So sieht die Versicherung von morgen aus - fünf große Trends

Die Versicherung der Zukunft wird sich radikal vom Status quo unterscheiden. Christian Wiens, Gründer und CEO des Fintechs Getsafe, präsentiert seine fünf Thesen, wie neue Technologien die Versicherungswelt umkrempeln.

So sieht die Versicherung von morgen aus - fünf große Trends

Christian Wiens, Gründer und CEO Getsafe

Die Versicherung vom morgen ist digital

Immer mehr Menschen in Deutschland sind heutzutage online; und dieses Nutzungsverhalten spiegelt sich auch in den Erwartungen der Kunden an Versicherer wider. Die Zeiten, in denen ausgedruckte Versicherungsunterlagen ganze Aktenschränke füllten, sind vorbei.

Vielmehr erwarten Kunden heutzutage, dass sie überall und jederzeit per Knopfdruck auf Informationen und Dienstleistungen zugreifen können. Immer mehr Versicherer setzen daher auf Online-Vertriebskanäle, Chatbots und digitale Sprachassistenten, die Kunden 24 Stunden am Tag bei Fragen zur Seite stehen.

Dieser Trend wird sich fortsetzen. Einfache Schäden werden dann von einer KI bearbeitet werden können; bei komplizierten Schäden wird es möglich sein, den Bearbeitungsstand online abzufragen - ähnlich wie Kunden die Paketzustellung bequem per Smartphone verfolgen können.

2. Die Versicherung von morgen ist datengetrieben

Versicherungen basieren auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Erfahrungswerten, also auf Daten. Bislang werden Tarife in der Regel auf Basis von wenigen, meist älteren Daten kalkuliert. Je mehr Daten ein Versicherer jedoch zur Lebenssituation und zum Verhalten seiner Kunden hat, desto stärker kann er Risikoprofile verfeinern, die Betrugsquote reduzieren und die Preise gezielt anpassen. Davon profitieren nicht nur die Versicherer, sondern auch die Kunden: Wer etwa pünktlich seine Rechnungen zahlt und aufgrund bestimmter Kriterien als vertrauenswürdig eingestuft wird, könnte günstigere Prämien oder Rückzahlungen erhalten oder seine Schäden schnell und unkompliziert erstattet bekommen.

3. Die Versicherung von morgen ist präventiv

Die Versicherung von morgen wird Schäden nicht nur regulieren, sondern gar nicht erst entstehen lassen. Denn mit einer besseren Datenbasis lassen sich nicht nur die Schadenswahrscheinlichkeit und -höhe genauer berechnen. Auch mögliche Schäden können durch digitale Systeme und Sensoren verhindert werden.

Telematik-Tarife in der KfZ-Versicherung gehen bereits in diese Richtung, indem sie einen umsichtigen Fahrstil fördern. In den kommenden Jahren werden sich Versicherungen weg von konkreten Produkten hin zu ganzheitlichen Schutzversprechen entwickeln. Im Bereich der Mobilität wird dies sicher früh umgesetzt werden. Anstelle separater Versicherungen für Fahrrad, KfZ und Auslandsreiseversicherungen wird es dann beispielsweise einen umfassenden Mobilitätsschutz geben, der jegliche Risiken der Fortbewegung abdeckt.

4. Die Versicherung von morgen ist personalisiert

Dank der Digitalisierung ist es zudem möglich, Angebote zu entwickeln, die sehr viel besser zu den Kundenbedürfnissen passen - weg von standardisierten und inflexiblen Policen. Denn wenn der Versicherer die Bedürfnisse des Kunden aufgrund dessen Vorgeschichte oder Verhalten besser einschätzen kann, ist er in der Lage, maßgeschneiderte Versicherungspakete zu schnüren.

5. Die Versicherung von morgen ist ganzheitlich

Langfristig wird die Versicherung zunehmend ganzheitlich sein: Während in Deutschland jeder Einwohner über 18 Jahre durchschnittlich sechs Versicherungspolicen besitzt, werden Menschen künftig nur noch einen Risikopartner haben, der in einer individuellen Police alle Risiken abdeckt. Ähnlich wie Menschen heutzutage ihr Frühstück individuell im Restaurant zusammenstellen, werden sie auch ihren Versicherungsschutz aus verschiedenen Modulen wählen. Ein Familienvater, der gerne Urlaub an der Nordsee macht und Mountainbike fährt, hätte dann ein anderes Leistungspaket als ein Familienvater, der einen Urlaub am Mittelmeer bevorzugt und einmal im Jahr in den Alpen klettert.

Schöne neue Versicherungswelt?

Perspektivisch könnten Versicherer keine Schadensfälle regulieren, sondern Risiken vermeiden. Sie könnten digitale Begleiter sein, die den Kunden und seine Bedürfnisse verstehen und Risiken identifizieren, bevor sie entstehen. Daten- und Verhaltensanalysen - gestützt durch intelligente Algorithmen - könnten einen ganz persönlichen Versicherungsschutz bieten. Und wenn sich die Lebenssituation den Kunden ändert, könnte sich der Versicherungsschutz automatisch anpassen - ganz ohne menschliches Zutun.

Das alles ist Zukunftsmusik und sehr weit weg. Doch die Anfänge sind gemacht. Nun muss die Gesellschaft entscheiden, wie personalisiert, wie datengetrieben die Versicherung von morgen sein soll.

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