Investieren statt sparen: 7 Tipps für die Geldanlage im Jahr 2022

Inflation und Nullzinsen lassen den Wert von Sparguthaben rascher denn je schrumpfen. Eine überlegte, risikobewusste Geldanlage lässt hingegen weiterhin eine Rendite erwarten. Petra Witzmann vom Verband Financial Planners gibt Tipps für die Geldanlage 2022.

Investieren statt sparen: 7 Tipps für die Geldanlage im Jahr 2022

Investment-Tipp 2022: Sparguthaben in Anlagen umschichten.

2021 war trotz Lockdowns, Corona-Sorgen, schwieriger Bedingungen bei den weltweiten Lieferketten und Co ein gutes Jahr an der Börse. Die Kurse sind auf breiter Front gestiegen, Anleger konnten kaum etwas falsch machen.

Dennoch vertrauen viele Österreicher immer noch dem Sparbuch - obwohl das bereits seit Jahren aufgrund der Niedrigzinsen ein Verlustgeschäft ist und sich das Umfeld für Sparer Anfang 2022 noch ungünstiger darstellt als in den vergangenen Jahren: Während die Zinsen weiter gegen null tendieren, hat die Inflation seit dem Frühjahr kräftig zugelegt und ist in der Folge im gesamten Euroraum auf ein Zehn-Jahres-Hoch gestiegen.

„Konsumenten beschäftigen sich zu wenig kritisch mit der Frage, wie viel Geld sie für Notfälle tatsächlich brauchen, und sind dafür bereit, reale Verluste in Kauf zu nehmen“, sagt Petra Witzmann, Vorstandsmitglied des Verbandes Financial Planners. Gewinne ließen sich hingegen mit einer strategischen Geldanlage und Finanzplanung erzielen.

Witzmann fasst dafür einige Grundprinzipien zusammen, die Anleger beachten sollten.


1. Geld anlegen statt sparen

Als Faustregel gilt für Witzmann, dass es ausreicht, drei bis sechs Monatsgehälter als „Notgroschen“ auf dem Sparbuch zu halten. Alles, was darüber hinausgeht und nicht gezielt für größere Investitionen in naher Zukunft benötigt wird, sollte angelegt werden.

"Es ist ein landläufiges Vorurteil, dass Aktien kurzfristigen Spekulationen dienen und sich nur für Profis eignen", weiß Witzmann. Sie empfiehlt daher, einen Teil des Vermögens breit gestreut und gemäß der jeweiligen Risikoneigung in Investmentfonds, börsennotierte Indexfonds (ETFs) oder auch in Einzeltitel aus dem Aktien- und Anleihen-Bereich zu investieren.


2. Das Risiko streuen

Mit dem bildlichen Vergleich „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ spricht sich Wirtschaftsnobelpreisträger Harry M. Markowitz für Vielfalt in der Kapitalanlage aus, also für eine breite Verteilung des Vermögens auf mehrere Anlageklassen. Im Fachjargon nennt sich diese Strategie Diversifikation und dient dazu, das Risiko zu reduzieren, indem Einbrüche in einzelnen Assetklassen gedämpft oder sogar ausgeglichen werden.


3. Das Portfolio überprüfen

Unabhängig davon sollte man nicht von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen. Gerade zum Jahresanfang empfiehlt es sich, die eigene Anlagestrategie auf Herz und Nieren zu prüfen und eventuell Umschichtungen vorzunehmen. So ist etwa kürzlich beschlossen worden, dass ab 1. Jänner 2027 bei allen Immobilienfonds in Österreich eine einjährige Kündigungsfrist in Kraft tritt. „Anlagen in Immobilienfonds sind bei sicherheitsbewussten Anlegern in Österreich sehr beliebt. Durch diese neue Regelung wird es nicht mehr möglich sein, kurzfristig Geld aus diesen Fonds zu entnehmen", warnt Witzmann. Anleger sollten daher rechtzeitig auch darauf achten, welche Gewichtung sie in Immobilienfonds haben.


4. Kredite absichern

Vor dem Hintergrund potenziell steigender Zinsen im neuen Jahr hat die Finanzplanerin auch einen Expertentipp für Kredite parat: „Bei bestehenden Krediten oder bei der Neuaufnahme von Krediten ist es jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich an die jeweilige Bank zu wenden und sich langfristig einen Fixzinssatz zu sichern. Dieser kann auch bei bestehenden Finanzierungen jederzeit neu vereinbart werden. Bei steigenden Zinsen, beispielsweise durch Reduzierung der expansiven Geldpolitik der Notenbanken, werden Kredite teurer.“


5. Strategisch und risikobewusst vorgehen

Das berüchtigte „Herdenphänomen“ der Finanzwelt: Wenn es in einer Branche gut läuft, wird viel darüber gesprochen und geschrieben. Dann folgen Anleger der Herde. Sobald es aber an der Zeit ist, Gewinne zu sichern oder es sogar wieder schlecht läuft, läutet niemand mit der Glocke, dass man aussteigen sollte. Statt auf kurzweilige Trends zu setzen, sollten Anleger daher mit ihrem Berater einen eigenen Plan für die Geldanlage entwickeln und diesen auch einhalten. Dazu gehört auch der Mut, Verluste in Kauf zu nehmen – wenn etwa ein Wertpapier keinen guten Ausblick bietet, sollte man auch das Selbstbewusstsein aufbringen, um auszusteigen und mit einem Minus abzuschließen.


6. Anleihen reduzieren

Staatsanleihen haben sich für lange Zeit bewiesen, aber haben effektiv in den letzten fünf Jahren ein Minus von 0,5 Prozent pro Jahr generiert – dazu kommen Managementgebühren und Depotkosten der Bank sowie die Inflation. Die Finanzplanerin Witzmann erklärt daher: "Es ist zu erwarten, dass 2022 das Jahr der Zinswende am langen Ende wird und die Zinsen am Kapitalmarkt wieder steigen. Somit fallen die Kurse von Anleihen. Es ist also höchste Zeit, langfristige Anleihen-Bestände zu verkaufen.“


7. Den Nachlass regeln

Mit der Pandemie haben das Bewusstsein um die eigene Verwundbarkeit und das Interesse an Nachlassregelungen zugenommen. Nachdem die gesetzlichen Erbregelungen oft nicht dem eigenen Willen entsprechen empfiehlt es sich, ein Testament zu formulieren, besonders wenn Immobilien, Kapitalvermögen oder Firmenbeteiligungen vorhanden sind. Auch existierende Testamente lassen sich jederzeit ändern. Witzmann empfiehlt, ein Testament in das zentrale Testamentsregister eintragen zu lassen, damit es zu keinen Missverständnissen kommen kann oder dass ein Testament nicht gefunden wird. "Das ist vor allem für alleinstehende Menschen, Patchwork-Familienmitglieder und Menschen, die in eingetragenen oder nicht eingetragenen Partnerschaften mit oder ohne Kinder leben, wichtig“, merkt Witzmann an.

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