Spiel auf Sieg: Die Zocker aus dem Pongau #IC19

Spiel auf Sieg: Die Zocker aus dem Pongau #IC19

Familie Schober: Vater Rupert (58), Mutter Maria (54) und ihre fünf Söhne. Von links: Paul (16), Jakob (25), Lukas (30), Stefan (31) und Tobias (20).

Hobbys: Mathematik, Börsenspiele. Tobias Schober, Sieger der Investors Challenge 2019 #IC19, ist ein Trading-Genie. Mit seinen Brüdern hat er bereits etliche Börsenspiele und drei Autos gewonnen.

Schuld daran ist eigentlich der Papa. Der Unternehmer Rupert Schober, Chef der Jägerzaun GmbH in Altenmarkt im Pongau, lehrte seine Söhne von klein auf sein Wissen zu Wirtschaft, Geldanlage und zum Aktienmarkt. "Das konnte beim Essen oft lange dauern, und man durfte auch nicht aufstehen und weggehen, bis er fertig war", sagt Lukas, der zweitälteste von fünf Söhnen aus dem Hause Schober.

Tobias, der zweitjüngste in der Runde, war davon besonders fasziniert. Er inhalierte die väterlichen Vorträge über Wert, Risiko und Warren Buffetts Value-Strategie, begann, Geschäftsberichte zu studieren, zu analysieren und zu verstehen, warum manche Aktien risikoreicher oder gewinnträchtiger als andere sind. Als Tobias acht war, kaufte ihm sein Vater einige Coca-Cola-Aktien, und von da an war es um den Junior endgültig geschehen.

Der Familienmanager

Kurz darauf zog Tobias mit seinem Bruder Jakob einen Familien-Investmentfonds auf und begann, den zu managen. "Das war günstiger, so konnten wir Depotgebühren sparen", sagen die beiden. Sie brachten den Rest der Familie dazu, ebenfalls in den Fonds zu investieren. "Heute hat keiner von uns mehr ein Sparbuch und auch am Konto kein Geld mehr. Das steckt alles im Familienfonds", sagt Lukas Schober.

Riskant? Nicht, wenn man Tobi, das Familiengenie, kennt. "Ihm macht es Spaß, sich Rechnungen und Formeln auszudenken. Er hat in der Schule schon in der Fünften den Maturanten und am Ende seiner halben Klasse Nachhilfe gegeben", sagt Lukas, der als Grafiker und Event-Organisator das mathematische Talent seines Bruders nur schwer nachvollziehen kann.

Das mit den Nachhilfestunden verdiente Geld investierte Tobias jedenfalls in Aktien - und das Geld, das er fürs Rasenmähen bei den Nachbarn bekam. Er fuhr gut damit: "Die fünf Euro Stundenlohn habe ich mit Microsoft-Aktien verfünffacht."

Die Familie kann mit der Performance des Fonds jedenfalls sehr gut leben: Aus 190.000 investierten Euro wurden bei einer Durchschnittsjahresrendite von 17 Prozent mittlerweile über 440.000 Euro. Eine solche Bilanz schafft natürlich auch Vertrauen, und passiert es jetzt auch, dass Mama Maria Schober schnell zur Bank fährt und von dort Geld holt, wenn ihr zweitjüngster Sohn anruft und ihr sagt, dass gerade eben wieder ein günstiger Zeitpunkt wäre, um in Aktien zu investieren.

Mit dem Familiensilber zu zocken ist dabei tabu. Investiert wird streng nach der Value-Strategie nur in günstige Papiere bestens situierter Unternehmen mit viel Potenzial nach oben. Das einzige Papier aus dem Schoberschen Portfolio, das sich bisher nicht ganz nach den Erwartungen entwickelt hat ist das von IBM. "Wenn Ginni geht, gibt es da auch wieder Luft nach oben", meint Tobias Schober, der den Kurs der IBM-Chefin Virginia Rometty nicht ganz nachvollziehen kann und als Hauptgrund für den mäßigen Erfolg der Aktie sieht.

