Tojners Varta erleidet größten Kurssturz der Unternehmensgeschichte

Tojners Varta erleidet größten Kurssturz der Unternehmensgeschichte

Nach Commerzbank-Herabstufung bekommt die Varta-Aktie einen kräftigen Dämpfer: Der Aktienkurs des deutschen Batterie-Herstellers ist am Mittwoch zeitweise um 24 Prozent auf 89 Euro gefallen.

Ellwangen. Nach der Kursrallye der vergangen Monate steigen Anleger beim deutschen Batteriehersteller Varta des österreichischen Investors Michael Tojner aus. Die Varta-Aktien fielen am Mittwoch um gut 24 Prozent auf 89,20 Euro. Das ist der größte Kurssturz der Unternehmengeschichte. Im vergangenen Jahr hatten die Titel ihren Kurs allerdings fast verfünffacht.

Der Nebenwerte-Index MDax kam im gleichen Zeitraum nur auf ein Plus von rund 30 Prozent. Ein Grund für den Kurssturz war Händlern zufolge eine Herunterstufung durch die Commerzbank. Die Analysten setzten die Papiere auf "Hold" von "Buy", bekräftigten allerdings ihr Kursziel von 135 Euro. Die Commerzbank sei bei diesem Wert der Meinungsführer, sagte ein Börsianer. Er verwies außerdem auf einen pessimistischen Ausblick des US-Lithiumproduzenten Livent.

Varta profitierte zuletzt vor allem im Geschäft mit Batterien für kabellose Kopfhörer, bei dem die Nachfrage kräftig angezogen hatte und hat Varta beflügelt hatte. Doch nun scheint sich der Wind zu drehen. Chinesische Hersteller drängen verstärkt ins Geschäft mit den Kopfhörern. Kopfhörerhersteller sollten auf die Konkurrenz von Varta zurückgegriffen, weil der deutsche Batteriehersteller die kräftig gestiegene Nachfrage nicht vollständig bedient werden konnte.

Varta erklärte, die Nachfrage nach seinen Lithium-Ionen-Batterien sei ungebrochen sehr hoch. Das Unternehmen werde massiv in die Erweiterung seiner Produktionskapazitäten investieren. Bis 2022 sollen nach früheren Angaben jährlich über 150 Millionen Zellen hergestellt werden, bereits heuer soll die Produktion auf 100 Millionen Zellen steigen.

Varta notiert seit 19. Oktober 2017 an der Frankfurter Börse. 58,33 Prozent der Varta-Aktien befinden sich im Besitz von Montana Tech Components, die von Michael Tojner beherrscht wird. 41,67 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz. Der Aktienkurs von Varta hatte sich alleine im Jahr 2019 verfünffacht.

Der US-Lithiumproduzent Livent hatte wegen fallender Preise beim Rohstoff für Elektroauto- und Smartphone-Batterien am Dienstag vor einem Gewinnrückgang 2020 gewarnt. Dies sei überraschend, da der Ausstoß zunehmen solle, schrieb Analyst Seth Goldstein vom Research-Haus Morningstar.

Zudem blieb Livent 2019 hinter den eigenen Erwartungen zurück. Der Umsatz lag 2019 ersten Berechnungen von Livent zufolge zwischen 385 und 390 Millionen Dollar (zwischen 345 und 349 Millionen Euro). Angepeilt hatte die Firma 400 bis 410 Millionen Dollar. Der Gewinn bleibe mit voraussichtlichen 0,40 bis 0,42 Dollar je Aktie ebenfalls hinter den eigenen Zielen zurück. Livent-Titel brachen daraufhin im nachbörslichen US-Geschäft um 15 Prozent ein.

Vorwurf an chinesische Trittbrettfahrer

Varta wehrt sich zudem gegen angebliche Patentverletzungen durch chinesische Unternehmen. "Im Dezember sind Geräte mit Batterien chinesischer Hersteller aufgetaucht, die Varta-Patente in mehreren Fällen verletzten", erklärte Varta.

Das Unternehmen habe sofort Abmahnungen verschickt und werde einstweilige Verfügungen erwirken, sollten die Unternehmen nicht umgehend reagieren. "Wir werden auf keinen Fall solch grobe Patentverletzungen akzeptieren."

Geld

Währungsrechner- Der Euro und die Weltwährungen

Geld

Familienunternehmen: Chefsessel bleibt öfter in der Familie

Geld

Good Coin, Bad Coin: Kryptowährungen im Visier

Kommentar

Steuern

Wettlauf um die Digitalsteuer