US-Aktien: Auf dem Weg zur nächsten Rallye?

US-Aktien: Auf dem Weg zur nächsten Rallye?

An der US-Börse stehen laut Experten alle Zeichen auf Boom. Alleine die Steuersenkung könnten 111 Milliarden Dollar ausmachen.

US-Aktienexperten nennen die Gründe warum dem US-Aktienmarkt noch gut zwei Jahre nicht die Luft ausgehen könnte. Was die Steuerreform das ganze Steuersystem umkrempelt und was Trump gleichzeitig plant. Welche Branchen profitieren könnten und welche US-Fonds sich in den letzten fünf Jahren bewährt haben.

An der Wall Street haben, nach einem kurzen Zwischentief Anfang April, die Optimisten wieder das Ruder übernommen. Der Kurs des vielbeachteten Aktienindex S&P 500 hat seither um mehr als sieben Prozent gewonnen. Die anhaltend starke US-Rally bereitet Anleger aber Sorgen, rechnen viele doch damit, dass die Spekulationsblase jeden Moment platzt. Sind die US-Börsen am Ende nur ein Spielball der Launen von US-Präsidenten Donald Trump? Ist sein Leitspruch "America first" nur ein Mantra, oder wird es zur wirtschaftlichen Realität. Wie US-Investmentexperten der beiden renommierten Asset Manager Edmond de Rothschild und JP Morgan die Lage einschätzen.

In den Aufwärtstrend investieren und nicht auf Korrektur warten

Beide Investmentgesellschaften geben, trotz der schwindelerregend scheinenden Kurse, Entwarnung. "Die Rally bietet nach wie vor gute Ertragsmöglichkeiten. In den letzten zwölf Monaten haben zwar viele Anleger, in der Hoffnung auf Kurskorrekturen, auf günstigere Einstiegspunkte gewartet", so Susan Bao, Managerin des JPMorgan US Select Equity Plus Fund. Nur eine stärkerer Rücksetzer ist ausgeblieben. "Sinnvoller ist, sich auf das Trendwachstum zu fokussieren. Und der Trend deutet weiter nach oben", so die US-Bankerin.

Milliarden-Entlastungen durch Steuerreform soll Investitionen anfachen

Der Grund warum Experten von steigenden Kursen an den US-Börsen ausgehen, liegt im hohen Wirtschaftswachstum in den USA begründet. Für einen Boost der Wirtschaft sorgt vielfach die US-Steuerreform, "die hohe Entlastungen mit sich bringt", so Mathilde Lemoine, Chefökonomin der Investmentgesellschaft Edmond de Rothschild. Nach Ansicht von JP Morgan beseitigt die Steuerreform auch das gestiegene Börsenrisiko.

Steuerreform verändert Steuersystem grundlegend

Doch die Steuerreform hat noch einen anderen Aspekt: "Sie verändert das amerikanische Steuersystem grundlegend", ist Leomine überzeugt. Investitionen sollen so dauerhaft angefacht werden. Erklärtes Ziel von Trump ist es nämlich, die amerikanischen Unternehmen zu Investitionen in die Produktion zu bewegen und gleichzeitig die Kosten für Kredite anzuheben. Ein cleverer Schachzug von Trump. Die Steuersenkungen für Firmen könnten sich auf netto 111 Milliarden Dollar bringen.

Geringer Inflationsdruck

Nicht nur auf Firmen, auch auf US-Steuerzahler kommen gute Zeiten zu. Laut Berechnungen sollen die Amerikaner noch in diesem Jahr 17 Milliarden Dollar weniger Steuern zahlen müssen. Das ist zwar eine hübsche Summe, aber verhältnismäßig wenig, im Vergleich zu den Steuergeschenken für die Unternehmen. "Doch die Entlastung für die Bürger wird dabei helfen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln", so Lemoine von Rothschild. Die Ökonomin geht von einem US-Wirtschaftswachstum von drei Prozent aus. "Aufgrund der fehlenden Dynamik privater Verbraucher und des weiterhin bestehenden Überschusses an Arbeitskräften, erwarten wir keinen allzu hohen Inflationsdruck".


Trumps Plan könnte aufgehen

US-Unternehmensgewinne nehmen Kurs auf neue Rekorde

Schon alleine dieser Mix aus Steuerersparnis und steigender Investitionsbereitschaft hat das Zeug dazu, die amerikanische Wirtschaft kräftig unter Dampf zu setzen. Die USA sind damit unter den wachstumsstarken Wirtschaftsplayern wieder zurück im Spiel. "Das Land etabliert sich als feste Größe des weltweiten Wachstums. Trumps Plan, die USA wieder ins Rennen zu bringen, könnte aufgehen", diagnostiziert die Chefökonomin von Rothschild. Als einer der Hauptgründe für den Boom der Wirtschaft und einer anhaltenden Börsenrallye gilt der kräftige Anstieg der Unternehmensgewinne. Schließlich sind diese einer der wichtigsten Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum. In den USA scheinen diese derzeit in den Himmel zu wachsen. Seit 2008 steigt das Gewinnwachstum konstant. Speziell in den vergangenen neun Quartalen zeigte der Trend eindeutig nach oben (siehe Grafik). Das Gewinnwachstum könnte nach Einschätzung von JP Morgan sogar noch zulegen. Für das vierte Quartal wird ein Gewinn je Aktie von 33,86 Dollar vorhergesagt. Traumwerte, die die stark gestiegenen Kurse an den US-Börsen der Vergangenheit, nicht mehr ganz so übermächtig erscheinen lassen.

