Trotz erhöhter Volatilität: Argumente für Aktien sollten sich durchsetzen

Nach dem EU-Referendum in Großbritannien und der mehrheitlichen Entscheidung für einen Austritt aus der Europäischen Union sind Prognosen zur Entwicklung der Aktienmärkte noch schwieriger anzustellen als davor. Bei der Bank Austria geht man aber immer noch von einem positiven Gewinntrend aus.

Trotz erhöhter Volatilität: Argumente für Aktien sollten sich durchsetzen

Der Ausgang des EU-Referendums in Großbritannien hat die Aktienmärkte ordentlich aufgemischt.

Nach der Austrittbekundung von Großbritannien und der deutlichen Marktreaktion an den Börsen, stellt sich für viele Investoren die Frage, wie sich Aktien in der Zukunft entwickeln werden. Aufgrund der großen Unsicherheit scheint eine Prognose für den Ertrag dieser Anlageklasse noch schwieriger. Doch sollten sich Anleger nicht nur auf die Brexit-Debatte stürzen und dies als alleiniges Argument für die Positionierung heranziehen. Denn es gibt durchaus einige positive Faktoren, die für Aktien sprechen. Wir gehen auch davon aus, dass sich diese mittel- bis langfristig durchsetzen sollten.

Trotz vieler Unsicherheiten rund um den Globus dürfte das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren anhalten, wenn auch auf niedrigem Niveau. Der Internationale Währungsfonds rechnet für das laufende Jahr mit einem realen Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent. Im Jahr 2017 sollte sich, der Prognose folgend, das Wirtschaftswachstum leicht auf 3,5 Prozent beschleunigen. Eine Rezession scheint nach diesen Annahmen in naher Zukunft weniger wahrscheinlich. Das Wirtschaftswachstum alleine ist zwar noch kein Garant für eine positive Entwicklung an den Börsen, eine anhaltende Expansion sollte jedoch zumindest die notwendigen Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Unternehmensgewinne bieten.

World Economic Outlook (April 2016)

World Economic Outlook (April 2016)

Keine Gewinnrezession

Obwohl das Gewinnwachstum zuletzt nach unten revidiert wurde, gehen wir von einem prinzipiell positiven Gewinntrend aus, sprich wir sehen keine Gewinnrezession. Für die kommenden 12 Monate wird für den globalen Aktienindex MSCI World (WKN 969273, ISIN XC0009692739) ein Gewinnwachstum von rund 8,5 Prozent prognostiziert. Vor allem Regionen wie Japan (12,8 Prozent) und die Emerging Markets (10,5 Prozent) stechen mit guten Wachstumszahlen hervor. Zudem sind die Bilanzen der Unternehmen weiter solide. Viele kaufen eigene Aktien zurück, wodurch sich der Gewinn pro Aktie erhöht. Auch Dividendenanhebungen und Übernahmen sollten Aktien weitere positive Impulse verleihen.

Viele Zentralbanken weltweit, vor allem in den großen Wirtschaftsräumen, zeigen durch ihre expansive Geldpolitik, dass sie bereit sind, die Rahmenbedingungen für eine Fortsetzung bzw. Belebung des Wirtschaftswachstums zu schaffen. Sowohl die Bank of Japan als auch die Europäische Zentralbank stehen unverändert zu ihrer expansiven Geldpolitik. Aber auch die amerikanische Notenbank bietet durch die weiterhin extrem niedrigen Zinsen ein lockeres Umfeld, obwohl sie im vorigen Dezember erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen angehoben hat.

Renditen deutlich über Staatsanleihen

Der JP Morgan Anleihenindex, der die Staatsanleihen der Länder aus der Eurozone in allen Laufzeiten umfasst, liefert derzeit eine jährliche Rendite von 0,94 Prozent (per 31.05.2016). Die Dividendenrendite von europäischen Aktien lag zum letzten Monatsultimo bei 3,65 Prozent, für globale Aktien bei 2,67 Prozent. Damit liegt die Dividendenrendite in beiden Fällen deutlich über der Rendite von Staatsanleihen.

Selbstverständlich könnte die Volatilität noch einige Zeit anhalten. Neben der Brexit-Abstimmung und den nun folgenden Verhandlungen könnte auch die Präsidentenwahl in den USA zu erhöhten Schwankungen in den nächsten Monaten beitragen. Auch die Bewertung an den Aktienmärkten, die sich in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet hat, könnte dazu führen, dass Investoren vorsichtiger werden. Trotz der Risiken, die derzeit bestehen, sollten sich langfristig die positiven Argumente für Aktien aber durchsetzen und so einen wichtigen positiven Beitrag zur Vermögensentwicklung liefern.


Monika Rosen ist Chefanalystin, Bank Austria Private Banking.
Twitter: @Monika_Rosen


Wichtige rechtliche Information - bitte lesen:

Diese Publikation stellt weder eine Marketingmitteilung noch eine Finanzanalyse dar. Es handelt sich lediglich um Informationen über allgemeine Wirtschaftsdaten. Trotz sorgfältiger Recherche und der Verwendung verlässlicher Quellen kann keine Verantwortung für Vollständigkeit, Richtigkeit, Aktualität und Genauigkeit übernommen werden.
Die Publikation wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

Diese Informationen sind nicht als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder als Aufforderung, ein solches Angebot zu stellen, zu verstehen. Diese Publikation dient lediglich der Information und ersetzt keinesfalls eine individuelle, auf die persönlichen Verhältnisse der Anlegerin bzw. des Anlegers (z. B. Risikobereitschaft, Kenntnisse und Erfahrungen, Anlageziele und finanziellen Verhältnisse) abgestimmte Beratung.
Wertentwicklungen in der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Es ist zu bedenken, dass Wert und Rendite einer Anlage steigen und fallen können und dass jede Anlage mit Risiko verbunden ist.

Die vorstehenden Inhalte enthalten kurzfristige Markteinschätzungen. Die Wertangaben und sonstigen Informationen haben wir aus Quellen bezogen, die wir für zuverlässig erachten. Unsere Informationen und Einschätzungen können sich ändern, ohne dass wir dies bekannt geben.

Gefährliches Szenario Rezession: Technisch gesehen liegt eine Rezession bereits vor, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinander folgenden Quartalen nicht wächst.

Rezession: Wenn das Wirtschaftswachstum ausbleibt

Der Abschwung einer Volkswirtschaft kann die Wirtschaft schwer …

Willibald Cernko, neuer CEO und Vorstandschef der Erste Group

Willibald Cernko, der neue CEO der Erste Group

Nach dem überraschenden Rückzug von Bernhard Spalt hat sich der …

Neues EZB-Werkzeug gegen Anleiheausverkauf bald einsatzfähig

Neues EZB-Werkzeug gegen Anleiheausverkauf bald einsatzfähig

Werkzeug soll Auseinanderdriften der Spreads bei Anleihenrenditen bekämpfen

EZB-Chefin Christine Lagarde

EZB reagiert auf Verkaufswelle bei Anleihen

Die EZB stemmt sich gegen die Unruhe an den Finanzmärkten und arbeitet an …