So reagieren Gold und Rohstoffe auf verschiedene Inflationsszenarien

Eine hohe und steigende Inflation gilt als perfektes Umfeld für steigende Kurse bei Rohstoffen, Gold und Aktien. Doch was, wenn die Inflation zwar hoch ist aber tendenziell wieder sinkt oder wenn die Inflation niedrig ist und nur leicht steigt? Experten haben diese und andere Kursentwicklungen auf Basis der Inflation seit 1988 analysiert.

So reagieren Gold und Rohstoffe auf verschiedene Inflationsszenarien

„Wir erleben den perfekten Sturm von höherer Nachfrage und geringerem Angebot“, erklärte Jerome Powell, Chef der US-Notenbank. Die Folge: Die Inflation steigt, und das stärker und schneller als erwartet. In den USA sind die Preise im Juni gar um 5,4 Prozent gestiegen. Auch in der EU wurde in den vergangenen fünf Monaten ein markanter Preisschub verzeichnet, wenn diese auch mit knapp zwei Prozent vergleichsweise schwächer ausfiel.

Steigende Inflationsraten sind derzeit jedoch ein globaler Trend. Ein Teil des Anstiegs ist auf Basiseffekte zurückzuführen. Und die Währungshüter sowohl in Europa als auch in den USA werden nicht müde, diese Entwicklung aufgrund der Pandemie und den daraus folgenden Lieferengpässen, gekoppelt mit Nachholeffekten bei den Ausgaben als vorübergehend einzustufen.

Verändern neue Lieferketten das Preisgefüge nachhaltig?

Doch es gibt, wie Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, auch Zweifel, dass diese Entwicklung nur vorübergehend ist. Wie er erwartet auch Mohamed El-Erian, Chefberater der Allianz, dass sich Lieferketten nachhaltig verändern, was längerfristig Druck auf die Preise ausüben würde. Nitesh Shah, Researchchef der Investmentgesellschaft WisdomTree glaubt zwar, dass die Inflation nach dem enormen Basiseffekt der extrem niedrigen Energiepreise im letzten Jahr kurzfristig etwas nachlassen wird. "Dennoch dürfte die Inflation alles andere als vorübergehend sein. Betrachtet man die Details hinter den Werten für den Verbraucherpreisindex, scheint die Inflation breit abgestützt zu sein. Das Ausmaß des Geldmengenwachstums in Verbindung mit dem Nachholbedarf bei vielen Gütern und Dienstleistungen wird ein Rezept für eine anhaltende Preisinflation sein, auch wenn die außergewöhnlichen Basiseffekte vorbei sind."

Wer lieber auf Nummer sichergehen möchte und sich gegen eine höhere Inflation schützen möchte, ist mit Investments in Rohstoffe und Gold als Beimischung gut beraten. „In der Vergangenheit haben sich Rohstoffe, darunter auch Gold, als Inflationsschutz bewährt“, so Shah, Rohstoffexperte bei WisdomTree. Doch es gilt einige Grundregeln zu beachten, wie Wisdom Tree in einer Untersuchung seit 1988 herausgefunden hat. Die Übersicht über die Erkenntnisse finden Sie im Folgenden.


So reagieren Rohstoffe und Gold auf Inflation

  1. Fällt die Inflation, sinken auch die Rohstoffnotierungen
    Die Kurse von Rohstoffen allgemein und Gold reagieren jedoch auf die Inflationsentwicklung nicht völlig gleich. So steigen Rohstoffpreise zwar bei anziehender Inflation, folgen dieser aber auch nach unten, wie Wisdom Tree herausfand.
  2. Gold folgt der Inflation dagegen tendenziell nur nach oben, lässt der Preisdruck nach, sinkt das Edelmetall nicht zwangsläufig.
  3. Höhere Inflation treibt Anleger auch bei guter Wirtschaftslage in Gold.
  4. Entwickelt sich die Wirtschaft schlechter, schneidet Gold in der Regel gut ab, wie etwa nach einem Wirtschaftsschock.
  5. Gold ist in Zeiten erhöhter Inflationsraten (über 2,5 Prozent) die Anlageklasse mit der besten Performance. Das ergab eine Untersuchung von Wisdom Tree seit dem Jahr 1988. In den USA liegt die Inflation bereits über fünf Prozent.
  6. Gold steigt bei hoher Inflation, Rohstoffe nur bei steigenden Preisen
    Eine hohe Inflation ist ebenso positiv für den Goldpreis, unabhängig davon, ob die Inflationsrate steigt oder fällt (siehe Grafik). Wenn die Inflation ihren Höchststand überschritten hat, können Rohstoffpreise davon meist jedoch nicht mehr profitieren.

Liegt der US-Verbraucherpeisindex über 2,5 Prozent ist Gold die Anlageklasse, die sich in der Vergangenheit am besten entwickelt. (CPI steht für Consumer Price Index (Verbraucherpreisindex) Quelle: Wisdom Tree.

So verhalten sich die Assetklassen bei unterschiedlichen Inflationsszenarien

Die durchschnittliche monatliche Performance verschiedener Assetklassen in unterschiedlichen Inflationsszenarien seit 1988. Quelle Wisdom Tree.

  1. Hohe oder steigende Inflation: Rohstoffe, Gold und Aktien profitieren am stärksten
  2. Die Inflation ist niedrig und steigt leicht: Aktien und Anleihen legen am meisten zu. Gold entwickelt sich in diesem Szenario am schwächsten.
  3. Die Inflation ist hoch, nimmt ab: Rohstoffpreise geraten unter Druck, Gold legt am stärksten zu, Aktien leiden ebenfalls und können ins Minus geraten.
  4. Die Inflation ist niedrig und nimmt ab: Ein Umfeld in dem die Rohstoffpreise am meisten unter Druck geraten. Auch Gold fällt. Aktien und Anleihen legen dagegen zu.

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