Studie: Österreichs Aktienmarkt braucht neue Impulse

Studie: Österreichs Aktienmarkt braucht neue Impulse

Eine IWI-Studie zeigt die Bedeutung der Wiener Börse für Österreich. Doch die Zahl der börsenotierten Unternehmen nimmt ständig ab. Industriellenvereinigung, Aktienforum und Wiener Börse CEO Christoph Boschan rufen nach Unterstützung des Gesetzgebers.

"Börse belebt die Wirtschaft, doch die Börse braucht selbst neue Belebung." Das ist der Sukkus einer, im Auftrag einer vom Industriewissenschaftlichen Institut (IWI.ac.at) im Auftrag der Industriellenvereinigung (IV) und des Aktienforums erstellten Studie. Sie zeigt, dass börsenotierte Unternehmen gewichtige Impulsgeber für die Volkswirtschaft sind. Jedes neue Arbeitsverhältnis in einem börsennotierten Unternehmen schafft demnach 2,56 neue Arbeitsplätze. Aus einem Euro, der in ein börsennotiertes Unternehmen investiert wird, werden 2,33 Euro für die Wirtschaft und neun Prozent der heimischen Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt mit börsennotierten Unternehmen verknüpft.

Laut der Studie werden durch die börsenotierten Unternehmen außerdem mittelbar 67,4 Milliarden Euro an Produktionswert, 27,14 Milliarden Euro an Wertschöpfung und etwa 400.000 Arbeitsplätze geschaffen. Das Steueraufkommen aus den Aktivitäten der Unternehmen liegt demnach bei 4,68 Milliarden Euro.

Entwicklung der Börsenotierungen in Österreich

Entwicklung der Börsenotierungen in Österreich

So weit, so gut. Das Problem ist allerdings, dass es in Österreich immer weniger börsenotierte Unternehmen gibt, von denen solche Impulse ausgehen können. Vor zehn Jahren waren an der Wiener Börse noch 127 Unternehmen gelistet, mittlerweile sind es nur noch 79. In nur einem Jahrzehnt sind somit 38 Prozent der Firmen von der Börse verschwunden. "Das ist alarmierend", sind sich Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung und Robert Ottel, Präsident des Aktienforums, einig. Einzig positiv ist, dass die Marktkapitalisierung der Unternehmen und der Aktienumsatz in den letzten drei Jahren um rund ein Viertel gestiegen sind.

Unliebsame Spielregeln

Es wären daher neue Impulse notwendig, um den Kapitalmarkt zu fördern und neue Unternehmen an die Börse zu bringen. Neumayer denkt in diesem Zusammenhang auch an neue gesetzliche Bestimmungen und steuerliche Anreize. „Österreich braucht eine praxisnahe, effiziente und kostensparende Kapitalmarktregulierung – das betrifft sowohl die gesetzlichen Grundlagen als auch die Verwaltungspraxis“, erklärt der IV-Genrealsekretär. Die Anhebung der Kapitalertragsteuer (KESt) im Rahmen der Steuerreform 2016 von 25 auf 27,5 Prozent habe eine negative Signalwirkung für den heimischen Kapitalmarktstandort gehabt und die "Diskriminierung von Eigenkapital" verschärft.

"Eigenkapital muss in Österreich wieder gestärkt werden und sollte gegenüber Fremdkapital nicht benachteiligt sein", erklärt dazu Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse. Er richtet einen Wunsch in Richtung Regierung: "Im Sinne des mündigen und langfristigen Aktionärs rege ich dringend die Wiedereinführung einer KESt-befreiten Behaltedauer in Österreich an."

Der Chef der Wiener Börse beobachtet außerdem mit "wachsender Besorgnis" die von der Europäischen Union deutlich überschießenden Regulierungen und deren nicht immer am internationalen Wettbewerb orientierte Umsetzung in Österreich: "So wurden zum Beispiel durch Überregulierung heimische Unternehmen aus dem Dritten Markt gedrängt, der traditionell als erster Andockpunkt für österreichische Klein- und Mittelbetriebe galt. Durch die Einführung der Namensaktie wurden Börsengänge von österreichischen KMU an der Wiener Börse fast vollständig wegreguliert. Österreichs Börse sind hier die Hände gebunden und den Unternehmen bleibt derzeit nur der Gang ins Ausland."

Wünschenswert wäre, so Ottel, auch die Neuinstallation eines Kapitalmarktbeauftragten: „Dieser war der politische Ansprechpartner bei allen Kapitalmarktthemen. Ein solches
Sprachrohr zwischen den Stakeholdern am Kapitalmarkt, der Politik und dem Gesetzgeber brauchen wir dringend wieder.“ Auch im Bildungsbereich wünscht man sich Initiativen. An den Schulen sollten Grundkenntnisse über das Funktionieren des Kapitalmarktes vermittelt werden.


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Volkswirtschaftliche Effekte börsenotierter Unternehmen (Studienpräsentation)

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