Uber schockiert mit 5,2 Milliarden Dollar Quartalsverlust

Uber schockiert mit 5,2 Milliarden Dollar Quartalsverlust

Uber - an der Börse noch kein Überflieger

Der umstrittene Fahrdienstleiter Uber hat mit seinem ersten Quartalsbericht nach dem Börsengang die Anleger und Investoren schockiert. In nur drei Monaten wurden 5,2 Milliarden Dollar Verlust eingefahren, ein Großteil der Belastungen entfällt auf Aktienoptionen für die Mitarbeiter.

Uber hat mit einem Mega-Verlust Anleger in Schrecken versetzt. Die Zweifel an den Wachstumsversprechen und Fantasien des Unternehmens wurden weiter genährt. Im ersten Quartal an der Börse (ISIN US90353T1007) hat die Firma einen Verlust von 5,2 Milliarden Dollar eingefahren. Den Löwenanteil dazu trug die Start-up-Praxis bei, Mitarbeiter mit Aktien zu bezahlen. Allein darauf entfielen 3,9 Milliarden Dollar.

Analysten hatten mit einem Verlust in dieser Größenordnung gerechnet. Zugleich gab es aber auch ein Alarmsignal aus dem Kerngeschäft: Der Umsatz mit Fahrdiensten wuchs im Jahresvergleich lediglich um zwei Prozent auf rund 2,35 Milliarden Dollar, vor Abzug einiger Zahlungen an Fahrer. Das war mit ein Grund für eine ziemlich negative Reaktion an der Börse. Die Uber-Aktie verlor im nachbörslichen Handel zunächst mehr als zwölf Prozent, mit der Zeit schmolzen die Kursverluste auf ein Minus von gut sechs Prozent ab.

Hart auf hart

"Die Verluste nehmen zu und der Wettbewerb wird immer härter", sagte Haris Anwar, Analyst der Finanzmarktplattform Investing.com. "Was das Vertrauen der Anleger erschüttert und die Aktie nach diesem Bericht hart trifft, ist das Fehlen eines klaren Weges, um die Erträge zu steigern und die Kosten zu senken."

Ein Lichtblick war das Geschäft mit der Essenszustellung. Die Erlöse bei Uber Eats sprangen im Jahresvergleich um 72 Prozent auf 595 Millionen Dollar hoch. Das half, den Konzernumsatz um 14 Prozent auf knapp 3,2 Milliarden Dollar zu steigern. Für Uber-Verhältnisse war das allerdings ein sehr langsames Wachstum. Im Vorjahresquartal lag der Uber-Verlust bei 878 Millionen Dollar - jetzt wären es selbst ohne die zusätzliche Belastung durch die Aktienvergütung rund 1,3 Milliarden Dollar gewesen. Uber-Chef Dara Khosrowshahi versprach in einer Telefonkonferenz mit Analysten nach der Zahlenvorlage einen "guten altmodischen Fokus" auf das Ergebnis.

Nordamerika bleibt der mit Abstand größte Markt für Uber: Der Umsatz in den USA und Kanada wuchs um 19 Prozent auf rund 1,78 Milliarden Dollar. In der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika gab es ein Plus von 22 Prozent auf 502 Millionen Dollar. In Lateinamerika brachen die Erlöse unterdessen um fast ein Viertel auf 417 Millionen Dollar ein.

Konkurrent Lyft fährt besser

Die Enttäuschung der Börsianer war umso größer, da der Uber-Konkurrent Lyft (ISIN US55087P1049) am Vortag mit besser als erwartet ausgefallenen Zahlen überrascht hatte.

Im zweiten Quartal steigerte Lyft den Umsatz im Jahresvergleich um 72 Prozent auf 876 Millionen Dollar. Ein kräftiger Kostenanstieg - ebenfalls zum Teil wegen der Vergütung mit Aktien im Zuge des Börsengangs im März - ließ den Quartalsverlust allerdings von 178,9 auf 644,2 Millionen Dollar ansteigen.

Zugleich sah Lyft aber eine deutliche Verbesserung des Geschäfts, unter anderem weil der Preiskampf mit Uber nachlasse. Deswegen rechnet Lyft nun mit einem Jahresumsatz von bis zu 3,5 Milliarden Dollar - um 200 Millionen mehr als zuvor maximal anvisiert. Auch der Verlust soll geringer ausfallen als zuvor in Aussicht gestellt. Uber-Chef Khosrowshahi sagte, der Wettbewerb beginne, rationaler zu werden. Das laufende Jahr sei der Höhepunkt bei den Investitionen und die Verluste würden in den Jahren 2020 und 2021 abnehmen.

Bei Uber stieg die Zahl der Nutzer binnen drei Monaten von 93 auf 99 Millionen. Bei Lyft legte sie von 20,5 auf 21,8 Millionen zu. Lyft ist bisher nur in den USA und Kanada aktiv, während Uber frühzeitig auf eine weltweite Expansion setzte. Beide Unternehmen waren im Frühjahr an die Börse gegangen. Ihre Aktien notieren aber unter den Ausgabepreis, weil Anleger Zweifel haben, ob das bisher mit hohen Verlusten verbundene Geschäftsmodell der Fahrdienst-Vermittler am Ende aufgehen wird. Die Lyft-Aktie legte nach dem Quartalsbericht im regulären Handel am Donnerstag um drei Prozent zu.


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