US-Aktien: Stehen neue Kursrekorde bevor?

US-Aktien: Stehen neue Kursrekorde bevor?

Ob neue Höchststände oder nicht, immer mehr dürfte auch entscheidend sein, ob man auf zyklische oder defensive Werte setzt.

Der März und der April zählen an den Börsen zu den Wonnemonaten. Das könnte auch diesmal so sein, speziell in den USA. Und diesmal könnten nicht die altbewährten Kursklassiker das Rennen an der Börse machen. Welches Aktiensegment mit einem historischen Bewertungsabschlag gehandelt wird und welche Fonds Experten jetzt empfehlen.

An der Börse kann die Stimmung rasch drehen. Noch zu Jahresende waren die Anleger verzweifelt, die Kurse im Keller. Nur wie bei einem manisch-depressiven Patienten ist davon nichts mehr zu spüren. Jetzt dominiert - ganz im Gegenteil - wieder die Euphorie. Von außen betrachtet, alles schwer zu verstehen. Das Brexit-Problem ist noch immer da und Handelsstreitigkeiten, die Donald Trump vom Zaun gebrochen hat, sind auch nicht gelöst. Doch was soll´s. Die Kurse steigen wieder fröhlich, als ob es den schwarzen Dezember im Vorjahr, mit Kursverlusten in großen Indizes von 20 Prozent gar nicht gegeben hätte. Oder gerade deshalb. Der amerikanische S&P 500 näherte sich dabei sogar seinen einstigen Höchstständen aus dem vergangenen Jahr an. Die Erholung an den Börsen ging rasch, geändert hat sich, zumindest vordergründig kaum etwas. Was soll man von dieser Entwicklung halten und was erwarten und empfehlen Experten?

Konjunktur trübt sich weltweit ein
Allmählich breitet sich unter den Anlegern leichte Unruhe aus. "Das Wachstum in den USA, aber auch in Europa und global geht zurück", warnt Ernst Konrad, Portfolio-Chef von Eyb & Wallwitz anlässlich eines Vortrags beim Investoren-Kongress in Wien. Seiner Einschätzung nach wurde der Höhepunkt des Konjunkturzykluses im Vorjahr erreicht. "Für 2019 erwarten wir keine positiven Impulse", so Konrad. Die Schoellerbank glaubt dennoch in den USA an neue Kurshöhen.

Anlegerstimmung hat sich deutlich aufgehellt
So würden politische Unsicherheiten, ausgelöst durch die Diskussion um den Brexit und Handelshemmnisse, wie von US-Präsident Donald Trump gefordert, sogar das Potenzial für steigende Aktienkurse bieten. „Die Anlegerstimmung zu beobachten hat sich in den letzten Jahrzehnten meist als nützlicher Grundpfeiler für unsere Investmentstrategie erwiesen“, so Alexander Adrian, Fondsmanager der Schoellerbank Invest. Demnach sind die Anleger, nach einem deutlichen Rücksetzer, nun wieder deutlich bullischer.
Zwar habe auch der jüngste Aufschwung an den Börsen für eine Wiederbelebung bei den Sentiments gesorgt. „Die Stimmung ist aber trotz des starken Anstiegs noch keineswegs überbordend“, so Adrian. Dazu müssten zunächst Brexit und Handelsfragen beseitigt werden.

Anleger sind nach einem kurzen Stimmungstief wieder bestens drauf und investieren kräftig.

Bewertungen noch nicht überzogen
Ein weiteres Kriterium für die Beurteilung von Kurschancen stellen Bewertungen dar. Sie geben Aufschluss darüber, ob ein Aktienmarkt heiß gelaufen ist. Schoellerbank-Experte Adrian: „Wenn man die aktuellen Bewertungen mit den historischen Durchschnittskursen der letzten zehn Jahre in Relation setzt, sieht der Markt keineswegs überteuert aus.“ Die Bewertung steht und fällt jedoch mit den Gewinnerwartungen der Unternehmen.

Japan-Aktien am billigsten
Die Bewertungen sind für die großen Börsenplätze noch unter dem langjährigen Schnitt, wenn auch bis auf den Japan-Index Topix, nur leicht darunter. Schaut man sich jedoch das Verhältnis Preis zu Buchwert an, ist zumindest der US-Index S&P schon merklich über dem durchschnittlichen Bewertungsniveau. Der Buchwert ist das Eigenkapital einer Firma (Maschinen, Lagerhallen, Immobilien). Doch Vorsicht: Der Buchwert lässt sich leicht manipulieren. So können Angaben über den Wert der Immobilien in der Bilanz leicht in die Irre führen. Dennoch ist die Zahl eine nützliche Orientierung.

