So legen Reiche ihr Geld in der Krise an

Wie legen die, die Millionen am Depot haben, seit dem Ausbruch der Pandemie, ihr Geld an? War Abwarten die Devise oder so wenig wie möglich Geld verlieren? Nichts davon. Lesen Sie, was gekauft wurde und welche Investments zurückgefahren wurden. UBS hat 120 der weltweit großen Familiy-Office-Verwalter befragt.

So legen Reiche ihr Geld in der Krise an

Jet Set: Das Geld reicher Familien soll nicht nur erhalten, sondern Krisen auch genutzt werden, um Chancen wahrzunehmen.

In der Krise konnte man binnen Tagen richtig viel Geld verlieren, aber binnen weniger Wochen auch ordentlich gewinnen - das zeigte bisher die Corona-Entwicklung an den Börsen recht eindrucksvoll. Anleger, die gekauft haben, seit die Notenbanken und Regierungen im März 2020 bekannt gegeben haben, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um das wirtschaftliche Gefüge am Laufen zu halten, konnte sensationelle Gewinne einstreifen. Wer zuvor sein Pulver an den Börsen schon verschossen hat und groß und nicht breit genug investiert war, leckt zum Teil heute noch seine Wunden.

Verwaltetes Familienvermögen liegt im Schnitt bei 1,6 Milliarden Dollar
Bei den Reichen geht es nicht nur um tausende versenkte Euros, sondern oft gleich um ein paar Milliönchen- wenn zweifelsfrei für die Betroffenen - beides wehtut. Um schlimmstes im Ernstfall abzuwenden und möglichst schnell aus einem Börsencrash wieder herauszukommen, haben die Reichen auch die besten Berater, zumindest aus renommierten Bankhäusern. Was haben diese Vermögensverwalter ihren betuchten Kunden in der Krise geraten und welche Strategien demzufolge umgesetzt? Die Schweizer Bank UBS, die auch zahlreichen vermögenden Familien in Geldfragen zur Seite steht, hat dazu in ihrem „Global Family Office Report“ Führungskräfte von mehr als 120 der weltweiten größten Vermögensspezialisten reicher Familien befragt. Diese Famliy Offices verwalten im Schnitt ein durchschnittliches Familienvermögen von 1,6 Milliarden Dollar.

Nach Verlusten Depots rasch erholt
Im ersten Quartal 2020, der ersten und intensivsten Phasen der Corona-Pandemie, lag der maximale Verlust der Family Offices bei durchschnittlich 13 Prozent. Zum Vergleich: Der breite US-Aktienindex S&P verlor in der selben Zeit 24 Prozent. Um die Auswirkungen der Verkaufswelle zu kompensieren und Risiken zu managen, haben die Hälfte der Family Offices die Depots ihrer Kunden umgekrempelt. Portfolio den neuen Umständen anzupassen. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) gaben an, dass sich ihre Depots bis Mai im Einklang ihren Zielen entwickelt haben oder diese sogar übertrafen. Mittelfristig hat sich an der Einschätzung von zwei Drittel (67 Prozent) der Family Offices nichts geändert.

Mehr Immobilien und vorallem Aktien aus Industrieländern
Family Offices zeigten sich in der Krise auch bereit Risiken einzugehen, um Marktverschiebungen zu nutzen und höhere Renditen zu erzielen. Fast die Hälfte (45 Prozent) strebt derzeit eine Veränderung der Vermögensstruktur hin zu mehr Immobilien an, ähnlich viele planen eine Erweiterung ihrer Anlagen um Aktien hoch entwickelter Märkte (44 Prozent), gefolgt von Aktien aus Schwellenländern (38 Prozent).

