Tesla ruckelt mit Rekordverlust in den Massenmarkt

Tesla ruckelt mit Rekordverlust in den Massenmarkt

Tesla-Gründer und CEO Elon Musk hat ein rabenschwarzes Quartal abgeliefert. Die Ziele wurden weit verfehlt.

Der als E-Autopionier apostrophierte US-Autobauer Tesla hat nach massiven Produktionsproblemen nun auch finanziell ein katastrophales Ergebnis eingefahren. Tesla-CEO Elon Musk muss eingestehen, dass die gesteckten Ziele verfehlt wurden. Musk zeigt sich außerdem dünnhäutig gegenüber Kritikern. Und die Anleger reagieren launisch. Die Aktie stürzt ab.

Palo Alto (Kalifornien). Nach der Ruckelfahrt in den Massenmarkt und den katastrophalen Ergebnissen steht Tesla einmal mehr unter Druck. "Wir stecken tief in der Produktionshölle", hatte Tesla-Chef Elon Musk bereits im Oktober gewarnt. Mit einem finanziellen Kraftakt versucht der sogenannte "Elektroauto-Pionier" die Massenfertigung seines ersten Mittelklassewagens Model 3 auf die Beine zu stellen. Doch dabei gibt es einige Probleme. Dass das Mammut-Projekt teuer und schwierig würde, war immer klar. Aber die sehr hohen Kosten überraschen nun doch. Und bringen die Aktie unter Druck.

Am Mittwoch nach US-Börsenschluss kam für Tesla mit der Vorlage des Quartalsberichts der Moment der Wahrheit. Für Anleger fiel er ernüchternd aus: Die hohen Kosten für das Model 3, mit dem Musks bislang nur im Luxus-Segment erprobte Firma die breite Masse erobern will, haben Tesla stärker als erwartet in die roten Zahlen gedrückt. Unter dem Strich fiel in den drei Monaten bis Ende September ein Verlust in Höhe von 619 Mio. Dollar (533 Mio. Euro) an.

Es ist der höchste Fehlbetrag, den Tesla seinen Aktionären bis jetzt in einem Quartal zugemutet hat. Am Markt kam die Nachricht, wie viel Mittel in der "Produktionshölle" verbrannt werden, nicht gut an. Die Tesla-Aktie (ISIN US88160R1014)eröffnete am Donnerstag um 6 Prozent schwächer. Gegen 18 Uhr (MEZ) notierten die Tesla-Papiere gar um 6,5 Prozent schwächer als zum Vortag. Dass der Umsatz um 30 Prozent auf 3,0 Mrd. Dollar und damit stärker als angenommen zulegte, konnte an der Börsenreaktion nichts ändern.

Höchste Nervosität

Für zusätzliche Nervosität sorgt: Trotz der immensen Investitionen und der überraschend hohen Verluste bleibt unklar, ob und wann Tesla die Startschwierigkeiten bei der Produktion des Model 3 in den Griff bekommt. Musk musste eingestehen, dass seine Fertigungsziele nicht einzuhalten sind. Statt Ende des Jahres sollen nun erst spät im ersten Quartal 5.000 Fahrzeuge pro Woche vom Band laufen.

Die Börsenstroy sollte anders geschrieben werden. Die Tesla-Aktie legt auxgerechnet mit dem Start in den Massenmarkt eine Vollbremsung hin. Der Aktienkurs ist nach Bekanntgabe der Ergebnisse gleich um über sechs Prozent in die Tiefe gefahren.

Mit lediglich 260 hergestellten Model 3 verfehlte Tesla seine Ziele im dritten Quartal massiv. Im Brief an die Aktionäre hieß es, der Anlauf der Massenproduktion sei eine Herausforderung, die Fertigung werde aber stetig erhöht. "Wir machen weiter Fortschritte, die anfänglichen Engpässe zu lösen". Es sei aber schwer, vorauszusagen, wie lange es dauern werde, die Probleme zu bewältigen, so Musk.

Ende der Depression

Dennoch bemühte sich der Tech-Milliardär in der obligatorischen Telefonkonferenz nach Veröffentlichung der Quartalszahlen um Optimismus. "Ich war wirklich deprimiert vor drei oder vier Wochen", räumte Musk zwar ein. Doch: "Nun habe ich wieder einen klaren Weg zur Sonne vor Augen."

Seinen Kritikern hielt Musk entgegen, dass die 2003 gegründete Firma die Auslieferungen in den letzten fünf Jahren von 2.500 auf 250.000 Autos erhöht habe. Die "Skeptiker da draußen" frage er, wer von ihnen das habe kommen sehen. "Ich nehme an keiner."

Experten zeigten sich wenig beeindruckt. Nicht nur die Entwicklung beim Model 3 sei enttäuschend, sagte Efraim Levy vom Analysehaus CFRA im US-Finanzsender CNBC. "Auch beim Model S und Model X fielen die Zahlen geringer aus als angenommen." Vor allem die Gewinnspannen seien ernüchternd. Die beiden etablierten Premium-Modelle, häufig über 100.000 Dollar teuer, trieben bisher das Wachstum von Tesla. Die Zukunft gehört jedoch dem ab 35.000 Dollar erhältlichen Model 3, das dem E-Antrieb den Weg in den Mainstream ebnen soll.

Superstar auch Ruckelfahrt

Nicht zuletzt wegen der großen Versprechen von Tesla-Chef Musk sind die Erwartungen an Teslas erstes Mittelklasse-E-Auto riesig. Über 500.000 Vorbestellungen gibt es, an der Börse hat die Fantasie vom Durchbruch in den Massenmarkt die Tesla-Aktie über Monate beflügelt. Der Kurs ist seit Anfang des Jahres um über 50 Prozent gestiegen. Zuletzt zeigte die Aktie allerdings starke Abwärtstendenz.

Zeitweise hatte Tesla - trotz im Vergleich winziger Produktion - gar den Branchenriesen General Motors als wertvollsten US-Autokonzern am Markt abgelöst. Entsprechend hoch ist nun das Rückschlagpotenzial.

Während Tesla sich als Tech-Innovator der Autowelt an der Börse zum Superstar entwickelte, wird der Senkrechtstarter aus dem Silicon Valley von Konkurrenten mit einiger Skepsis beäugt. So sprach Volkswagen-Chef Matthias Müller kürzlich bei einer Diskussionsrunde von "Ankündigungsweltmeistern", die mit Mühe 80.000 Autos pro Jahr verkauften, pro Quartal einen dreistelligen Millionenbetrag vernichteten und "Mitarbeiter rausschmeißen, wie sie lustig sind".

Tatsächlich hatte Tesla im Zuge der jüngsten Probleme auf einen Schlag 700 Angestellte wegen zu schwacher Leistungen gefeuert, wie Musk bestätigte. VW-Boss Müller zweifelt deshalb an der "Sozialkompetenz" des Wettbewerbers. Es gibt allerdings auch viel Respekt in der Industrie für Tesla. Daimler-Chef Dieter Zetsche etwa lobte, Musk habe die E-Mobilität vom "Müsli-Image" befreit und für "Power und Begeisterung" gesorgt. Das sei der richtige Weg.

Kommentar
Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

Geld

Marktkommentar: Vorsicht als Gebot der Stunde

Geld

Aufregung um Tesla: Kommt der Exit von der Börse?

Geld

Exchange Traded Funds: Chancenkiller für Investoren?