Uber-Börsendebüt floppt - Schwache Nachfrage der Anleger

Uber-Börsendebüt floppt - Schwache Nachfrage der Anleger

New York Stock Exchange trägt schwarz mit U wie Uber - Das Debüt war ein schwarzer Freitag für den Börsenneuling.

Noch vor dem Börsegang hat der US-Fahrdienstleister Uber Technologies Inc. einen kräftigen Milliardenerlös lukriert. Nach dem Börsestart hat die Aktie gleich kräftig verloren. Das Timing des Mega-Börsengangs könnte die Stimmung verdorben haben.

San Francisco/New York. Er hatte noch in den vergangenen Wochen davor gewarnt, in die Aktien seines Unternehmens zu investieren. Und offenbar hat er Gehör gefunden. Dara Khosrowshahi, CEO des US-Fahrdienstvermittler Uber hatte zwar die Werbetrommel für den Börsegang seines weltweit umstrittenen Unternehmens getrommelt. Aber mit Warnansage. Uber Technologies Inc. könnte auf Jahre hinaus nicht profitabel sein. Und wenn überhaupt.

Der Börsegang am Freitag wurde ein schwarzer Tag. So schwarz wie die Corporate-Farben des Börsenneulings, Die unter dem Tickerkürzel UBER [ISIN US90353T1007] gelistete Aktie floppt. Gleich zu Beginn des Börsendebüts hat die Uber-Aktie rund 7 Prozent zum Ausgabekurs von 45 auf 42 Dollar verloren. Die Händler, zur Feier des Tages in schwarzen mit dem U-Logo gekleideten Jacken gekleidet, berichten [Stand 19 Uhr MEZ] zudem von verhaltener Nachfrage. Und das, wo doch viele Experten noch im Vorjahr hofften, die Uber-Aktien würden wie 2014 beim Böresgang des aus China stammenden Online-Händlers Alibaba abheben. Alibaba-Aktien konnten gleich um 40 Prozent über den Ausgabepreis von 68 Dollar zulegen hatten schrammten knapp unter der 100-Dollar-Marke.

Uber hat beim Börsengang rund 8,1 Mrd. Dollar (7,2 Mrd. Euro) eingesammelt, seine Aktien aber nicht so erfolgreich wie erhofft platzieren können. Alibaba konnte 2014 rund 25 Milliarden abräumen.

Angesichts der miesen Stimmung am Kapitalmarkt hatte sich bereits abgezeichnet, dass die Nachfrage verhalten sein dürfte. Die heute nochmals verschärfte Zollstreit zwischen den USA und China durch die Verhängung weiterer Zölle durch US-Präsident Donald Trump haben die Stimmung zusätzlich vermiest.

Der Handelsauftakt war eine Enttäuschung, zumal die Uber-Papiere weltweit - unter anderem auch sofort ab Handelsbeginn über die Wiener Börse - gekauft werden konnten.

Uber stemmte zwar den größten Börsengang seit dem des chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba 2014. Die in San Francisco im Jahr 2009 gegründete und noch heute ansässige Unternehmen war von Investoren insgesamt mit 82 Mrd. Dollar bewertet worden. Damit blieb sie aber deutlich unter der zeitweise angepeilten Marke von 100 Milliarden Dollar. Auf bis zu 160 Milliarden Dollar hatten Optimisten noch im Frühjahr 2018 gehofft. Und dennoch können sich die bisherigen Investoren über einen nicht zu schwachen Geldregen freuen. Ihr Investment hat sich mehr als vergoldet.

Großer Empfang

Trotz schwachem Debüt war es durchaus ein großes Spektakel an der Wall Street: Die New Yorker Börse empfing Uber mit einem riesigen Firmenbanner, der Andrang im Finanzdistrikt war groß. Kein Wunder: Monatelang hatten die Finanzmärkte auf den Börsengang des Jahres hingefiebert.

Das Uber-Management um Vorstandschef Dara Khosrowshahi läutete wie traditionell üblich die New Yorker Börsenglocke und verzog keine Miene, als sich der enttäuschend schwache Handelsstart abzeichnete. Sie können dennoch glücklich sein. Ihr verlustreiches Unternehmen hat sie mit dem Börsendebüt zu mehrfachen Millionären gemacht.