Billig sieht zwar anders aus, aber überbewertet sind die Aktien der wichtigen Indizes in den USA, Europa, Japan, Hongkong und

Risiko: Unternehmensgewinne - Rückgang erwartet
Adrian: „Sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern und die Gewinne nicht wie erwartet ausfallen, kann aus einem momentan chancenreich bewerteten Markt eine teure Veranlagung werden aus der alle gleichzeitig raus wollen.“ Diesbezüglich gibt Christian Lehr, Fondsspezialist von Nordea Asset Management jedoch keine Entwarnung. "Die Gewinnerwartungen werden sowohl 2019 als auch 2020 nach unten revidiert werden." Global in jedem Jahr um fast vier Prozent, so die Prognose. Wie sehr ein solcher Rückgang die Märkte aus der Bahn werfen wird, lässt sich schwer abschätzen.

Keine Zinsanhebungen - und die besten Börsenmonate März und April stehen noch bevor
Zurück zu den positiven Meldungen. Unterstützung bekommen die Märkte derzeit von den Notenbanken. So wollen sich die Zinsmacher in den USA mit weiteren Anhebungen zurückhalten. Die FED will vielmehr die Entwicklung der US-Wirtschaft genau im Auge behalten, um die Konjunktur durch weitere Zinsschritte nicht abzuwürgen.
„Zugleich könnte den Börsen auch der saisonale Börseneffekt in die Karten spielen“, glaubt Schoellerbank-Fondsmanager Adrain. So zählen der März und April im Schnitt zu den besten Börsenmonaten des Jahres. „All dies lässt hoffen, dass das Allzeithoch im S&P 500 überwunden und neue Höchststände erklommen werden können“, so der Börsenprofi. Nordea-Experte Lehr ist seit dem Ende der US-Zinsanhebungen ebenfalls deutlich positiver gestimmt.


Qualitätsaktien mit historischen Bewertungsabschlag

Defensive Investments bevorzugt
Welche Aktien soll man nun kaufen, wenn man denn mutig genug ist? Viele Experten raten derzeit sich defensive Werte oder Fonds ins Depot zu legen. "Defensive Qualitätsaktien weisen einen großen Bewertungsabschlag auf, der sich wieder schließen wird", so Nordea-Experte Lehr. Der Lückschluss hat bereits begonnen. "Die Sektorrotation weg von zyklischen Aktien, hin zu defensiveren Werten hat im Juni eingesetzt." Doch noch seien diese Papiere deutlich unterbewertet.

Fondsempfehlungen von Experten

Basisfonds ohne Nervenflattern
Nordea-Manager Lehr empfiehlt Anlegern als Basisinvestment den Nordea 1 - Stable Return Fonds (ISIN: LU0227384020). Die Tranche ohne Bestandsprovision und damit die günstigere lautet LU0841554891. Der globale Mischfonds hat Aktien im Depot, die konstant zwischen fünf und zehn Prozent pro Jahr wachsen. "Das ist unser Allwetter-Fonds, der über einen Konjunkturzyklus hinweg, Jahr für Jahr im Schnitt rund fünf Prozent Rendite bringen soll". Im Vordergrund steht daher auch das Risiko im Fonds bestmöglich auszubalancieren. Im Vorjahr hatte der Fonds zwar zu früh auf defensives Investment fokussiert, doch nun ist der Fonds wieder in der Spur und erzielte in den ersten Monaten des Jahres eine Rendite von fünf Prozent.

Mit flexiblem Global-Player-Fonds breit aufgestellt: 36 Prozent in drei Jahren
Bei der Fondsgesellschaft Mainfirst empfiehlt man dagegen wachstumsstarke Aktien und legt Anlegern den Mainfirst Global Equites Funds (ISIN: LU0864709349) ans Herz. Der Fonds setzt auf Aktien von Unternehmen, die pro Jahr ein organisches Umsatzwachstum von im Schnitt 20 Prozent aufweisen. "Unser Ziel ist es weltweit Unternehmen herauszupicken, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu den größten Unternehmen auf ihrem Gebiet zählen", erläutert Alexander Koschar, von der Mainfirst-Vertriebsgesellschaft Fenthum. Der US-Anteil im Depot liegt derzeit bei 35 Prozent, gefolgt von Deutschland und Frankreich. Im Fonds finden sich vor allem Mega-Caps (mehr als 50 Milliarden Marktkapitalisierung) und Large-Caps (von zehn bis zu 50 Milliarden Marktkapitalisierung). Nach einer Benchmark orientiert sich der Fonds nicht und er kann den Aktienanteil auch ganz zurückfahren. Mit dieser Strategie wurde der MSCI Total Return Index in den vergangenen drei Jahren dennoch deutlich übertroffen. Gesamtrendite in drei Jahren 36,6 Prozent. Das Portfolio ist mit werten wie Amazon, Alibaba, Tencent und Square allerdings nichts für schwache Nerven.

