46 Prozent.

Raiffeisen: Kursrückgänge, trotz hoher Gewinne

Für Raiffeisen Bank International (RBI) läuft es heuer bisher ebenfalls gut. Die Bank, die in Österreich und 14 osteuropäischen Ländern vertreten ist, hat in den ersten sechs Monaten des Jahres 756 Millionen Euro Gewinn gemacht, 29 Prozent mehr als zuletzt. Durch das gesunkene Kreditrisiko konnten Rückstellungen aufgelöst werden und der Gewinn so aufgefettet werden. Die Cashcow der RBI ist Russland. Fast die Hälfte der Gewinne stammen von dort. Kein Wund, dass die Russland-Sanktionen die Anlegern zuletzt verschreckt haben. Doch das Management relativiert: Die bisherigen Russland-Sanktionen betreffen nur 0,1 Prozent der Bilanzsumme, inzwischen sei es noch weniger. Alle Vorschriften was die Sanktionen betrifft würden streng eingehalten, versichert man. Bei einer Eigenkapitalrendite von 11,40 kann die Austro-Bank mit US-Konkurrenten gut mithalten. Trotz eines Kursrückgangs von zwölf Prozent im Jahresvergleich war die Aktie in den letzten drei Jahren mit einem Plus von über 100 Prozent ein Highflyer.

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