So oft wird beim Erben gestritten - so vermeiden Sie das Fiasko

Erben kann Familien fürs Leben entzweien, aber eben auch das eigene Vermögen massiv aufpeppen. In den nächsten Jahrzehnten wird sich das vererbte Vermögen sogar verdoppeln. Warum die Erblasser aber oft ein Chaos hinterlassen.

So oft wird beim Erben gestritten - so vermeiden Sie das Fiasko

Auf die großer Trauer folgt oft der große Streit. Wenn sich Geschwister streiten, bleibt der Familienfrieden auf der Strecke.

Geht es ums Erben, dann sind oft Zwietracht und Streit vorprogrammiert. Besonders, wenn die Verstorbenen - die Erblasser - ihren Nachlass nicht richtig regeln.

In diesem Fall wird wohl in Zukunft umso heftiger gestritten werden, denn die zu vererbenden Vermögen steigen rasant an. So werden in Österreich aktuell pro Jahr rund 15 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt. Ein Erbe erhält dabei im Schnitt ein Vermögen im Wert von 150.000 Euro. Bis 2050 dürfte sich diese Summe auf 30 Milliarden Euro jährlich verdoppeln, prognostiziert WU-Ökonom Stefan Humer.

Den Nachlass ordnungsgemäß zu regeln wird daher immer wichtiger. Wobei die Österreicher dabei bisher vergleichsweise fahrlässig sind. Nur rund 13 Prozent der Österreicher machen Schätzungen der Schoellerbank zufolge ein Testament. In Deutschland sind es 20 Prozent, in Großbritannien 30 Prozent.

47 Prozent der von der Rechtsanwaltskammer Niederösterreich befragten Studienteilnehmer haben sich noch keine Gedanken über ein Testament gemacht. Aber immerhin 68 Prozent der Österreicher empfinden es als wichtig, über das Erben zu sprechen. Auch interessant: Nur 42 Prozent informieren ihre Kinder über den Inhalt des Testaments. Männer sprechen weniger offen über das Thema als Frauen.

Auch 76 Prozent der heimischen Unternehmer haben sich noch keine Gedanken, wer ihre Nachfolge antreten könnte. Selbst bei den 50- bis 70-jährigen hat sich erst jeder Zweite darüber Gedanken gemacht, wer die Firmennachfolge antreten könnte.

Viele Testamente werden falsch ausgelegt

Wer ein Testament macht, ohne Profis zu rate zu ziehen, kann mit seinem letzten Willen dennoch kläglich scheitern. Liegt ein Testament vor, wird laut einer Erhebung deutscher Anwälte, rund die Hälfte davon falsch ausgelegt. Die Schoellerbank rät daher zu einer guten Planung der Erbschaft. Es geht nicht nur ums Geld. „Von Betroffenen wird immer wieder Fairness und Gerechtigkeit bei der Vermögensaufteilung als wichtig angeführt. Beim Erben geht es daher oft um Wertschätzung und Dankbarkeit . Diese werden durch Schenkung zu Lebzeiten als auch durch Bedenken im Testament ausgedrückt“, weiß Elke Esterbauer, Coach, Mediatorin und Vermögensplanerin bei der Schoellerbank.


Ein Testament ist eine Vision über das eigene Leben hinaus

Für viele bedeutet ein Testament zu machen, allerdings bereits den eigenen Tod vor Augen zu haben. „Aber es ist nicht der Schlusspunkt im Leben“, so Esterbauer, sondern vielmehr eine Vision über das eigene Leben hinaus. Und es bedeutet Verantwortung zu übernehmen. „Je größer das Vermögen und je komplexer die Vermögenswerte, desto größer ist auch Verantwortung“, so die Wealth-Managerin.

So funktioniert eine professionelle Erbschaftsplanung

Am Beginn der Erbschaftsplanung steht laut Schoellebank die Analyse der Familienstruktur und die Frage, wer die potentiellen Erben sind. Danach wird eine private Vermögensbilanz erstellt und geklärt, ob mit der vorhandenen Vermögensstruktur die Vorstellungen und Ziele des Erblassers verwirklicht werden können oder ob Änderungen nötig sind. Auch die erbrechtlichen Vorschriften und Steuerfragen werden beleuchtet und geben den Rahmen für eine Planung der Vermögensnachfolge vor. Esterbauer: „Doch das Gesetz sagt nicht, wer was aus der Erbmasse erhalten soll.“ Der letzte Wille liegt bei jedem selbst.

Coaching statt Streit vor Gericht

Allerdings hilft das Fachwissen von Experten eine professionellen Erbschaftsplanung durchzuführen, sowohl in emotionaler als auch in rechtlicher, steuerlicher und wirschaftlicher Hinsicht. So gibt es in Vermögensabteilungen von Banken mitunter spezielle Vorsorge- und Nachfolgespezialisten, die auf die emotionalen Bedürfnisse in diesem sensiblen Lebensthema geschult sind, wie häufig in Privatbanken. „Bei bestimmten Familienkonstellationen kann Coaching und das Wissen, wie Konflikte beigelegt werden, äußerst hilfreich sein", weiß Esterbauer. Mediation ist schwierige und heikle Angelegenheit, kann aber den Familienfrieden retten. So versuchen Vermittler im Streit etwa zu klären, wer welche Interessen hat. Liegen die Prioritäten am Tisch, versuchen die Profis den Streitenden zu helfen, die Interessen des jeweils anderen zu verstehen. Denn am Tisch zu Hause sind solche Gespräche irgendwann vorbei, weil jemand wutentbrannt aufsteht und davonrennt, wie Experten aus Erfahrung wissen. Das kann für alle beteiligten Nervenaufreibend sein. Aber eine Konfliktlösung abseits von Gerichten kann sich lohnen - und die Chancen stehen gut, dass man sich hinterher auch noch in die Augen sehen kann. Stehen Geschwister vor Gericht ist dagegen das Vertrauen in den anderen wohl auf Ewig dahin.

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