Uber will ein Milliarden-Dollar-Baby zur Börse chauffieren

Uber will ein Milliarden-Dollar-Baby zur Börse chauffieren

Uber braucht Geld, das es sich von der Börse holen will. Das Wachstum wird schwächer. Unterm Strich bleiben hohe Verluste.

US-Fahrdienstleister Uber will im Mai an die Börse. Es könnte der größte Börsegang seit Alibaba im Jahr 2014 werden. Uber wird auch künftig Milliardenverluste schreiben. Der Wachstumsmotor stottert.

San Francisco/New York. Die Börsenpläne des US-Fahrdienstleisters Uber scheinen unter Dach und Fach zu sein. Anfang Mai wird der erst im Jahr 2009 gegründete Fahrdienstleister mit Hauptsitz in San Francisco an die Börse gehen. Rund zehn Prozent des Gesellschaftsanteile sollen an der Börse verkauft werden. Rund zehn Milliarden Dollar wollen die bisherigen Anleger über das Börsendebüt einnehmen. Das Unternehmen hätte somit einen Wert von 90 bis 100 Milliarden Dollar.

Uber hat eigenen Angaben zufolge im Schlussquartal 2018 rund 1,5 Milliarden Fahrten vermittelt. 3,9 Millionen Fahrer würden die Taxidienste regelmäßig ausführen. Uber bietet seit 2009 über seine Online-Platform Fahrdienste an und bringt so Konsumenten und Fahrer zusammen. Uber-Fahrer können nach erfolgter Registrierung die Online-Platform nutzen, über die ihm Fahrten zugestellt werden. Uber übernimmt zudem das Inkasso für die Fahrten vom Endkunden, der zuvor sein Profil angelegt haben muss.

Der US-Dienstleister hat seit dem Gründungsjahr die komplette Taxibranche auf den Kopf gestellt und wirbt mit günstigeren Tarifen als das angestammte Taxigewerbe. In vielen Ländern ist Uber in den Taximarkt eingestiegen und hat dabei geltende Gesetze, Verordnungen und Vorgaben von Behörden missachtet oder nach eigenem Gutdünken interpretiert. Permanent ist Uber dem Vorwurf ausgesetzt, dass die Uber-Chauffeure im Gegensatz zu Taxi-Chauffeuren keine entsprechende Lizenz haben, wie es etwa im streng regulierten Taxigewerbe gefordert wird.

Rückgang beim Wachstum

Das Wachstum hat sich bei den Erlösen deutlich abgeschwächt. Waren bisher kräftige, hohe zweistellige und sogar dreistellige Zuwachsraten beim Umsatz pro Jahr der Regelfall, gab es im Vorjahr einen für Uber kräftigen Dämpfer. Die Zuwachsraten sind zwar noch immer auf hohem Niveau. Konnte Uber im Jahr 2017 noch einen Umsatzzuwachs von 106 Prozent verbuchen, stiegen aber im abgelaufenen Jahr 2018 die Erlöse nur noch um 42 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar. Unterm hat blieb ein Gewinn von rund einer Milliarde Dollar. Allerdings: Der Gewinn resultiert aus einem einmaligen Sondergewinn. Uber hatte Teile des Geschäfts verkauft , mit dem im ersten Quartal 2018 ein Gewinn von 3,75 Mrd. Dollar verbucht werden konnte. Die restlichen Quartale waren tiefrot: in den beiden folgenden Quartalen wurden jeweils rund 890 Millionen Dollar, im 4. Quartal rund eine Milliarde Dollar Verlust angeschrieben. Gegenüber dem Jahr 2017 hatte sich die Lage somit nicht verbessert, als noch rund vier Milliarden Dollar Minus unterm Strich standen.

Das rückläufige Wachstum sei außerdem auf den Rückzug aus einigen Ländern zurückzuführen. Zudem musste Uber einige Dienste wieder auf amtliche Verfügung wieder einstellen. In vielen Ländern gibt es in der Zwischenzeit auch kleinere Fahrdienste sowie das angestammte Taxigewerbe, die im Gegensatz zu Uber sich nicht in rechtliche Graubereiche bewegen und selbst das System Uber mit der Online-Platform nachgebaut oder verbessert haben.

Allerdings häuften sich zuletzt die Bedenken, ob das Geschäftsmodell von Uber überhaupt tragfähig sei. Nicht zuletzt wegen rechtlicher Vorgaben musst Uber in vielen Ländern zurückrudern. Daher hatte Uber auch sein Geschäftsmodell erweitert. Mit Uber Eats hat das Unternehmen einen Essenszustelldienst gegründet. Die Dienstleistungspalette wurden zudem um Elektro-Fahrräder und -Scooter-Services sowie Frachtvermittlungs-Services für LKW-Fahrer erweitert.

