Trendwende: Was das Ende des billigen Geldes bedeutet

Die USA schlagen angesichts der hohen Inflationsraten einen neuen finanzpolitischen Kurs ein. Was die neue Geldpolitik der US-Notenbank Fed für Verbraucher und Unternehmen bedeutet.

US-Notenbankchef Jerome Powell

US-Notenbankchef Jerome Powell

Nach zwei Jahren des billigen Geldes, bedingt durch die enormen wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie, steht in den USA nun die Trendwende an: Verbraucher, Unternehmen und Finanzmärkte werden sich an steigende Kosten für Kredite und Finanzierungen gewöhnen müssen. Die US-Zentralbank Fed macht sich bereit für Leitzinserhöhungen im März. Experten gehen allein heuer von mehr als drei Erhöhungsstufen aus.

Die Fed hatte die Leitzinsen im März 2020 angesichts der verheerenden Auswirkungen der Coronapandemie auf die Wirtschaft auf Nullniveau abgesenkt. Die Idee dahinter: Durch billigere Kredite für Firmen und Privathaushalte sollten Investitionen und der Konsum gestärkt und damit die Konjunktur gestützt werden. Zusätzlich wurde ein massives Anleihekaufprogramm aufgelegt, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Durch die Niedrigzinspolitik steigt allerdings auch die Geldmenge im Umlauf, was wiederum die Inflation antreibt. Angesichts einer "Inflation deutlich über zwei Prozent und eines starken Arbeitsmarkts" könnten höhere Leitzinsen bald angemessen sein, hieß es daher nun bei der Fed.

Zinsen beginnen zu steigen

Noch bevor es dazu wirklich kommt, erreichen die Vorboten der erwarteten geldpolitischen Wende bereits die US-Wirtschaft. Die Zinsen für auf 30 Jahre angelegte Immobilienkredite stiegen von 2,77 Prozent Mitte August 2021 auf zuletzt im Schnitt 3,56 Prozent, wie der Immobilienfinanzriese Freddie Mac angibt. "Die Schuldner spüren diesen Unterschied", sagt der Experte Greg McBride von der Plattform Bankrate - auch wenn 3,5 Prozent vor der Krise ein Niedrigrekord waren.

An der Wall Street gebe es zudem derzeit eine "Neujustierung" der besonders spekulativen Segmente des Finanzmarkts, sagt der Analyst Zachary Hill von der Investmentgesellschaft Horizon Investments. Seit nunmehr fast zwei Jahren profitieren Sparer und institutionelle Investoren vom nahezu ungebremsten Zugang zu Kapital derart, dass sie ungebremst riskante Vermögenswerte kaufen und handeln. Auch dem möchte die Fed nun einen Riegel vorschieben.

Kurse beginnen zu rutschen

Schon seit einigen Wochen reagieren die Aktien einschlägiger Börsenlieblinge, die auch zum Symbol der Coronakrise wurden, empfindlich auf die sich abzeichnenden Veränderungen. Firmen wie die Handelsplattform Robinhood oder der Fitnessgeräte-Hersteller Peloton verloren seit August beziehungsweise binnen eines Jahres über 80 Prozent an Wert. Auch Kryptowährungen, Vorzeigekind des spekulativen Kapitals, verloren zuletzt deutlich, allen voran der Bitcoin und die Einheit Ethereum.

Für die Unternehmen hat sich der Wind schon gedreht, bereits seit September steigen die Zinsen für Anleihen und Kredite. Die Märkte hätten sich so sehr an Nullzinsen und billige Kredite gewöhnt und seien geradezu "süchtig" danach gewesen, dass das nun eine entscheidende Veränderung für sie sei, erklärt die Analystin Kim Rupert von Action Economics. Besonders finanziell weniger gut aufgestellte Firmen dürften darunter leiden.

IPOs und Mergers werden gebremst

Börsengänge, Fusionen oder Übernahmen dürften nun erst einmal zurückgehen, schätzt Rupert - mindestens bis zum Ende des zweiten Quartals, bis die Märkte eine "klare Vorstellung" vom Weg der Fed haben. Im vergangenen Jahr hatte es noch einen Rekord an Börsengängen in den USA gegeben.

Auch wenn die Kredit- und Finanzierungsbedingungen in den USA im langfristigen Vergleich noch immer günstig sind und bleiben dürften, sehen Ökonomen ein Risiko für die US-Wirtschaft, sollte die Geldpolitik allzu straff ausgerichtet werden. Die Fed werde sich also "so flexibel wie möglich verhalten" müssen, schätzt Bob Schwartz von Oxford Economics die Lage ein.

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