Social Trading: "Im Urlaub wird mehr gehandelt"

Social Trading: "Im Urlaub wird mehr gehandelt"

Andreas Kern, Gründer der Social Trading Plattform Wikifolio

Andreas Kern, Gründer der Finanzplattform wikifolio, über die Chancen von Aktienhändlern auf der Social-Trading-Plattform.

trend: Wie wird man Trader für wikifolio?
Andreas Kern: Ganz einfach. Man geht auf die Website. Klickt dort "wikifolio erstellen" an, registriert sich und erstellt sein Musterdepot. Und dann muss man zeigen, was man kann. Wenn unter anderem zehn User das gut finden, also das wikifolio unterstützen, dann können wir unseren Evaluationsprozess starten. Das heißt, es gibt zunächst ein Telefongespräch. Da wird über die Strategie gesprochen. Dann wird das Anlageuniversum festgelegt, also welche Aktien der Trader handeln darf. Wenn sich ein Trader beispielsweise nur auf den US-Markt fokussieren will, dann erhält er auch nur US-Werte zugeteilt. Und dann kann alles sehr schnell gehen. In fünf bis sechs Wochen ist ein wikifolio-Zertifikat an der Börse Stuttgart gelistet. Damit ist es für alle Anleger erreichbar und handelbar.

trend: Der Trader verdient ja an seiner Performance. Führt das nicht zu einer risikoreichen Veranlagung?
Andreas Kern: Das kann man so nicht sagen. Die Trader wissen ja, wenn sie schlecht performen oder große Schwankungen haben, dann wird das wikifolio weniger attraktiv für potenzielle Anleger. Und wenn ein Trader plötzlich einen Verlust von 25 Prozent hat, dann wird das Geld aus dem zugehörigen wikifolio-Zertifikat rasch abgezogen. Denn die Anleger setzen sich ja Verlustlimits.

trend: Und wann erhält der Trader wieder eine Prämie?
Andreas Kern: Ein wikifolio-Trader bekommt ausschließlich dann eine Performance-Fee, wenn er über seine letzte Höchstmarke kommt. Sonst bekommt er keine anderen Zahlungen. Wir beobachten auch den Effekt, dass sehr gute Trader danach streben, ihre erzielte Performance zu halten, weil sie Angst haben, die Follower zu verlieren. Aus diesem Grund gehen sie oft weniger Risiko ein als zu Beginn ihrer Trader-Karriere.

trend: Wie intensiv ist der Kontakt mit den Tradern?
Andreas Kern: Wir haben ein Team, das ständig mit ihnen in Verbindung steht. Wenn wir merken, dass ein Trader nicht mehr aktiv ist, dann nehmen wir sofort Kontakt auf. Wenn ein Trader nicht mehr erreichbar ist, behalten wir uns vor, alle Positionen in Cash zu stellen und das Risiko zu begrenzen. Das kommt aber sehr selten vor.

trend: Wissen die Trader, wer die Investoren in die wikifolio-Zertifikate sind?
Andreas Kern: Nein, sie wissen nicht, woher das Geld kommt. Das kann vielleicht von ihrem Chef stammen. Oder von der Ehefrau. Da die Investition in wikifolio-Zertifikate über die Bank des Investors erfolgt, haben weder der Trader noch wir Zugriff auf die Gelder.

trend: Wie viele Trader gibt es?
Andreas Kern: Wir haben 60.000 registrierte Nutzer auf der Plattform. Viele davon haben auch schon ein wikifolio erstellt. Es gibt 12.700 publizierte wikifolios. Und mehr als 4.000 davon sind an der Börse Stuttgart gelistet.

trend: Aus welchen Berufen kommen die Trader?
Andreas Kern: Es gibt natürlich einige, die in Banken arbeiten. Da sieht man, dass die eine Ahnung vom Geschäft haben.

trend: Und die anderen?
Andreas Kern: Die meisten, die nicht professionelle Vermögensverwalter sind, machen das nebenbei, aber auch sehr gut. Da gibt es die Leiterin des Sparvereins in einer kleinen Gemeinde bis hin zu allen möglichen Berufen, auch Studenten. Es gibt beispielsweise einen sehr erfolgreichen Trader, der war früher in einer ganz anderen Branche tätig, studiert jetzt Finance in Amerika und schreibt seine Masterarbeit über Social Trading.

trend: Wie verteilt sich das gesamte investierte Volumen auf diese rund 4.000 wikifolio-Zertifikate?
Andreas Kern: Die größten haben derzeit ein Volumen von zehn bis zwölf Millionen Euro. Es gibt einige wenige, die größer sind, und mehrere, die kleiner sind. Aber in zwei Drittel aller wikifolio-Zertifikate fließt auch tatsächlich Geld hinein.

trend: Was geschieht, wenn ein Trader zu schlecht performt?
Andreas Kern: Performt ein Trader nicht gut, ist dies durch die Transparenz von wikifolio.com sichtbar. Und die Nutzer reagieren: Wenn die Performance nicht stimmt, verliert der Trader Follower. Und wenn ein Trader gar nicht mehr handeln möchte, dann schließen wir seine wikifolios. Sie bleiben aber stets im Profil erhalten, um die Transparenz zu gewährleisten.

trend: Und wenn einer auf Urlaub fahren will?
Andreas Kern: Wenn Kapitalmarktfreaks auf Urlaub fahren, sind die nie offline, die reagieren ständig. Und sie können natürlich auch selber Stop-Limits setzten, wenn sie eine Zeit lang nicht aktiv handeln können. Aber meistens traden sie im Urlaub sogar mehr.


Zur Person. Andreas Kern studierte Mathematik und EDV-Wissenschaften. Er ist ausgebildeter Börsenhändler. Vor der Gründung von wikifolio war er in der Payment-Branche tätig. Er führte paybox Austria in die schwarzen Zahlen und war Mitbegründer der payolution GmbH.

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