So oft wird beim Erben gestritten - so vermeiden Sie das Fiasko

So oft wird beim Erben gestritten - so vermeiden Sie das Fiasko

Auf die großer Trauer folgt oft der große Streit. Wenn sich Geschwister streiten, bleibt der Familienfrieden auf der Strecke.

Erben kann Familien fürs Leben entzweien, aber eben auch das eigene Vermögen massiv aufpeppen. In den nächsten Jahrzehnten wird sich das vererbte Vermögen sogar verdoppeln. Warum die Erblasser aber oft ein Chaos hinterlassen.

Geht es ums Erbe werden selbst innigen Geschwister schnell Feinde. Wenn ein geliebter Mensch stirbt und der große Streit ums Erbe ausbricht, bleibt finanziell und zwischenmenschlich oft kein Stein auf dem anderen. Entweder aus eigenem Antrieb oder weil die Kinder und Angeheiratet Erbberechtigte dazu anstacheln, sich ein möglichst großes Stück vom Erbe unter den Nagel zu reißen. Die Zwietracht, die rund um das Vermögen der Eltern und anderen Verwandten sind weit verbreitet. Laut einer Umfrage der niederösterreichischen Rechtsanwaltskammer hatten 24 Prozent der Befragten bereits Streit um das Erbe. Allein die potenziellen Erblasser rechnen nicht unbedingt damit. Nur wenige von ihnen erwarten, dass sich um ihren Nachlass gestritten wird.

Höhe des vererbten Vermögens wird sich verdoppeln

Es geht um viel: Das zu vererbende Vermögen wird sich in den nächsten 30 Jahren verdoppeln. So werden in Österreich derzeit pro Jahr rund 15 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt. Bis 2050 soll die Summe jährlich auf 30 Milliarden Euro steigen, prognostiziert WU-Ökonom Stefan Humer. Der rapide Anstieg ist auf mehr alte Menschen und daher auch mehr Todesfälle zurückzuführen. Derzeit erhält ein Erbe im Schnitt ein Vermögen im Wert von 150.000 Euros. Um sich so viel Geld zu ersparen, müsste man sich in der Firmenhierarchie schon bis zum Management hocharbeiten, um sich diesen Betrag ohne Erben auf die Seite legen zu können.

Künftig wird das Erben daher noch wichtiger als bisher. Man möchte meinen, dass entsprechend viele Menschen, die etwas zum Vererben haben, ein Testament gemacht haben - aber weiter gefehlt: Nur 13 Prozent der Österreicher laut der Schoellerbank haben ein Testament gemacht. In Deutschland sind es 20 Prozent, in Großbritannien 30 Prozent.
47 Prozent der von der Rechtsanwaltskammer Niederösterreich befragten Studienteilnehmer haben sich noch keine Gedanken über ein Testament gemacht . Aber immerhin 68 Prozent der Österreicher empfinden es als wichtig, über das Erben zu sprechen . Auch interessant: Nur 42 Prozent informieren ihre Kinder über den Inhalt des Testaments. Männer sprechen weniger offen über das Thema als Frauen.
Auch 76 Prozent der heimischen Unternehmer haben sich noch keine Gedanken, wer ihre Nachfolge antreten könnte. Selbst bei den 50- bis 70-jährigen hat sich erst jeder Zweite darüber Gedanken gemacht, wer die Firmennachfolge antreten könnte .

Viele Testamente werden falsch ausgelegt

Wer ein Testament macht, ohne Profis zu rate zu ziehen, kann mit seinem letzten Willen dennoch kläglich scheitern. Liegt ein Testament vor, wird laut einer Erhebung deutscher Anwälte, rund die Hälfte davon falsch ausgelegt. Die Schoellerbank rät daher zu einer guten Planung der Erbschaft. Es geht nicht nur ums Geld. „Von Betroffenen wird immer wieder Fairness und Gerechtigkeit bei der Vermögensaufteilung als wichtig angeführt. Beim Erben geht es daher oft um Wertschätzung und Dankbarkeit . Diese werden durch Schenkung zu Lebzeiten als auch durch Bedenken im Testament ausgedrückt“, weiß Elke Esterbauer, Coach, Mediatorin und Vermögensplanerin bei der Schoellerbank.


Ein Testament ist eine Vision über das eigene Leben hinaus

Für viele bedeutet ein Testament zu machen, allerdings bereits den eigenen Tod vor Augen zu haben. „Aber es ist nicht der Schlusspunkt im Leben“, so Esterbauer, sondern vielmehr eine Vision über das eigene Leben hinaus. Und es bedeutet Verantwortung zu übernehmen. „Je größer das Vermögen und je komplexer die Vermögenswerte, desto größer ist auch Verantwortung“, so die Wealth-Managerin.

So funktioniert eine professionelle Erbschaftsplanung

Am Beginn der Erbschaftsplanung steht laut Schoellebank die Analyse der Familienstruktur und die Frage, wer die potentiellen Erben sind. Danach wird eine private Vermögensbilanz erstellt und geklärt, ob mit der vorhandenen Vermögensstruktur die Vorstellungen und Ziele des Erblassers verwirklicht werden können oder ob Änderungen nötig sind. Auch die erbrechtlichen Vorschriften und Steuerfragen werden beleuchtet und geben den Rahmen für eine Planung der Vermögensnachfolge vor. Esterbauer: „Doch das Gesetz sagt nicht, wer was aus der Erbmasse erhalten soll.“ Der letzte Wille liegt bei jedem selbst.

Coaching statt Streit vor Gericht

Allerdings hilft das Fachwissen von Experten eine professionellen Erbschaftsplanung durchzuführen, sowohl in emotionaler als auch in rechtlicher, steuerlicher und wirschaftlicher Hinsicht. So gibt es in Vermögensabteilungen von Banken mitunter spezielle Vorsorge- und Nachfolgespezialisten, die auf die emotionalen Bedürfnisse in diesem sensiblen Lebensthema geschult sind, wie häufig in Privatbanken. „Bei bestimmten Familienkonstellationen kann Coaching und das Wissen, wie Konflikte beigelegt werden, äußerst hilfreich sein", weiß Esterbauer. Mediation ist schwierige und heikle Angelegenheit, kann aber den Familienfrieden retten. So versuchen Vermittler im Streit etwa zu klären, wer welche Interessen hat. Liegen die Prioritäten am Tisch, versuchen die Profis den Streitenden zu helfen, die Interessen des jeweils anderen zu verstehen. Denn am Tisch zu Hause sind solche Gespräche irgendwann vorbei, weil jemand wutentbrannt aufsteht und davonrennt, wie Experten aus Erfahrung wissen. Das kann für alle beteiligten Nervenaufreibend sein. Aber eine Konfliktlösung abseits von Gerichten kann sich lohnen - und die Chancen stehen gut, dass man sich hinterher auch noch in die Augen sehen kann. Stehen Geschwister vor Gericht ist dagegen das Vertrauen in den anderen wohl auf Ewig dahin.

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