So schaffen es Klein- und Mittelbetriebe ab Juli leichter an die Börse

So schaffen es Klein- und Mittelbetriebe ab Juli leichter an die Börse

Die Erfüllung der vielen Vorschriften, die bisher für einen Börsengang geforderlich sind, kosten KMUs meist zu viel Aufwand und Geld.

Derzeit scheuen KMUs meist einen Börsengang, da die Hürden dafür, aufgrund der hohen Anforderungen, die Wertpapierprospekte enthalten müssen, zu hoch sind. Wie Börsengänge für kleine Unternehmen ab Juli 2018 erleichtert werden sollen.

Wertpapierprospekte sind ein wichtiges Instrument für Investoren, die in Aktien und Anleihen investieren, um sich über die Geschäfte und Beteiligungen von Unternehmen zu informieren, um so die Risiken und Chancen eines Investments gut abschätzen zu können. Die dafür vorgeschriebenen Anforderungen waren Klein- und Mittelbetriebe (KMU) allerdings oft zu hoch. Doch das soll sich bald ändern. Um KMUs den Zugang zum Kapitalmarkt zu erleichtern, hat die EU nun eine Verordnung erlassen, die vorsieht Prospektvorschriften für kleinere Emissionen zu lockern. Manuela Ponesch-Urbanek, Wirtschaftsprüferin bei TPA, erklärt warum es geht.

Was sich ab Juli 2018 ändert

Die neue EU-Verordnung zur Prospektvorschrift soll bis 21. Juli 2018 von allen Mitgliedsstaaten umgesetzt werden.

- Ab dem 18. Juli 2018 entfällt für Emissionen von Wertpapieren bis zu einer Million Euro die Prospektpflicht.
- Die Mitgliedstaaten haben dann zusätzlich die Möglichkeit, Emissionen bis zu acht Millionen Euro von der Prospektpflicht zu entbinden , wenn diese innerhalb von 12 Monaten in der Union angeboten werden.
- Die Mitgliedstaaten dürfen jedoch stattdessen andere verhältnismäßige Offenlegungsverpflichtungen von Unternehmensinformationen vorsehen.
- Sind Wertpapiere eines Unternehmens bereits an der Börse zugelassen, können seit dem 20. Juli 2017 bis zu einem bestimmten Prozentsatz zusätzlich begebene Wertpapiere ohne Prospektpflicht emittiert werden. Statt der bisher zehn Prozent der Neuemission dürfen über einen Zeitraum von zwölf Monaten künftig 20 Prozent neu begebene Wertpapiere ohne Prospekt emittiert werden.
- Um Mitarbeitern Angebote machen zu können, sich an den Wertpapieren günstig beteiligen zu können, ist für das emittierende Unternehmen keinen Firmensitz in der EU mehr erforderlich.

Diese Infos müssen für Anleger aufgelistet werden

Bisher durfte die Zusammenfassung des Kapitalmarktprospekte maximal 15 Seiten umfassen oder im Umfang von sieben Prozent des Prospektes. Künftig sind nur noch sieben DIN A4 Seiten dafür zulässig.

Das muss die Prospektzusammenfassung enthalten
In Anlehnung an das seit 1. Jänner 2018 für bestimmte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte geltende Basisinformationsblatt PRIIP, müssen diese Punkte in der Prospektzusammenfassung enthalten sein:
- Die Einleitung muss Warnhinweise enthalten, die bis zu 15 Risikofaktoren enthalten
- Basisinformationen über den Emittenten ,
- Basisinformation über die Wertpapiere ,
- Basisinformation über das öffentliche Angebot von Wertpapieren und/oder die Zulassung zum Handel an einem geregelten Markt.

Einfachere Risikohinweise für Anleger

- Im Prospekt dürfen nur noch Risiken angeführt werden, die für den Emittenten oder die Wertpapiere spezifisch und im Hinblick auf eine fundierte Anlageentscheidung von wesentlicher Bedeutung sind,
- Die Beurteilung der Risiken muss mit Wahrscheinlichkeiten versehen werden. Die Wahrscheinlichkeiten möglicher negativer Auswirkungen müssen zum Beispiel mit „gering“, „mittel“, „hoch“ beurteilt werden.
- Die Anzahl der Risikokategorien werden begrenzt, wesentliche Risiken sind zuerst anzuführen.

"Für kleinere Emittenten sollte die Erstellung des Wertpapierprospekts dadurch deutlich vereinfacht werden und damit zu spürbar geringeren Kosten führen wird, sofern diese aufgrund der Anhebung der Schwellenwerte nicht ohnehin entfällt. Es ist auch davon auszugehen, dass die neue Prospekt-Verordnung die Darstellung der Zusammenfassung und der Risikofaktoren der Veranlagungsprospekte wesentlich beeinflussen sowie zu einer Anhebung der Schwellenwerte von Veranlagungsprospekten führen wird", so TPA-Expertin Ponesch-Urbanek.

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