Stark steigende Energiepreise werden zum Problem

Die in den letzten Monaten dramatisch gestiegenen Energiepreise - besonders für Erdgas, Strom und Erdöl - treiben die Inflation. Im Winter könnte das Heizen für viele empfindlich teurer werden. Nun beraten die EU-Finanzminister. Warum die Preise steigen.

Stark steigende Energiepreise werden zum Problem

Seit Monaten sind die Energiepreise weltweit auf einem Höhenflug. Die Preise für Strom, Erdgas und Erdölprodukte haben massiv angezogen. Das bekommen mittlerweile auch die Konsumenten zu spüren - wenn auch vorerst noch hauptsächlich an den Tankstellen, da für Strom- und Gastarife zumeist Jahresverträge mit unterjährigen Fixtarifen werden.

Dennoch könnten viele Haushalte im nächsten Winter mit unerwartet hohen Heizkosten konfrontiert werden, und besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Erdgas. Die Gas-Großhandelspreise sind mittlerweile mehr als fünfmal so hoch wie vor einem Jahr, der Österreichische Gaspreisindex ÖGPI steigt den Berechnungen der Energieagentur zufolge im Oktober 2021 gegenüber September um weitere 30,9 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist der ÖGPI bereits im um 425 Prozent gestiegen (siehe Grafik).

Österreichischer Gaspreisindex ÖGPI; Entwicklung Oktober 2017 - Oktober 2021

Österreichischer Gaspreisindex ÖGPI; Entwicklung Oktober 2017 - Oktober 2021

Die stark gestiegenen Energiepreise sind nun auch Anlass für ein Treffen der EU-Finanzminister in Luxemburg, denn die Energiepreise sind einer der Hauptfaktoren für die in den vergangenen Monaten ebenfalls stark gestiegene Inflation. Diese hat in der Eurozone zuletzt ein 10-Jahres-Hoch erreicht und das von der Europäischen Zentralbank für eine stabile Entwicklung angepeilte Ziel von zwei Prozent deutlich überschritten.

Mehrere Euro-Länder fordern ein gemeinsames europäisches Vorgehen gegen die massiv gestiegenen Energiepreise. Spanien, Frankreich und Griechenland machten vor dem Treffen der Finanzminister der Eurozone in Luxemburg Druck zum Handeln. Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire nannte den Gaspreisanstieg "brutal". Er sprach sich für eine "bessere Regulierung" und langfristige Lieferverträge aus und betonte, vor allem einkommensschwache Verbraucher seien "mit einem unerträglichen Anstieg der Gaspreise konfrontiert". Die spanische Wirtschaftsministerin und Vize-Regierungschefin Nadia Calviño brachte eine gemeinsame "strategische Gasreserve" der EU ins Gespräch.


Warum die Energiepreise stark steigen

Dafür gibt es verschiedene Faktoren. Zunächst ist die Nachfrage nach Energie während der Erholung von der Coronapandemie weltweit gestiegen, da die Wirtschaft wieder mehr produziert. Gleichzeitig ist das Angebot an Energie gesunken - etwa durch Dürren in Brasilien, wo viel Strom aus Wasserkraft produziert wird. Dann war der Winter vielerorts besonders hart, wodurch Reserven geschmälert wurden. Thilo Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) weist darauf hin, dass im Sommer auch weniger erneuerbare Energie produziert wurde.

Vermutet wird auch, dass große Firmen die Entwicklungen am Markt ausnutzen. So hat etwa der russische Gasproduzent Gazprom zwar seine Lieferverträge mit Europa erfüllt, jedoch die Nachfrage darüber hinaus trotz der attraktiven Preise nicht bedient. Gazprom könnte darauf abzielen, die Preise hochzutreiben - auch um politischen Druck auszuüben.


Hat die Energiewende etwas mit dem Preisanstieg zu tun?

Der Preis von Kohlenstoffdioxid (CO2) im Handel mit Emissionsrechten ist gestiegen, was die Energieerzeugung aus Kohle unattraktiver macht, aber auch Strom teurer machen kann, wenn es keine Alternativen gibt. Gas auch zur Stromerzeugung genutzt - der fossile Brennstoff hat also auch Einfluss darauf, wie viel Strom kostet. Im Emissionshandelssystem der EU müssen etwa Stromanbieter für den Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 zahlen. Kritiker fürchten, dass eine Ausweitung des Systems Verbraucher zusätzlich belastet. Der Handel mit Emissionsrechten ist laut Tagliapietra nur für ein Fünftel des Preisanstiegs verantwortlich. Das EU-System habe zudem dafür gesorgt, dass Kohle bei den hohen Gaspreisen keine Alternative wird - und so höhere Emissionen verhindert. Die Alternative kann daher nur weitere Energieeffizienz und sauberer Strom sein.


Ist der Anstieg temporär?

Politiker, die Europäische Zentralbank und andere Experten halten den Preisanstieg für vorübergehend. Einzelnen Annahmen zufolge könnte er sich bis April 2022 wieder halbieren.


Wie reagieren die EU-Staaten?

Einige EU-Länder haben Maßnahmen eingeleitet, um Verbraucher zu schützen. Frankreich hat eine Tarifbremse für Strom und Gas angekündigt und will ärmeren Haushalten je 100 Euro zahlen. Italien will 3 Milliarden Euro ausgeben, um Haushalten einen Teil ihrer Strom- und Gasrechnungen zu erlassen, etwa durch Steuersenkungen. Spanien hat Maßnahmen auf EU-Ebene gefordert, etwa eine gemeinsame Plattform für Gaseinkäufe. Luxemburg macht Spekulation am Gasmarkt für den Preisanstieg mitverantwortlich und schlug eine Überarbeitung der EU-Richtlinie vor. "Wir müssen das extrem spekulative Verhalten einiger Händler unterbinden", sagte Luxemburgs Energieminister Claude Turme. Polen fordert ein Umdenken im EU-Emissionshandel.


Was kann die EU tun?

Kurzfristig liegt es bei den Mitgliedstaaten, die sozialen Konsequenzen abzufedern. Die EU-Kommission kann Maßnahmen koordinieren, vor allem, um Marktverzerrung zu verhindern. Die Brüsseler Behörde hat eine "Toolbox" angekündigt, die einen solchen Leitfaden enthalten könnte. Langfristig sollte die EU ihr Klimapaket schneller umsetzen, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren, sind sich Experten einig.


Wie wirkt sich die Steuerreform aus?

Ab Mitte 2022 wird es für Haushalte aus einem weiteren Grund teurer, mit Gas zu heizen: Die CO2-Bepreisung hat schlägt sich dann auf die Heizkosten nieder. Pro Tonne CO2 werden Haushalte 30 Euro zahlen müssen, bei einem Durchschnittsverbrauch von 14,8 MWh ergibt sich ein CO2-Ausstoß von rund 3 t CO2/Jahr und somit Mehrkosten von 90 Euro pro Heizsaison. Insgesamt gibt es laut E-Control aktuell rund 1,16 Millionen Haushalte mit Gasanschluss.

Da der CO2-Preis in der Folge jährlich angehoben wird - bis 2025 auf 55 Euro pro Tonne -, steigen die durchschnittlichen zusätzlichen Kosten für Gasheizungen bis 2025 auf 163 Euro jährlich.

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