Überziehungszinsen: Teuer und immer öfter fix vorgegeben

Überziehungszinsen: Teuer und immer öfter fix vorgegeben

Bis zu 13,5 Prozent Überziehungszinsen, aber fast null Zinsen am Sparbuch.

Überziehungszinsen wurden bisher meist an den variablen Referenzzinssatz angepasst. Doch die Banken verlangen immer öfter einen Fixzins, der ist zudem oft recht hoch, hinzu kommen hohe Spesen, wie die AK bei einer Untersuchung feststellt.

Für traditionelle Sparer brechen schwierige Zeiten an - mit der Hypo NÖ hat bereits die erste Bank das klassische Sparbuch zugunsten digitaler Produkte abgeschafft, zudem steigen Gebühren auf Bankprodukte immer weiter an. Insbesondere die Überziehung des Kontos kommt die Kunden oft teuer - im Schnitt fallen dafür laut einer Auswertung der Arbeitskammer (AK) 10 Prozent Zinsen an.

Fünf Prozent Überziehungszinsen sind das Minimum - laut AK bietet das Bankhaus Schelhammer & Schattera mit einem variablen Zinssatz von 5,375 Prozent die besten Konditionen. Das obere Limit liegt dagegen bei einem Fixzins von 13,5 Prozent bei der VakifBank. Zum Vergleich: Laut Konsumschutzorganisation Stiftung-Warentest liegt der durchschnittliche Zins für Kontoüberziehungen in Deutschland bei 9,68 Prozent, also auf ähnlich hohem Niveau wie in Österreich.

Überziehungszins immer öfter fix festgelegt
Dass immer mehr Banken ihre Überziehungszinsen fix festlegen anstatt mit einem Aufschlag an einen variablen Referenzzinssatz zu binden, ist für AK-Konsumentenschützer Christian Prantner ein "Alarmsignal". Die Zinsen für ein überzogenes Konto seien in den vergangenen Jahren "stabil hoch geblieben", obwohl das allgemeine Marktzinsniveau gesunken sei, so Prantner. Hinzu komme meist eine Kontoführungsgebühr, die zwischen 80 und 100 Euro im Jahr ausmache. Wer zudem auf analoge Dienstleistungen am Bankschalter Wert legt, werde ebenfalls zur Kassa gebeten.

Bankschalter: Einzahlung auf ein Fremdkonto können fast zehn Euro Gebühr kosten
AK Spesen-Tests zeigen: Vor allem Einzahlungen, Abhebungen & Co am Bankschalter sind sehr teuer. „Die einzelne Einzahlung aufs eigene Konto kann bis zu 3,90 Euro, auf ein Fremdkonto bis zu 9,90 Euro kosten,“ so AK-Konsumentenschützer Prantner.

Online-Kunden im Vorteil
"Der Online-Kunde wird belohnt", sagte Prantner. Für diesen gebe es nämlich - auch dank des Aufkommens einiger alternativer Zahlungsverkehrsdienste in den vergangenen Jahren - durchaus attraktive Angebote am Markt. Die AK fordert jedoch, dass auf alle Kunden Rücksicht genommen werde, auch solche, die Online-Banking nicht nutzen können oder wollen. "Wir fordern eine analoge Minimalinfrastruktur", so Pranter. Dies inkludiere Filialen mit Bankschaltern sowie persönliche Beratung. Es müsse auch weiterhin eine Wahlfreiheit zwischen digitalen und analogen Produkten geben. Im Falle der Hypo NÖ, die keine klassischen Sparbücher mehr anbietet, obliege es aber der Autonomie der Bank, ein Produkt abzuschaffen oder auszutauschen. "Rechtlich kommt man dagegen nicht an", so Prantner.

OGH-Urteil schützt Sparer vor Negativzinsen
Damit Girokonten nicht noch mehr Kosten für die Kunden verursachen, hat sich die AK gegen mögliche Negativzinsen auf Girokonten ausgesprochen und eine gesetzliche Regelung hierzu gefordert - analog zum geltenden Urteil des Obersten Gerichtshofes (OGH) aus dem Jahr 2009, das Spareinlagen vor Null-oder Negativzinsen schützt. Zwar ist eine Tendenz in Richtung Strafzinsen für die Girokonten-Inhaber derzeit nicht zu sehen, es bestehe jedoch die Gefahr, dass eine Bank damit anfange, Negativzinsen auf Girokonten einzuheben und alle anderen schleichend nachfolgen, so Prantner. Daher wäre eine Schutzregelung für die Verbraucher aus Sicht der AK sinnvoll.

Zinsaufschlag könnte gedeckelt werden
Eine Deckelung des Überziehungszinssatzes ist dagegen laut Prantner nicht sinnvoll. Man könne jedoch über eine Decklung des erlaubten Aufschlags auf den Referenzzinssatz nachdenken.

Kontoüberziehung – die günstigsten 5 Anbieter
Bank Produkt Überziehungszins
Bankhaus Schellhammer & Schattera Basis 5,375 % variabel
easybank easy premium 5,900 % fix
DADAT Bank Gehaltskonto 6,625 % variabel
UniCredit Bank Austria Online-Konto 6,625 % variabel
ING-DiBa Austria ING Girokonto 6,900 % variabel

Kontoüberziehung – die teuersten 5 Anbieter
Bank Produkt Überziehungszins
VakifBank Gehaltskonto 13,500 % fix
Volksbank Wien Klassik-Konto 13,250 % fix
Sparda-Bank Paket Klassik 13,250 % fix
Erste Bank s Kompakt Konto 12,750 % fix
WSK Bank Girokonto 12,750 % fix

Quelle: www.ak-bankenrechner.at, 50 Girokontoprodukte, Jänner 2020

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