Zeit für Spiele

An die Grenzen gehen die Schober-Brüder hingegen bei Börsenspielen. Ihre Leidenschaft für die Welt der Aktien und ihr Trading-Geschick haben sie zu Österreichs erfolgreichsten Teilnehmern an Börsenspielen gemacht. Der Doppelsieg bei der trend Investors Challenge, bei der Tobias gerade den Hauptpreis, den Mercedes-Benz CLS 450, und Jakob eine Armbanduhr von Mühle Glashütte gewann, war ihr bisher größter Coup. Auf ihrer Haben-Seite stehen daneben noch zwei in Oberösterreich gewonnene Citroën C3 und etliche weitere Preise.

Das erste Börsespiel spielte er noch an der Schule - und gewann dabei gleich in acht von neun Kategorien. Schon damals mit einer ausgeklügelten Strategie: "Ich wusste, wenn jeder irgendetwas macht, wird das nichts. Also habe ich meine Klassenkameraden in Cluster eingeteilt und ihnen genau vorgegeben, wie und in welche Aktien sie investieren müssen." Dass er nicht gleich alle Neune gemacht und in allen Kategorien den ersten Platz geholt hat, wurmt ihn übrigens immer noch ein wenig. "Bis kurz vor Schluss lagen wir in allen neun Kategorien voran, aber dann kamen ein paar Schularbeiten und ich hatte nicht so viel Zeit, um mich darum zu kümmern", sagt er.

Bei seinem ersten großen Börsespiel-Coup gewann er den Hauptpreis noch im Namen seiner Tante, weil er selbst noch zu jung für die Teilnahme gewesen wäre. Bei der Investors Challenge war er mit 20 aber alt genug, um den Hauptpreis selber zu holen. Entsprechend ernsthaft gingen er und Jakob dabei auch zur Sache.

Trading-Genie Tobias Schober (li.) mit seinem Bruder und "Investment-Partner" Jakob.

"In die Challenge haben wir täglich mehrere Stunden investiert. Es war fast, wie zur Arbeit zu gehen", sagt Jakob, der mit Tobias ständig die anderen Teilnehmer beobachtete: "Die eigentliche Herausforderung war, Aktien mit Potenzial zu finden und zu investieren, ohne das Risiko zu überziehen." Tobias entwickelte dafür eine eigene Formel. Damit konnte er das maximale Investment in einzelne Werte berechnen und die Trading-Strategien seiner Brüder Jakob, Stefan und Lukas bestimmen.

"Die Formel hat mir einige Nerven gekostet", sagt Tobias, der zugibt, sich dabei - was ihm sonst eigentlich nie passiert - auch einmal verrechnet zu haben. "Dabei hatte ich es am Anfang schon richtig, dann aber einen Fehler beim Kürzen gemacht", ärgert er sich auch nachträglich noch über seinen eigenen Fehler.

In welche Extreme die Brüder dabei die Potenziale ausgelotet haben zeigt auch, dass ihr ältester Bruder Stefan zum Schluss der Investors Challenge auf dem vorletzten Platz landete. "Wir hatten auf Thomas Cook gesetzt", sagt Jakob, "da gab es ein Potenzial. Wir konnten aber nicht sagen, ob nach oben oder nach unten. In dem Fall ist es eben nach unten losgegangen."

"Am Ende war alles schon sehr nervenaufreibend", sagt Tobias, für den jetzt das nächste Kapitel seiner Trader-Karriere beginnt: Er startet mit seinem Bruder Jakob eine Vermögensberatungsgesellschaft mit Sitz in Altenmarkt im Pongau. Deren Namen kennen Beobachter der Investors Challenge bereits, ist er doch ist ident mit Jakob Schobers Tradernamen bei der Challenge: TIP - The Investment Partners.



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