Konservativer Mischfonds, der sich an keinem Index orientiert: 15 Prozent in drei Jahren
Deutlich weniger Risiko geht der Mainfirst - Absolute Return Multi Asset Fonds (ISIN: LU0864714935) ein. Langfristig sollen Anleger mit diesem Mischfonds pro Jahr fünf Prozent Rendite erwirtschaften können. Aktuell liegt der Aktienanteil bei 40 Prozent. Aktien- und Währungsentwicklungen können über Futures abgesichert werden. Maximal zehn Prozent fließen in Emerging Markets. Das Management bezieht bei der Gewichtung und Auswahl der Investments sowohl die volkswirtschaftliche Entwicklung, strukturelle Trends, als auch jener der Einzeltitel mit ein. Maximal 50 Prozent des Vermögens dürfen in Aktien investiert werden. Die Strategie brachte dem Fonds in den vergangenen drei Jahren einen Wertzuwachs von 15,7 Prozent.

Value-Fonds der Schoellerbank: Plus 30 Prozent in drei Jahren
Wer der Expertise der Schoellerbank vertraut, dem empfiehlt sich der Aktienfonds Value (ISIN: AT0000820378). Dieser Fonds, der sich auf solide Qualitätsaktien spezialisiert hat, konnte in drei Jahren ein Plus von insgesamt 30,6 Prozent einfahren. Die USA sind mit 45 Prozent vertreten, Hongkong mit fast 20 Prozent und Großbritannien mit 13 Prozent. Wie die anderen Fonds schlägt auch dieser regelmäßig den Vergleichsindex als auch den Durchschnitt der Fonds in dieser Kategorie.

Weltaktien-Fonds mit 15 Prozent Rendite per anno in den vergangenen zehn Jahren
Die Investmentboutique Comgest empfiehlt derzeit Anlegern den Comgest Growth World (ISIN: IE00BYYLQ314 = Euro-Tranche). Klingt nach zyklischem Investment, ist es aber nicht. Für das Management ist ein organisches, nachhaltiges Wachstum entscheidend, ob die Aktien ins Depot kommen. Im globalen Anlageuniversum sind derzeit rund 40 Titel in diesem stets konzentrierten Portfolio. Dieter Wimmer, Fondsverkaufschef von Comgest für Österreich: "Der Fonds ist für risikobewusste Anleger auf der Suche nach einem konservativem Investment in Marktführer mit einem Geschäftsmodell, das seit Jahren erfolgreich und solide ist." Das Stockpicking macht Comgest in diesem Fonds seit Jahren erfolgreich und lässt den Index im Schnitt deutlich hinter sich. Die US-Tranche des Fonds (ISIN: IE0033535075) ) hat einen deutlich längeren Trackrekord.

Fazit: Allzeithochs dürften deutlich überschritten werden
Es gibt Gewitterwolken am Horizont, und wegen Brexit und Handelsstreitigkeiten hält sich der Optimismus an den Börsen in Grenzen. Aber das kann auch Chancen bergen. Adrian: „Aus antizyklischer Sicht ein gutes Zeichen.“ Die Bewertungen befinden sich in einem Rahmen, der nicht überteuert ist. Die Notenbanken und der saisonale Börseneffekt unterstützen den neuerlichen Steigflug zu den einstigen Höchstständen. Zudem konnten die Aktienmärkte auch in der Vergangenheit diverse Krisen meistern. Wenn die Bullen schon in die Jahre gekommen sind. Zuletzt steckte der Markt kleinere Negativmeldungen aber ohne Auffälligkeiten weg. „Das deutet daraufhin, dass eine gewisse Stärke vorherrscht. Daher dürften nicht nur die Allzeithochs erreicht, sondern in Folge sogar ordentlich überschritten werden.“

Kommentar

Geld

Ken Fisher: Populisten helfen der Börse

Geld

Zoom stiehlt Pinterest die Show zum Börsendebüt

Start-ups

Wiener Biotech-Start-up Hookipa geht an die US-Börse Nasdaq