"Unsere Stärke ist die persönliche, vertrauensvolle Beratung"

Heinrich Schaller, Generaldirektor der RLB OÖ

Heinrich Schaller, Generaldirektor der RLB OÖ

Heinrich Schaller, Generaldirektor der RLB OÖ, über die Entwicklung der Börsen, Chancen für Anleger und Sparer sowie digitale Innovationen.

trend: Die Börse Wien konnte heuer bislang ein Rekordergebnis liefern und besser als andere Märkte abschneiden. Worauf führen Sie das zurück?
Heinrich Schaller: Die Gründe für den Kursaufschwung sind vielschichtig. Die Wirtschaft in Österreich wächst heuer um 2,4 bis 2,7 Prozent, ein Großteil der Indexmitglieder liefert auf Sicht von zwölf Monaten Kursgewinne deutlich im zweistelligen, manche sogar im dreistelligen Prozentbereich. Vor allem der Industriesektor verzeichnet die längste Aufschwungphase seit 20 Jahren. Auch die äußerst positive Entwicklung von Index-Schwergewichten wie der Raiffeisen Bank International oder der OMV hat großen Anteil. Um diesen Schwung aufrechtzuerhalten, sind Investitionen gefragt. Der Zugang zu entsprechenden Finanzierungen ist einer der wichtigsten Eckpfeiler, um die Innovationsfähigkeit der heimischen Unternehmen sicherzustellen.

trend: Der Anteil der Aktienbesitzer ist in Österreich noch immer vergleichsweise ziemlich klein. Wie könnte man das ändern?
Schaller: Ich denke, beim Thema Wirtschafts- und Finanzbildung haben wir hierzulande sowohl in den Lehrplänen an Schulen, aber auch gesamtgesellschaftlich im Vergleich zu anderen Ländern noch Luft nach oben. Es liegt natürlich auch an Banken, über entsprechende Anlagemöglichkeiten zu informieren. Raiffeisen OÖ bietet Kunden mit der Seminarreihe "learn&invest" wertvolle Informationen und Tipps für eine optimale Geldanlage. Hochkarätige Referenten geben ihr Wissen kostenlos an Einsteiger und Fortgeschrittene weiter.

trend: Wie schätzen Sie die Reaktion der Märkte ein, wenn die EZB im kommenden Jahr ihre Liquiditätspolitik ändert?
Schaller: Die EZB wird bis ins dritte Quartal 2018 die Anleihenkäufe auf reduziertem Niveau fortführen. Danach könnten die Netto-Anleihenkäufe auf null reduziert werden. Erst danach ist mit Zinsschritten zu rechnen. Eine restriktivere Liquiditätspolitik der EZB sollte sich zulasten der Aktienmärkte und zugunsten des Euro auswirken.

trend: Wird Sparen in absehbarer Zeit wieder attraktiv?
Schaller: Das Sparbuch ist nach wie vor ein beliebter Klassiker. Wenn es um schnell verfügbares Geld geht, sind Sparformen wie das Sparbuch oder auch verstärkt Onlinesparen wichtige Eckpfeiler. Ob sich an den Konditionen in absehbarer Zeit etwas ändert, hängt von der Kurspolitik der EZB ab.

trend: In allen Bereichen der Wirtschaft ist Globalisierung das beherrschende Thema. Welche Vorteile kann eine Regionalbank dennoch ihren Kunden bieten?
Schaller: Als größte Regionalbank Österreichs liegt unsere Stärke ganz klar in der persönlichen, vertrauensvollen Beratung. Wir sind für unsere Kunden da, wenn ein verlässlicher Partner gefordert ist. Eine regional stark verankerte Bank spürt und lebt die Verantwortung gegenüber Menschen, Unternehmen, Vereinen und Institutionen viel unmittelbarer. Wir sorgen dafür, dass unsere Kunden Chancen erfolgreich nutzen können und Herausforderungen der Zukunft meistern.

trend: Wie schafft die RLB OÖ den Spagat, bei immer weniger Bankfilialen die persönliche Betreuung der Kunden weiter zu intensivieren?
Schaller: Die Digitalisierung hat das Bankgeschäft in vergangenen Jahren enorm verändert und wird es auch noch weiter tun. Kunden von Raiffeisen Oberösterreich erledigen jetzt schon 93,6 Prozent aller Transaktionen elektronisch. Es gibt aber viele Bereiche, in denen persönliche Betreuung immer eine entscheidende Rolle spielen wird, etwa bei der Schaffung von Wohnraum oder der Altersvorsorge. So wie die Digitalisierung werden auch wir uns ständig weiterentwickeln, uns noch intensiver auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen und dabei Effizienz und Qualität hochhalten. Der Schlüssel wird sein, Trends und Entwicklungen ganz genau im Blick zu haben und weiter Pionierarbeit bei digitalen Innovationen zu leisten.


Zur Person

Heinrich Schaller war nach seinem Berufseinstieg 1987 in der RZB ab 2004 Vorstand in der RLB OÖ. Zwischen 2006 und 2012 war Schaller Vorstand der Wiener Börse. Seit März 2012 ist er Vorstandsvorsitzender der RLB OÖ und bekleidet mehrere Aufsichtsratsfunktionen.

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