Anleger flüchten aus Hochzinsanleihen und Euro-Aktien

 Anleger flüchten aus Hochzinsanleihen und Euro-Aktien

Nichts wie raus aus Firmen- und Schwellenländer-Anleihen, einer der Lieblinge von Investoren der vergangenen Jahre.

An den Börsen ist seit Jahresanfang einiges in Bewegung geraten. Bislang beliebte Anlageklassen flogen mitunter aus den Depots, in andere wiederum wurde viel Geld gebuttert. Zwei Investmentkategorien waren von Verkäufen besonders stark betroffen. Es gibt auch einen überraschenden Sieger. Die Zu- und Abflüsse aus Indexfonds seit Jahresbeginn im Überblick.

Wenn man so manchen Prognosen von Investmentgesellschaften glauben schenkt haben Hochzinsanleihen, trotz der in der Vergangenheit stark gestiegenen Kursen, eine rosige Zukunft vor sich. Noch stärker vielen zu Jahresbeginn die Empfehlungen für Euroland-Aktien aus. Doch Investoren haben im ersten Quartal und im März und im ersten Quartal insgesamt 2018 genau das Gegenteil getan. Sie haben Firmen- und Schwellenländeranleihen guter und mittlerer Bonität aus ihrem Depot geworfen, ebenso europäische Aktien. Die Analyse der Anleger am Markt für Indexfonds gibt erstaunliche Einblicke in einem seit Jahresbeginn stark veränderten Markt.

Der Aktien- und Anleihenfondsanbieter Lyxor gibt monatlich Einblick in das Kauf- und Verkaufsgeschehen von Anlegern, die in Indexfonds (ETFs) investieren und lassen so auch Rückschlüsse von Trends an den Börsen zu.

Anleger kaufen nach wie vor Aktien, wenn auch weniger als zuletzt

Insgesamt agieren Anleger derzeit mit Vorsicht und stoßen Teile ihres Depots auch ab. So ging der Anteil von Indexfonds in Europa im März von 7,9 Milliarden Euro im Februar auf 992 Millionen Euro im März stark zurück. Dennoch verzeichnet Aktien-ETFs mit 1,3 Milliarden Euro noch den weitaus höchsten Zuwachs. Netto flossen 1,3 Milliarden Euro in Aktien-ETFs.

Aktien, sind trotz Rückschlägen, für Anleger noch immer erste Wahl.

Geld zu verdienen, war mit einem ETF, der weltweit investiert, jedoch vielfach keines zu verdienen. Einer der größten in diesem Segment, der iShares MSCI World UCITS ETF , dieser notiert in Dollar, schrammte im ersten Quartal nur knapp am Minus vorbei. Der Stoxx Europe 600 Xtrackers (ISIN: LU0328475792) fuhr jedoch beispielsweise seit Jahresanfang ein Minus von 4,20 Prozent ein. Schwach auch die 3-Jahresbilanz: -0,02 Prozent. Noch schlechter hat etwa der Amundi ETF Stoxx Europe 50 UCITS ETF abgeschnitten. In den vergangenen drei Jahren summierte sich der Verlust auf 5,6 Prozent. Ähnlich hoch der Rückgang in den vergangenen drei Monaten .

Europäische Aktien tragen Hauptlast der Mittelrückflüsse

Europäische Aktien, von vielen Investoren zu Jahresbeginn als die Comeback-Story des Jahres 2018 angekündigt, musste seither aber ordentlich Federn lassen. Anleger zogen fast zwei Milliarden Euro alleine von Indexfonds dieser Kategorie ab.

Europäische Aktien: Der Beginn der großen Flucht?

Emerging Markets-ETFs in den vergangenen Jahren top

Ordentlich Geld in die Kasse gespült haben jedoch immer wieder ETFs in Schwellenländer. So brachte der Amundi ETF MSCI Emerging Markets UCITS ETF EUR im vergangenen Jahr 7,3 Prozent. Im Jahr 2017 waren es gar 20,2 Prozent, 2016 betrug der Lohn für das Investment 14,2 Prozent. Schwellenländer-ETFs anderer Gesellschaften wie jene von SPDR oder HSBC schnitten ebenfalls gut ab.

Anleger fliehen aus hochverzinsten Anleihen

Am härtesten getroffen hat es im März Unternehmens- und Schwellenländeranleihen guter bis mittlerer Bonität. Nach Jahren der Aufwärtsbewegung zogen ETF-Anleger Geld in Höhe von 1,2 Milliarden Euro aus diesen stärker risikobehafteten Unternehmensanleihen und solche aus Schwellenländern ab. Zum Vergleich: Im Vorjahr lagen die Zuflüsse in mehreren Monaten in ähnlicher Höhe. Vieler dieser hochverzinsten, aber auch hoch im Kurs gestiegenen, Anleihen sind mittlerweile teuer. Zeichnen sich erste Schwächephasen am Wirtschaftswachstum im Markt ab oder politische Turbulenzen, sind solche Investments naturgemäß als erstes betroffen. Der negative Trend zeichnet sich bereits seit Jahresbeginn ab. Lyxor verzeichnete für Anleihen-ETFs den schlechtesten Jahresstart seit Jahren.

Hochverzinste Anleihen mit höchsten Mittelabflüssen seit langem.

Sichere, aber gering verzinste Anleihen aus Europa sind zuletzt in der Beliebtheit der Anleger deutlich gestiegen.

Sichere Anleihen aus Europa steigen wieder in der Gunst der Anleger

Aktien in Schwellenländer verzeichnen dagegen Rekordzuflüsse


Die großen Gewinner im ersten Quartal waren Aktien und da jene von Schwellenländern. Sie verzeichneten mit einem Plus von 4,2 Milliarden Euro einen Rekordzuwachs bei ETFs. Abflüsse in diesem Segment gab es zuletzt über eine längere Periode im Jahr 2015. Dieses Jahr könnten Aktien in Schwellenländern zu neuen Höhenflügen ansetzen.

Schwellenländer-Aktien vor einem neuen Boom?

Kaum Interesse an Rohstoffen

Anleger in Rohstoffe haben eine harte Zeit hinter sich. Bis auf 2016 gab es in den vergangenen vier Jahren in diesem Bereich nichts zu holen. 2014 lag beispielsweise das Minus des Lyxor Commodities Thomson Reuters/CoreCommodity ETF bei 7,2 Prozent, 2017 betrug der Verlust 11,3 Prozent. Seit Jahresbeginn steht nun zumindest ein Plus von rund 0,9 Prozent. Doch das Interesse ist flau.

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