So schlechte Anleger sind Österreicher im EU-Vergleich

Geldanlage: Beim Nutzen von Chancen sind die Österreicher nicht Weltmeister.

Geldanlage: Beim Nutzen von Chancen sind die Österreicher nicht Weltmeister.

Die Österreicher waren bei der Vermögensveranlagung in den vergangenen sechs Jahren nur halb so erfolgreich wie andere EU-Bürger. Wo das Problem liegt und wie viel Geld die Österreicher so liegen gelassen haben.

Dass Österreicher bei der Vermögensveranlagung ein gutes Händchen haben, kann man leider nicht behaupten. In den vergangenen sechs Jahren wäre an der Börse viel Geld zu machen gewesen, doch die Österreicher waren bei der Party nicht dabei. Die Vermögenseinkommen der Österreicher waren nur sogar gut halb so hoch wie in den übrigen Euroländern und die Wertgewinne erreichten gar nur ein Drittel des Vergleichswerts.

Statt fast fünf Prozent Rendite im Jahr nur 2,4 Prozent

Die Quittung: Die nominale Rendite liegt für die Jahre seit 2012 bei nur 2,4 Prozent (Durchschnitt der übrigen Euroländer: 4,8 Prozent), nach Abzug der Inflation bei mageren 0,7 Prozent (3,7 Prozent). So das Ergebnis einer Studie, die nun bei der einer Diskussion des Finanzjournalistenforum von Martin Kwauka mit den Chefs der Capital Bank und S Immo sowie Volkswirtschaftsprofi Arne Holzhauser und Bawag PSK-Marketingboss Markus Gremmel vorgestellt wurde.

Nirgendwo sonst ist der Anteil von Bargeld und Bankguthaben im Portfolio so hoch wie in Österreich – und gleichzeitig der Anteil von Aktien so niedrig. Die österreichischen Haushalte machen viel zu wenig aus ihren Vermögen.

Vertrauen und persönliches Gespräch mit Anlageberater wichtig

Die Ursachen dafür sind vielschichtig: Laut Erfahrungen von Bawag PSK-Produktmanager und Marketingboss Gremmel ziehen viele Privatkunden Wertpapiere als Veranlagungsprodukt meist erst nach einem Gespräch mit einem Berater in Erwägung. „Bei den ersten Veranlagungs-Schritten außerhalb des ‚klassischen Sparbuchsparens‘ ist das persönliche Gespräch wichtig. Denn viele denken bei Wertpapieren vor allem an Kursschwankungen und Verlustrisiken, nur wenige sehen auch die Chancen auf langfristige potentielle Erträge.“

Investmentprofis geben Tipps: Markus Gremmel (Bawag PSK), Constantin Veyder-Malberg (Capital Bank), Martin Kwauka (Finanzjournalistenforum), Ernst Vejdovszky (S IMMO), Arne Holzhausen (Allianz) (v.l.n.r.)

Inflation frisst Vermögen

In der BAWAG P.S.K. beobachte man zudem, dass Kunden immer höhere Beträge auf das Sparbuch setzen. „Nicht zu investieren ist auch eine Investment-Entscheidung – aber die denkbar schlechteste“, gab Gremmel zu bedenken. Bei einer Inflationsrate von drei Prozent sinkt das Vermögen nämlich in zehn Jahren um ein Viertel, und in 20 Jahren um knapp die Hälfte. Das Verlustrisiko gut einschätzen oder idealerweise begrenzen zu können, sei deshalb bei Investments an der Börse wichtig.

Grundwissen oft mangelhaft

Zur Unsicherheit im Hinblick auf Schwankungen und das Risiko bei Wertpapier-Veranlagung komme auch noch ein geringes Wissen zu Finanzthemen hinzu. „Die Österreicher haben einen großen Aufholbedarf, um ein Verständnis für grundlegende Begriffe wie Aktien, Anleihen oder Fonds zu entwickeln“, verdeutlichte Gremmel.

Immobilien und Immoaktien als solider Baustein

Auch Ernst Vejdovszky, Vorstand der S IMMO, verwies bei der Diskussion auf den Kapitalmarkt als chancenstarken Ausgleich zum klassischen Sparbuch für Privatanleger in Zeiten von historisch niedrigen Zinsniveaus: „In einem gut sortierten Anlageportfolio sollten Immobilien nicht fehlen. Eigenheime und Vorsorgewohnungen sind in Österreich beliebt, für kleinere Veranlagungssummen stellen Immobilienaktien eine attraktive Alternative dar.

Klare Strategie für alle Situationen

Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Capital Bank, merkte an, dass den Österreichern eine klare Vermögensstrategie fehle: „Wer diese hat, hält Marktschwankungen aus. Die Belohnung sind deutlich bessere Renditen. Diese braucht, wer real kein Geld verlieren will.“

Österreicher haben Milliarden an Zusatzgewinnen liegen gelassen

Arne Holzhausen, Leiter Volkswirtschaftliche Abteilung bei der Allianz hob hervor, dass die Österreicher in der Finanzkrise einiges richtig gemacht hätten, denn das Vermögen sei trotz Turbulenzen weiter gewachsen: „Aber sie haben den Ausgang aus dem Krisenmodus verpasst, immer noch regieren Sicherheit und Liquidität. Die folgenden sechs Jahre Aufschwung haben die Österreicher daher mehr oder weniger verschlafen. Das war kostspielig, bei etwas mehr Risikoneigung könnten die Geldvermögen heute um mindestens 25 Milliarden Euro höher liegen.“

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