Telekom Austria: Ein harter "Wachstumspfad"

Telekom Austria: Ein harter "Wachstumspfad"

Neu Bilanzierungsusancen verzerren angeblich das Ergebnis: Der Gewinn ging jedoch kräftig zurück.

Trotz deutlichem Gewinnrückgang glaubt man bei der Telekom Austria an solide Geschäfte im Jahr 2016. Die aktuellen Zahlen seien wegen der Umstellung auf Bilanzlegung der mexikanischen Konzernmutter mit dem Vorjahr nur bedingt vergleichbar.

"Den Wachstumskurs fortgesetzt". So sieht die Telekom Austria in ihrer offiziellen Information zu den Ergebnissen des ersten Quartals 2016 die aktuelle Lage. Doch "auf dem Wachstumskurs bleiben" bedeutet in der Realität herzlich wenig, auch wenn das gemessen am Umsatz auch tatsächlich stimmt. Der ist gruppenweit gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 1,2 Prozent auf knapp über eine Milliarde Euro (1,0094 Milliarden) gerutscht.

Entwicklung der Telekom Austria Aktie

An der Börse ist die Telekom Austria von einem "Wachstumskurs" ebenfalls noch ein gutes Stück entfernt, auch wenn das Papier im laufenden Jahr schon 8,68 Prozent Boden gut gemacht hat. Auf Jahresfrist gesehen ist die Aktie immer noch mit gut 16 Prozent unter Wasser.

Fakt ist auch, dass die Telekom Austria (ISIN AT0000720008) im 1. Quartal 2016 gleichzeitig auch weniger verdient. Einem EBITDA von 343 Millionen Euro aus dem Vorjahr stehen nun 334,4 Millionen gegenüber, das Betriebsergebnis ist von 142,7 Millionen Euro auf 117,2 Millionen Euro gesunken. Der "Wachstumspfad", auf dem sich die Gruppe per eigener Definition befindet ging daher zumindest im ersten Quartal 2016 einmal deutlich nach unten.

Alejandro Plater, Generaldirektor Telekom Austria Group, will die gewählte Route vorerst dennoch nicht korrigieren. "Wir setzen unsere Strategie um und haben sowohl unser Kerngeschäft als auch unser Portfolio ausgebaut sowie wertvolle gezielte Akquisitionen getätigt. Trotz laufender Kostenoptimierung investieren wir mehr als geplant, um uns auf die in Zukunft noch stärker werdenden Herausforderungen am Telekom-Markt einzustellen", heißt es in der Erklärung des Unternehmens.

Mit Vorsicht zu genießen ist auch die Information des Hauses, dass sowohl im Mobilfunk- als auch im Festnetzgeschäft ein Kundenanstieg verzeichnet werden konnte. Tatsächlich stagniert die Zahl der Mobilkunden. Im Vergleich zum Vorjahr gab es grosso modo sogar ein kleines Minus (-0,1%); siehe untenstehende Tabelle. Dem Unternehmen ist es allerdings gelungen bei den Vertragskunden ein kleines Wachstum (+2,4%) zu verzeichnen, dem steht allerdings ein größerer Abgang bei den Prepaidkunden (-6,1%) gegenüber.

Lediglich bei den Festnetzkunden gab es tatsächlich ein kleines Plus von 3,3 Prozent, allerdings ist deren Zahl in den vergangenen Jahren dramatisch gefallen. Immerhin kann die Telekom Austria nun wieder mit Fug und Recht behaupten, dass sie nun wieder mehr Festnetzkunden als mobile Prepaidkunden hat.

Insgesamt führte dies im 1. Quartal 2016 zu einem Nettoergebnis von 81,0 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte die Gruppe mit 92,7 Millionen wesentlich besser abgeschnitten. Auch der Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit gab um 22,4 Prozent auf 307,1 Millionen Euro nach.

Argumentiert wird allerdings, dass die Quartalszahlen nur bedingt mit den Zahlen des 1. Quartals 2015 vergleichbar seien, da die Bilanzlegung an den Mutterkonzern, der mexikanischen America Movil (ISIN MXP001691213), angepasst worden sei. Ohne diese Umstellung sähen die Zahlen viel besser aus. "Die Vergleichswerte für die Vorjahresperioden werden so dargestellt, als wären die in den letzten zwölf Monaten erfolgten M&A-Transaktionen schon in den gesamten Vergleichsperiode voll konsolidiert", argumentiert Konzernsprecherin Ingrid Spörk den Unterschied.

Zur operativen Darstellung hält Spörk fest: "Um die reine operative Leistung des Unternehmens herauszuarbeiten, werden in der Darstellung 'underlying' Effekte aus M&A-Transaktionen, Fremdwährungsschwankungen, sonstige betriebliche Erträge sowie Sondereffekte ausgeklammert."

Marschrichtung bleibt gleich

In Österreich sei die Ertragslage aufgrund höherer Erlöse beim Handyverkauf verbessert. Das Betriebsergebnis legte um 25,6 Prozent auf 108,6 Millionen Euro zu, der Umsatz erhöhte sich um 1,2 Prozent. Allerdings gab der Durchschnittsumsatz pro Kunde im Mobilfunk um 3,6 Prozent auf 14,9 Euro nach.

Zur Geschäftsentwicklung am Heimatmarkt betonte der Konzern: "Die hohe Wettbewerbsintensität hielt in Österreich auch im 1. Quartal 2016 an und wurde nach wie vor von No-Frills-Angeboten im Mobilfunk angetrieben. Dank ihrer Mehrmarkenstrategie konnte die A1 Telekom Austria ihre Wettbewerbsfähigkeit über ihre No-Frills-Marken bob und YESSS! in diesem Segment beibehalten. Gleichzeitig lag der Fokus von A1 auch weiterhin auf dem Premiumkundensegment."

Generell sieht Telekom-Chef Plater das Umfeld in dem das Unternehmen agiert aktuell nicht besonders rosig: Am Heimmarkt ist der Wettbewerb bekanntermaßen nicht geringer geworden, in Zentral- und Osteuropa, wohin die Telekom Austria in der Vergangenheit expandiert hat (Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Slowenien, und Weißrussland) ist die Lage anhaltend schwierig, besonders in Weißrussland, wo die Währung um 10,9 Prozent abgewertet wurde. Regulatoren machen der Gruppe das Leben zusätzlich schwer. Beklagt werden wie schon in den vergangenen Quartalsberichten die stark gestiegenen Frequenznutzungsentgelte in Kroatien. Dort haben sie sich gegenüber 2014 verdreifacht.

Eine weitere Belastung wird sich für die Telekom Austria Group aus der Abschaffung des Endkunden-Roamings ab Mai 2016 ergeben. Dennoch wird für das Gesamtjahr wird weiterhin ein Plus bei den Umsatzerlösen von einem Prozent angestrebt, das Dividendenziel bleibt bei 5 Cent je Aktie. Der Ausblick stützt sich mit Ausnahme des weißrussischen Rubels auf konstante Währungen. Das Management räumt die begrenzte Berechenbarkeit des weißrussischen Rubels ein, geht für das Jahr 2016 aber von einer Abwertung gegenüber dem Euro nahe der Inflation von rund 20 Prozent aus.

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