Uber navigiert mit mehr Umsatz und mehr Verlust ins Ungewisse

Uber navigiert mit mehr Umsatz und mehr Verlust ins Ungewisse

Im Mai 2019 mit großen Vorschusslorbeeren in den Börsengang gestartet. Ein halbes Jahr später ist Uber am Boden der ökonomischen Tatsachen gelandet, die einstige Goldgräberstimmung ist verblasst.

Der US-Fahrdienstleister Uber steht am Scheideweg. Erstmals nach dem Börsengang vor 6 Monaten können Mitarbeiter ihre Belegschaftsaktien verkaufen und beweisen, ob sie dem Management trauen. Die jüngsten Kennzahlen sind nicht ermunternd.

San Francisco. Die Ergebnisse sind für US-Fahrdienstleister Uber samt Mitarbeiter und Investoren zweischneidig und derzeit katastrophal: Der Umsatz wurde im abgelaufenen Quartal (Ende September 2019) zwar um satte 30 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar (3,48 Mrd. €) erhöht. Unterm Strich wurde aber ein kapitaler Verlust eingefahren, der noch höher ausgefallen ist als im Vorjahresquartal.

Unterm Strich schreibt Uber im Quartal bis Ende September ein Minus von 1,2 Mrd. Dollar an, der Verlust ist um über 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen, als noch ein Fehlbetrag in Höhe von 986 Mio. Dollar angeschrieben wurde.

Die massiven Verluststeigerungen sind laut Uber auf höhere Investitionen zurückzuführen. Außerdem hatte Uber einige Mitarbeiter verabschiedet, was sich auch in den erhöhten Kosten niedergeschlagen hat. Dazu kommt noch die knallharte Konkurrenz. Der kleinere Konkurrent Lyft setzt vor allem in den USA Uber kräftig zu. Uber wiederum sieht sich dadurch veranlasst mit kostspieligen Promotionangeboten die Kunden zu halten, was sich in erhöhten Kosten niederschlägt.

Weitere Kostensteigerungen verzeichnet Uber auch beim Essen-Lieferdienst Uber Eats aus, der ein Standbein werden soll. Ubers Kosten stiegen insgesamt im jüngsten Quartal im Jahresvergleich um fast ein Drittel auf 4,9 Mrd. Dollar an.

Anleger flüchten vor Uber

Obwohl Uber bei den Analysten die Erwartungen bei Nettoergebnis und Umsatz.getroffen hat, sind die Anleger enttäuscht. Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen nach Börseschluss am Montag haben die Uber-Aktien [ISIN US90353T1007] nachbörslich um über fünf Prozent an Wert verloren. Am Dienstag notierten die Uber-Papiere [MEZ 17:45 Uhr] im Handel mit einem Minus von über 8,1 Prozent bei 28,56 Dollar.

Ein Dorn im Auge der Anleger war nämlich auch die Anzahl der monatlich aktiven Nutzer - die sowohl Fahrgäste als auch jene Kunden umfasst, die über Uber Essen bestellen. Zwar konnte die Kundenanzahl um 26 Prozent auf 103 Millionen erhöht werden. Experten hatten aber mit deutlicheren Zuwächsen gerechnet.

Dazu kommt noch als weitere wichtige Maßzahl das gesamte Buchungsvolumen: Ubers Einnahmen vor Abzug des Anteils für Fahrer sowie Gebühren und Rabatten blieb mit einem Zuwachs um 29 Prozent auf 16,5 Mrd. Dollar unter den Prognosen. Da beeindruckte es Investoren zunächst wenig, dass Uber-Chef Dara Khosrowshahi in der obligatorischen Konferenzschaltung nach Vorlage der Quartalsbilanz mehr Kostenkontrolle versprach und einen bereinigten Gewinn für das Jahr 2021 in Aussicht stellte.

Die Vertrauensfrage

Mit großer Spannung wird der Mittwoch erwartet. Da wird sich nämlich an der Börse entscheiden, ob die Mitarbeiter weiterhin der Konzernstrategie folgen und diese schätzen. Erstmals seit dem Börsegang Mitte Mai dürfen nämlich Belegschaftsaktien versilbert werden. Würden die Mitarbeiter in großem Umfang ihre Belegschaftsaktien trotz tiefem Börsenkurs abstoßen, dürfte die Aktie noch weiter abstürzen.

Uber hat seit seinem Börsegang im Mai kräftig Federn gelassen. Der unglückliche Börsegang hat nicht die hohen Erwartungen getroffen. Der Ausgabkurs von 45 Dollar lag deutlich der angestrebten Preisspanne von 60 bis 65 Dollar. Der Aktienkurs ist seitdem um fast die Hälfte in den Keller gerasselt und noiterte nur bei knapp über 28 Dollar. Im Gegensatz zu anderen Tech-Werten, die seit Jahresbeginn um 20 und mehr Prozent zulegen konnten.

Ein Vertrauensbeweis der Uber-Mitarbeiter gegenüber dem Management sähe zudem anders aus als die Aktien nun aus dem Depot zu werfen. Uber-Chef Khosrowshahi dürfte dann ebenso in große Schwierigkeiten kommen. Seine Strategie war in den vergangenen Monaten umstritten. Vor allem dürften auch die Finanzinvestoren à la Softbank genau darauf achten, ob die Mitarbeiter der Strategie des Uber-Chef folgen.

Kaum Trost dürften für die Uber-Anleger die Schwierigkeiten des Konkurrenten Lyft sein, der noch vor Uber an die Börse gegangen war. Auch Lyft kommt nicht auf Bahn und verbrennt Geld. Das Börsendübt war noch eindrucksvoll: Mit 87,24 Dollar notierte die Lyft-Aktie rund 20 Prozent über dem Ausgabepreis von 72 Dollar. Doch seither geht der Aktienkurs im Zick-Zack-Kurs nach unten und notierte zuletzt bei knapp 42 Dollar. Nicht ohne Grund: Lyft hatte am vergangenen Mittwoch einen deutlich höheren Verlust von 463,5 Mio. Dollar für das dritte Quartal ausgewiesen, nach 249,2 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Und das, obwohl die Erlöse um 63 Prozent auf 955,6 Millionen Dollar gestiegen waren - dasselbe Schicksal wie bei Uber-Gleichung : Mehr Umsatz, mehr Verlust, weil höhere Kosten und immer noch viel Geld verbrannt wird.

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