Aufgrund der jüngsten Verluste an den Börsen war in den vergangenen Tagen schon spekuliert worden, dass der Zeitpunkt für Ubers Premiere sich als unglücklich erweisen könnte. Für Skepsis sorgte auch schon länger, dass Ubers kleinerer Rivale Lyft, der im März an die Börse ging, besonders unter Druck steht. Uber hatte bei der Festlegung der Preisspanne bereits zurückhaltend agiert. Voriges Jahr wurde Uber noch eine Bewertung von 120 Mrd. Dollar zugetraut.

Das Lockmittel

Uber lockt Anleger mit starkem Wachstum. 2018 stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um 42 Prozent auf 11,3 Mrd. Dollar. Im Fahrdienst-Kerngeschäft geriet das Wachstum in den letzten Quartalen allerdings ins Stocken. Zudem steckt Uber tief in den roten Zahlen. Ohne Sondererlöse durch den Verkauf von Geschäftsteilen fiel im vergangenen Jahr ein Minus von fast 1,9 Mrd. Dollar an.

Nach Informationen des "Wall Street Journal" geriet Uber im ersten Quartal sogar noch tiefer in die Verlustzone. In den zwölf Monaten bis Ende März wurden demnach 3,7 Mrd. Dollar eingebüßt - ein Rekordminus für Unternehmen im Jahr vor ihrem Börsengang. Zudem geriet die vor zehn Jahren gegründete Firma durch ihre aggressive Expansion, bei der sie sich mitunter nicht besonders um Regeln und Gesetze scherte, in viele Konflikte mit Behörden rund um den Globus.

Mitgründer und Ex-Chef Travis Kalanick hatte sich in den vergangenen Jahren gleich mit mehreren Skandalen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Dazu gehörte Berichte sexuelle Belästigung, die unter seiner Regie verbreitet war. Ebenso soll er Mitarbeiter bespitzelt haben. Und sein Geschäftsmodell hatte er rigoros zum Teil gegen geltendes Recht in mehreren Ländern druchsetzen lassen. Viele Prozesse und massive Demonstrationen gegen Uber waren die Folge. 2017 war der Druck der Kapitalanleger so groß, dass er von der Spitze entfernt wurde.

Travis Kalanick, Mitgründer von Uber, besitzt 8,6 Prozent der Uber-Anteile. Er war beim Börsendebüt in New York am Börsenparkett.

Nachfolger Dara Khosrowshahi gelang es zwar, den Ruf etwas aufzupolieren und einige Auseinandersetzungen wie etwa einen Rechtsstreit um Roboterauto-Patente mit der Google-Schwester Waymo zu beenden. Doch Ärger gibt es nach wie vor. So protestierten vor dem Börsengang etwa Uber-Fahrer mit Streiks, um auf angeblich schlechte Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen.

Die Proteste gegen Uber gehen weiter. Vor dem Börsegang an der Wall Street holt Uber die Vergangenheit einmal mehr ein.

Nur für Zocker?

Wer Uber-Aktien kauft, muss offenbar gute Nerven haben. Uber sei nichts für Investoren, die "ein vorhersehbar profitables Unternehmen wollen", hatte Uber-Chef mehrfach gesagt. Und auch im Wertpapierprospekt wird darauf hingewiesen, dass ungewiss ist, ob Uber jemals die Gewinnzone erreichen wird.

Solche Warnungen sind bei verlustreichen Start-ups zwar gängig. Uber reiht sich da ein in eine lange Liste von Unternehmen, die mehrere Jahre brauchten, um zumindest operative Quartalsgewinne in Aussicht zu stellen, von Dividendenzahlungen ganz zu schweigen. Prominentes Beispiel ist Amazon, das ein Jahrzehnt lang Verluste geschrieben hat. Gewinne aber an Aktionäre noch immer nicht auszahlt sondern reinvestiert.

Was auch im Uber-Prospekt steht: Bei einer Company der Größe Ubers sollten Aktionäre ihnen durchaus Beachtung schenken.

Apropos Aktienkurs: Kurz vor 20 Uhr (MEZ) notierten die Uber-Aktien [UBER] [ISIN US90353T1007]nur noch mit 2,16 Prozent unter dem Ausgabekurs von 45 Dollar - Tendenz: Nach kurzem Zwischenhoch wieder fallend.

Die Uber-Aktie bremst erst wieder ab nach einem Minus von knapp acht Prozent auf 41,57 Dollar zum Börseschluss.


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