Snapchat mit Künstlicher Intelligenz zur Neusortierung

Snapchat mit Künstlicher Intelligenz zur Neusortierung

Snapchat, die Smartphone-App für flüchtige Bilder, macht mit einem Radikalumbau die Flucht nach vorne - um Verluste abzubauen.

Nach schwachen Quartalszahlen will Snapchat sein Geschäftsmodell umbauen. Die App soll einige an Neuerungen bringen. Und Snapchat soll zumindest die Verluste im Zaum halten, die sich wieder massiv erhöhten. Künstliche Intelligenz soll weiterhelfen und die Sortierung der Freunde vornehmen. Darauf schauen auch die Anleger mit Spannung.

Los Angeles. Die Foto-App Snapchat wird nach ihrer Neugestaltung klarer zwischen Beiträgen von Freunden und Medieninhalten trennen. Snap baut um. Das Ergebnis zwingt die mit vielen Vorschusslorbeeren im Frühjahr 2017 an die Börse gehievte Company zu radikalen Schnitten.

Snapchat dürfte bei den Nutzern und Anlegern in der Zwischenzeit den Zweifel genährt haben, was die Durchschlagskraft der Strategie und vor allem des Produkts anbetrifft. Und so sieht sich der Gründer und Mastermind gezwungen, rasch nachzruüsten. Dass in sozialen Medien aktuell alles in einer Ansicht vermischt werde, sorge oft für Verwirrung und erleichtere auch die Verbreitung gefälschter Nachrichten, argumentierte der Mitgründer und Chef der Entwicklerfirma Snap, Evan Spiegel.

Snap hatte den Umbau der App nach schwachen Quartalszahlen angekündigt. Die zügige Präsentation des neuen Konzepts legt aber nahe, dass daran schon seit einiger Zeit gearbeitet wird.

Die Quatalszahlen waren einmal mehr katastrophal: Im vergangenen Quartal hat die Zahl der täglich aktiver Nutzer bei Snapchat um drei Prozent auf 178 Millionen zwar zugenommen. Aber das Nutzerwachstum ist damit zu bescheiden ausgefallen. Gleichzeitig ist der Verlust massiv angestiegen.

Ladenhüter statt Verkaufsschlager

Mit 207,9 Millionen Dollar wurde zwar der Umsatz zwar um 62,19 Porzent kräftig erhöht. Unterm Strich schreibt das Unternehmen 443,2 Mio. Dollar Verlust nach 124,2 Millionen vor einem Jahr. Eine zusätzliche sattte Abschreibung wirft zudem noch dunkle Schatten auf die Strategie des Unternehmens. Snap musste zudem rund 40 Mio. Dollar auf liegengebliebene Geräte seiner Kamera-Sonnenbrille abschreiben, die eigentlich ein Verkaufsschlager werden sollte.

Die Konkurrenz, allen voran Facebook mit instagram, hat sich auf Snap bestens eingestellt. Snapchat will nun gegen Facebook und dessen Foto-Plattform auch mit einer "dynamischen Freundesliste" punkten, in der die Kontakte eines Nutzers mit Hilfe künstlicher Intelligenz ständig umsortiert werden. Dafür soll die Software mit der Zeit nicht nur lernen, mit wem ein Nutzer besonders häufig kommuniziert, sondern auch, welche Freunde er in jedem einzelnen Moment am ehesten anschreiben würde. Diese Kontakte sollen dann höher in der Liste angezeigt werden.

Auch bei der neuen Snapchat-App werden die Nutzer zunächst die Kamera-Ansicht sehen. Die Freundesliste ist links davon, die Medieninhalte rechts. Snap hatte bei der Ankündigung des Umbaus auch betont, die Neugestaltung solle dem Dienst mehr ältere Nutzer im Alter über 34 Jahren bringen.

Doch die neue Funktion könnte vielleicht zu spät kommen, um sich gegen die Konkurrenz nun neu zu positionieren. Ein Problem für Snapchat ist, dass die Facebook-Tochter Instagram einige populäre Snapchat-Funktionen kopierte und damit bei einer größeren Nutzer-Basis erfolgreich ist.

Die Halbierung der Fantasie

Die einstige Fantasie der Anleger aus den Zeiten des Börsengang im März 2017 ist derweil verflogen. Wurde noch zum Börsedebut ein Aufschlag von 44 Prozent zum Emissionpreis notiert mit einem damaligen Schlusskurs von 24,48 Dollar, ist die Lust der Anleger verpufft. Die Aktie notierte zwar noch Anfang März bei 29,44 Dollar. Seither ist der Kurs um über die Hälfte eingebrochen. Für Snapchat brechen harte Zeiten an. Das Unternehmen muss jedenfalls bald positive Zahlen abliefern, um auch bei den Anlegern wieder zu überzeugen. Der gelungene Börsengang liegt bereits eineinhalb zurück. Und die Story, dass viele Nutzer Facebook den Rücken zukehren und zu Snapchat wechseln, hat sich bis heute nicht bewahrheitet.

Aktie auf Talfahrt: Kurz nach dem Börsengang Anfang März schnappte der Snap-Aktienkurs um über die Hälfte zurück. Die Börsianer jubelten zum Börsedebüt über ein gelungenes Börsendebüt.

Kommentar
Ariel Bezalel, Jupiter Asset Management

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