Zudem forscht Uber im Bereich Autonomes Fahren. Hier hat Uber verursacht durch einen tödlichen Unfall eines autonomen Uber-Taxis im März 2018 einen weiteren Dämpfer erfahren. Das mit Robotern gesteuerte Auto-Projekt war für Monate ausgesetzt worden. Laut Prospekt hat Uber für Autonomes Fahren sowie für Flugtaxis bereits rund 1,1 Milliarden Dollar Forschungsgelder ausgegeben.

Aber auch hier hat Uber reichlich Konkurrenz. Tesla und der Alphabet-Tochter Waymo (Google) sowie alle traditionellen Autoherstellern haben ihre Pilotprojekte zum Autonomen Fahren bereits im Gang.

Zudem hat das Unternehmen zuletzt keine weiteren Käufe mehr getätigt. Bis zuletzt. Der drei Mrd. Dollar schwere Kauf des Rivalen Careem im Nahen Osten deutet darauf hin, dass der Fahrdienstleister wieder einen Strategieschwenk vollzieht und wieder auf Wachstum durch Zukäufe setzt. Uber hat zudem mit Lyft einen Konkurrenten bekommen, der erst kürzlich sein Börsedebüt hatte und seinerseits auf Wachstum setzt. Vor allem im umkämpften Heimmarkt USA will Lyft den direkten Wettbewerb mit Uber suchen. Das Rennen ist spannend. Allerdings hat Lyft nach dem ersten Schwung an der Börse wieder kräftig Federn gelassen und die Anleger enttäuscht.

Aber auch Didi in China und Ola in Indien gelten in der Zwischenzeit als die Hauptkonkurrenten - sowohl für Uber als auch für Lyft. Andere Dienstleister wie etwa Gett wollen ebenso in dem heiß umkämpften Markt mitmischen. Das im Jahr 2010 in Israel gegründete Unternehmen hatte 2016 noch vom Volkswagen-Konzern eine Finanzspritze von 300 Millionen Euro bekommen. Doch VW ist bei dem Fahrdienstleister, der auch auf Firmenkunden setzt, 2018 wieder ausgestiegen.

Der permanente Zoff

Zu der wachsenden Konkurrenz kommen zudem die internen Probleme. Das Unternehmen ist reich an Skandalen, die vor allem mit der Person des Gründers und langjährigen CEO Travis Kalanick gekoppelt sind. Sexueller Missbrauch, Datenklau, Bestechung und permanente Schwierigkeiten mit den Behörden geben bereits reichlich Stoff dafür her, dass das Unternehmen alles andere als ein Sympathieträger geworden ist. Die Liste wird durch die permanente Missachtung von Verordnungen und Regeln in vielen Ländern länger und länger.

Dazu kommt der permanente Vorwurf, dass Uber und seine Fahrer in vielen Ländern wenig bis keine Steuern zahlen. Uber reiht sich auch in die Liste der Unternehmen ein, die mit Steuertricks ihre Steuerbelastung in Richtung Null drücken und über Steueroasen ihre Gewinne verschieben.

Die persönlichen Verfehlungen von Gründer und CEO Kalanick waren dann im Jahr 2017 selbst den Kapitalgebern zu viel. Die Finanzinvestoren haben die Reißleine gezogen, um Kalanick 2017 von der Spitze zu entfernen. Der Uber-Gründer wurde in den Aufsichtsrat abgeschoben.

Doch damit ist die Baustelle nicht geschlossen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Uber-Gründer Kalanick holt bereits zum nächsten großen Wurf aus, um wieder die Macht an sich zu reißen. Nachdem er plant Kalanick einen Coup. Er soll bereits daran arbeiten über den Aufsichtsrat wieder seinen Machtbereich auszubauen. Kalanick will gleich zwei Leute seines Vertrauens in den Vorstand des Unternehmens einsetzen, um so seinen Machtbereich wieder auszuweiten. Mit seiner derzeitigen Rolle im Aufsichtsrat will sich Kalanick nicht zufrieden geben.

Doch allen Umtrieben zum Trotz: Die New York Stock Exchange scheint für den Börsegang gewappnet zu sein. Und Uber könnte einer der größten Börsengänge der Finanzgeschichte aufs Parkett zu legen. Ob es reicht den chinesischen Online-Riese Alibaba zu übertreffen, ist eher fraglich. Alibaba hatte seinerzeit eine Bewertung von rund 170 Mrd. Dollar. Uber dürfte derzeitigen Schätzungen zufolge auf maximal 120 Milliarden Dollar kommen. Skeptiker glauben sogar, dass es sogar weniger als 100 Milliarden Dollar werden. Immerhin. Im Jänner wurden der Wert von Uber noch mit 75 Milliarden Dollar beziffert. Zehn Milliarden Dollar sollen jedenfalls mit dem IPO in die Uber-Kassen fließen.

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