Kurzzeitig mehr Cash, höherer Goldanteil als neuer Langfrist-Trend
Viele Family Offices haben zudem ihre Bargeld- und Goldreserven erhöht. Die Abkehr vom Bargeld scheint jedoch nur eine vorübergehende Erscheinung zu sein. So geben 26 Prozent der Befragten an, die Bargeldreserven in den nächsten zwei bis drei Jahren wieder verringern zu wollen. Gold könnte langfristig profitieren. 45 Prozent geben an, dass sie ihr Portfolio im Bereich Edelmetall erhöhen werden.

Chancen nutzen und nicht Geld-Erhalt oberstes Prinzip
"Family Offices haben sich in einer der volatilsten Perioden in der Geschichte der Finanzmärkte einen institutionellen Ansatz verfolgt. Ihnen bereitet das Verpassen einer Chance mehr Kopfzerbrechen, als der Verlust. Sie versuchen, mit dem Einsatz von Geldmitteln Vorteile aus den Marktverschiebungen zu ziehen. Wir rechnen dahingehend mit großen Schritten in den kommenden Monaten", so Josef Stadler, Leiter des Global Family Office bei UBS Global Wealth Management.

Sinkende Renditen bei Private-Equity-Investments erwartet
Das Segment Privat Equity brachte vermögenden Privatanlegern und auch institutionellen Anlegern in den vergangenen Jahren ein Vermögen. Mehr als drei Viertel der Family Offices investieren denn auch in diese Kategorie und sehen dies als einen entscheidenden Renditebringer. Doch mit der Covid-Pandemie sind die Renditeerwartung solcher privaten Beteiligungen, außerhalb der Börse, angesichts der wirtschaftlichen Lage gesunken. Nur noch die Hälfte der Family Offices geht davon aus, dass der Gewinn von Private Equity Investments jene an der Börse übertreffen werden. Vor der Pandemie lag dieser Wert bei etwa drei Viertel.
Direktinvestitionen an Unternehmen bieten jedoch laut Family-Office-Umfrage weiterhin wichtige Vorteile, wie mehr Kontrolle über das investierte Geld. So erhalten Investoren von Private-Equity-Firmen beispielsweise regelmäßig aktuelle Informationen und können sicherstellen, dass die Firmen über genügend finanzielle Liquidität verfügen, um den wirtschaftlichen Abschwung zu kompensieren.

Reiche junge Amerikaner und Asiaten am konservativsten
Der Bericht zeigt auch, dass die nächste Generation, der heute 20- bis 30-jährigen, in ihrem Anlageverhalten, entgegen der allgemeinen Erwartung, genauso an traditionellen Investitionsmustern festhalten wird wie ihre Eltern, so die Einschätzung von mehr als der Hälfte (54 Prozent) der befragten Führungskräften von Family Offices. In Asien und den USA liegt dieser Anteil sogar bei 71 Prozent. 48 Prozent sind zudem der Meinung, dass die nächste Generation stärker auf nachhaltiges Investieren drängen wird.

In fünf Jahren könnte sich nachhaltiges Veranlagen verdoppeln
Fast drei Viertel der Family Offices (73 Prozent) investieren derzeit zumindest einen Teil ihres Vermögens nachhaltig. UBS geht davon aus, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren beschleunigen wird. Fast zwei Fünftel (39 Prozent) der Family Offices beabsichtigen, den größten Teil ihres Portfolios in den nächsten fünf Jahren nachhaltig anzulegen.

Einfache Nachhaltigkeitsstrategie: Die Bad-Boys unter den Firmen werden ausgeschlossen -
Gegenwärtig verfolgen Family Offices in erster Linie eine einfache Ausschluss-/Verzichtsstrategie, die derzeit 30 Prozent der nachhaltigen Anlagen ausmacht. Da Family Offices in den nächsten fünf Jahren von einer Verdoppelung der Zuteilung von 9 Prozent auf 19 Prozent ausgehen, ist jedoch zu erwarten, dass die ESG-Integration aufholen wird. Ein kleiner Teil beabsichtigt zudem, weiterhin Erträge durch traditionelle Investitionen zu steigern, wobei Philanthropie separat verfolgt wird.

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