2018: Gewinnwachstum der US-Firmen von 15 Prozent für 2018 erwartet

US-Firmengewinne ziehen seit etlichen Quartalen an und auch in Zukunft dürften die Gewinne sprudeln (grüne Balken sind Prognosen).

Dollar im grünen Bereich

Die USA scheint derzeit nichts aufzuhalten. Auch nicht die Entwicklung des Dollars. So hat sich der Greenback zu Beginn des Jahres abgeschwächt, was US-Unternehmen Rückenwind bescheren wird. Schließlich werden mehr als 40 Prozent der Gewinne der Unternehmen im S&P 500 Index im Ausland erzielt. Ein schwächerer Dollar kommt somit den Gewinnen zugute. Zwar ist der Dollar zuletzt wieder moderat gestiegen, ist aber im historischen Kontext nach wie vor auf einem niedrigen Niveau. "Wir glauben daher, dass das aktuelle Dollar-Niveau US-Firmen für die Steigerung von Gewinne nach wie vor Rückwind liefert", glaubt JP Morgan-Fondsmanagerin Bao, die in ihrem US-Fonds mehr als drei Milliarden Dollar verwaltet.

Solide Gewinne für Ölkonzerne erwartet

Neben der Entwicklung des Dollars birgt grundsätzlich auch der Preis für Rohöl einen Risikofaktor für die Wirtschaftsentwicklung. Wo doch auch der Energiesektor im S&P einen großen Anteil ausmacht. Wie wichtig der Ölpreis ist, zeigt die Vergangenheit. So hat der niedrige Ölpreis der vergangenen beiden Jahre die Gewinne der Ölunternehmen im S&P geschmälert und zwischen 2014 und 2016 sogar Verluste beschwert. Zwar notiert Rohöl, trotz des Kursanstieges, weiterhin unter dem 5-Jahresdurchschnitt, JP Morgan prognostiziert dennoch für die nächsten Quartale solide Gewinne für die Ölbranche.


Es deutet vieles darauf hin, dass die wirtschaftliche Rally noch mindestens 18 bis 24 Monate dauert

glaubt Fondsmanagerin Bao von JP Morgan. "Wir können auch kein wesentliches Risiko für eine baldige Rezession erkennen" , setzt Bao fort.

Wo die höchsten Kursgewinne winken

Nach Ansicht von JP Morgan sind das Aktien der Finanzbranche. die Unternehmen sollten kräftige Kursgewinne erzielen. Bao: "Der Finanzsektor profitiert von steigenden Zinsen, die wiederum zu höheren Zinsmargen führen sollten." Ebenfalls positiv schätzen die Asset Manager die Medienbranche ein. "Die Ertragskraft ist hoch und die Bewertungen noch nicht überzogen." Eine Warnung geben die Experten jedoch für Aktien von Basiskonsumgütern und Versorgern aus. Hier seien Umsätze und Bewertungen ausgereizt.

Top-Fonds für US-Aktien

In den vergangenen fünf Jahren gut geschlagen haben, sich - im Verhältnis Performance und das dafür eingegangene Risiko - folgende Fonds gut bewährt:
Goldman Sachs US Core Equity (ISIN: LU0182551548). In fünf Jahren lag die Rendite im Schnitt bei 15,5 Prozent.
M&G North American Dividend (ISIN: GB0030927031). Dieser warf ebenfalls von 15,5 Prozent Ertrag pro Jahr ab. Das dafür eingegangene Risiko lag dafür aber höher als im Schnitt in dieser Fondskategorie.
Pictet -USA Index (ISIN: LU0474966164) erzielte in den vergangenen fünf Jahren pro Jahr ein Plus von fast 15 Prozent. Der Fonds orientiert sich allerdings stark am Index, was bei einem Crash zu höheren Kursverlusten als bei einem aktiver gemanagten Fonds führen kann. Hält man den Fonds über Jahre kann sich das Risiko aber wieder ausgleichen.
Raiffeisen-US-Aktien . Der US-Fonds der österreichischen Fondsgesellschaft hält sich seit Jahren im internationalen Vergleich gut. Wenn das Risiko auch etwas über dem Schnitt der anderen Fonds seiner Kategorie liegt. In fünf Jahren fuhren Anleger jedes Jahr über fünf Jahre gesehen 14,4 Prozent Rendite ein. Das Fondsmanagement hat aktuell Aktien zyklischer Konsumgüter und Finanztitel am stärksten gewichtet.

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