Tanz auf dem Vulkan: Kursrallye in Italien

Die Börse in Mailand zeigt sich derzeit von den Problemen der Banken unbeeindruckt.

Die Börse in Mailand zeigt sich derzeit von den Problemen der Banken unbeeindruckt.

Die Kurse der italienische Börse MIB steigen derzeit so steil wie an kaum einer anderen Börse in Europa - und das obwohl neue Hiobsbotschaften Anlegern eigentlich das Fürchten lernen sollte.

Es laufen derzeit beunruhigende Meldungen über die Nachrichtenticker: Die Krisenbank Monte dei Paschi wird offenbar mit einer Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro nicht das Auslangen finden, sondern braucht wohl 8,8 Milliarden Euro. Das ergab eine Neuberechnung der Kapitallücke durch die EZB. Laut Management könnte es ohne Hilfe von aussen in etwa vier Monaten Schluss mit der Bank sein. Angeschlagene Länder wie Italien lassen zudem immer mehr Anleger an der Euro-Zone zweifeln. Jeder fünfte Anleger erwartet bereits den Zerfall der Euro-Zone. Vor allem in Italien sind die Euro-Kritiker stark.

Der Staat zahlt, die Börse jubelt

Doch wie reagiert die Börse in Italien: Sie setzt ihren erstaunlichen Höhenflug fort. Seit 23. Dezember geht es überhaupt fast nur noch senkrecht nach oben. Im vergangenen Monat lag das Kursplus bei insgesamt mehr als 17 Prozent. Auch der deutsche Leitindex Dax zeigt sich vom neuerlichen fast 4-Milliarden-Euro-Loch der italienischen Katastrophen-Bank unbeeindruckt.
Doch was kümmert es die Aktienmärkte auch – seit vor Weihnachten beschlossen wurde, dass nicht die Gläubiger und Anleihenzeichner zur Kasse gebeten werden, sondern die Steuerzahler, gibt es vor allem für Anleger in italienische Aktien kein Halten mehr.

Kaum Kleinanleger betroffen

Hat der italienische Staat doch beschlossen einen 20 Milliarden Euro schwerer Fonds zur Stabilisierung des Bankensektors zu schaffen und Banken wie die Monte dei Paschi di Siena zu stützen. Ziel ist es die Ersparnisse von Bürgern so weit wie möglich zu schützen und Italiens Bankensektor zu stärken. Doch wie nun die italienische Zentralbank veröffentlichte, besitzen nur 5,4 Prozent der italienischen Haushalte Bankanleihen. Diese wiederum besitzen ein Vermögen von im Schnitt 500.000 Euro und gehören bei den Einkommen zu Top-12 -Prozent.

Die Italo-Wette könnte für Anleger an der italienische Börse MIB auch noch weiter Früchte tragen. Der Aktienmarkt ist nach den starken Kursrückgängen in den vergangenen zwölf Monaten von fast zehn Prozent und einem Minus von knapp 53 Prozent in zehn Jahren ziemlich ausgebombt. Dem Staat sei Dank, könnte die Rallye weitergehen – bis zur nächsten Beinahe-Pleite. Denn angeschlagene italienische Banken gibt es noch genug. Die italienischen Banken sitzen auf faulen Krediten in Höhe von 360 Milliarden Euro. Eine jahrelang dahin tümpelnde Wirtschaft, unzählige Managementfehler und halsbrecherische Übernahmen haben ihre Spuren hinterlassen.

Erleichterungsrallye

Doch so lange das Füllorn des Staates über die Banken ausgeschüttet wird, können Anleger von der Erleichterungsrallye profitieren. Nur so lange die Wirtschaft sich in Italien nicht erholt, könnten Kurszuwächse bei Bankaktien auch schnell wieder Schall und Rauch sein, wenn man nicht auf der Hut ist und rechtzeitig abspringt, bevor die Herde derjenigen, die schnelles Geld machen wollen, wieder weiterzieht. Könnten sich die 20 Milliarden Euro Finanzspritze doch als Tropfen auf den heißen Stein erweisen.

Monte dei Paschi ist es in den vergangenen Tagen nicht gelungen, Geld bei Investoren einzusammeln. Deswegen muss der Staat nun einspringen - bereits zum dritten Mal seit 2009. Eine Intervention des Staates bedeutet die faktische Verstaatlichung des Geldhauses, das als älteste Bank der Welt gilt.

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